Das aktuelle Wetter NRW 4°C
Rauchverbot

Mediziner warnen vor Ausnahmen beim Rauchverbot

24.09.2012 | 16:05 Uhr
Funktionen
In NRW gebe es zu viele Ausnahmeregelungen vom Rauchverbot, kritisieren Mediziner.Foto: Franz Luthe

Düsseldorf.   In der Debatte um das geplante Nichtraucherschutzgesetz warnen Ärzte, Krebshilfe und Herzstiftung die rot-grüne Koalition vor Ausnahmen und Schlupflöchern. Nur ein strikter Schutz vor dem Passivrauchen könne die Zahl der Herz- und Lungenerkrankungen senken, erklärte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke.

In einem „Ärztlichen Appell“ kritisieren die beiden NRW-Ärztekammern, dass das Land Schlusslicht beim Nichtraucherschutz in Deutschland sei. „Nirgendwo gibt es so viele Ausnahmeregelungen zulasten der Gesundheit wie an Rhein und Ruhr“, sagte Henke.

Laut Helmut Gohlke, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung, ist der Rückgang an Herzerkrankungen umso stärker, je strikter der Nichtraucherschutz angewendet wird.

Nach einer Studie der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) ging die Zahl der stationären Behandlungen wegen Herzinfarkt in den letzten fünf Jahren in Ländern mit strikten Nichtraucherschutzgesetzen um 8,6 Prozent zurück. In Bremen sei die Herzinfarktrate bei Nichtrauchern nach Einführung von Nichtraucherschutzgesetzen sogar um 25 Prozent gesunken.

SPD-Basis für Lockerungen

Das Landeskabinett hatte im Juni den Entwurf für ein konsequentes Nichtraucherschutzgesetz verabschiedet, das ein striktes Rauchverbot in der Gastronomie und in öffentlichen Gebäuden vorsieht.

Video
Am geplanten Rauchverbot in Kneipen scheiden sich die Geister - wie unsere Umfrage zeigt.

In Teilen der SPD regt sich dagegen Widerstand. Auf dem SPD-Landesparteitag am Samstag in Münster liegen Anträge von Ortsvereinen aus Köln und Essen für Lockerungen des Gesetzentwurfs in Eckkneipen und Festzelten vor. Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) drängt auf Rauchverbote ohne Ausnahmen.

110.000 Tote im Jahr durch Rauchen

Die Leiterin des Berliner Büros der Deutschen Krebshilfe, Birte Hilbert, wies darauf hin, dass jährlich mehr als 110.000 Menschen in Deutschland an den Folgen des Rauchens sterben. „Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko“, mahnte Hilbert.

In 80 Prozent der Kneipen in NRW werde geraucht. Der Nichtraucherschutz müsse ausnahmslos auch in Festzelten und bei geschlossenen Veranstaltungen gelten, weil Kinder und Beschäftigte durch den Passivrauch geschädigt würden, sagte Hilbert weiter. „Nur bei einem strikten Rauchverbot kann NRW endlich aufatmen.“

Wilfried Goebels

Kommentare
Aus dem Ressort
SPD-Bundesvize: "Pegida"-Anhänger keine "arglosen Bürger"
"Pegida"
Juden und Christen stellen sich an die Seite der von Islamfeinden der umstrittenen "Pegida"-Bewegung angegriffenen Muslime in Deutschland.
Ethikrat lehnt organisierte Selbsttötung grundsätzlich ab
Sterbehilfe
Der Deutsche Ethikrat hat sich im Grundsatz gegen eine ärztlich assistierte Selbsttötung ausgesprochen. Röspel: Hospize und Palliativvorsorge stärken
Grüne kritisieren Umgang der SPD mit Edathy-Affäre
Affäre
Die Grünen kritisieren: Sozialdemokraten fehlt der Wille zur Aufklärung. Fraktionschef Oppermann soll schon bald im Zeugenstand.
Migrantenkinder können doppelte Staatsangehörigkeit behalten
Doppelpass
Jahrelang wurde gestritten: Sollen in Deutschland geborene Zuwandererkinder zwei Pässe haben können? Seit Samstag gilt: Ja - mit Einschränkungen.
Steinmeier will Russland nicht in die Knie zwingen
Sanktionspolitik
Die EU bleibt bei Russland-Sanktionen hart. Außenminister Steinmeier hingegen spricht sich vorsichtig für eine Lockerung der Sanktionen aus.
Fotos und Videos
Sakurai und Co.
Bildgalerie
Fotostrecke
Familie Al Sari floh in den Libanon
Bildgalerie
Spendenaktion