Mathe-Lehrer verzweifelt gesucht

Berlin/Essen..  Der Lehrermangel in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) wird sich in NRW in den nächsten zehn Jahren deutlich verschärfen. Wie der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm in einer neuen Studie prognostiziert, fehlen den Schulen bis 2025 in einzelnen Fächern mehr als die Hälfte der Lehrer. Das bedeutet: Kluge Köpfe - verzweifelt gesucht.

Besonders groß werden die Lücken demnach in den Fächern Technik, Physik und Chemie: Hier wird in zehn Jahren „nur zwischen 20 und 50 Prozent des Bedarfs gedeckt werden können“, so Klemm. Auch im Bereich Informatik wird laut Prognose fast jeder zweite Lehrer fehlen. Zugleich wünschen sich nach einer Umfrage des IT-Verbands Bitkom 75 Prozent der Schüler an weiterführenden Schulen Informatik als Pflichtfach. An den Hauptschulen sind es sogar 83 Prozent. Klemm sieht zwei Ursachen für die drohende Verschärfung des Mangels: Bereits heute ist fast jeder zweite der MINT-Lehrer an weiterführenden Schulen in NRW älter als 50 – von den derzeit rund 52 000 Fachlehrern wird daher rund die Hälfte in den nächsten Jahren altersbedingt ausscheiden. Zwar rücken junge Lehrer nach – doch nicht genug: „Wenn nicht deutlich mehr Studienanfänger ein MINT-Fach wählen“, so Klemm, „wird der Nachwuchs in keinem der MINT-Fächer die entstehende Lücke schließen können.“

Hinzu kommt: An vielen Schulen werden MINT-Lehrer bereits fachfremd eingesetzt. Klemms Studie im Auftrag der Telekom-Stiftung zeigt, dass zuletzt an Gymnasien nur 70 Prozent der Informatiker in ihrem Fach unterrichteten, bei den Mathelehrern waren es immerhin rund 90 Prozent.

Weitere Bundesländer betroffen

NRW steht mit Lehrermangel nicht alleine da: Laut Klemm seien die Prognosen grundsätzlich auch auf andere Bundesländer übertragbar, im Osten seien sie sogar noch dramatischer. Der Bildungsforscher fordert daher die Hochschulen auf, mehr gegen Studienabbrecher zu tun – etwa durch bessere Beratung. Ebenso wichtig sei es, die Zahl der MINT-Studenten zu erhöhen, vor allem der Studentinnen. Nur jeder vierte Informatiklehrer in NRW sei eine Frau.