"Massentierhaltung berührt mich mehr" - Lehrer empört mit Auschwitz-Äußerung

Das Grundgesetz gesteht jedem Menschen das Recht auf freie Meinungsäußerung zu.
Das Grundgesetz gesteht jedem Menschen das Recht auf freie Meinungsäußerung zu.
Foto: imago/Martin Bäuml Fotodesign
Was wir bereits wissen
„Mich interessiert Auschwitz nicht. Massentierhaltung berührt mich mehr“: Ein Dortmunder Lehrer löst mit rechtsextremen Äußerungen eine Diskussion aus über Meinungsfreiheit bei Beamten.

Dortmund/Unna.. Schon vor zwei Jahren wurde der Dortmunder Gymnasiallehrer Daniel K. vorübergehend vom Dienst suspendiert, weil er bei einer Demonstration der rechtspopulistischen Partei Pro NRW als Gastredner aufgetreten war – nun sorgt der Mann mit einem Telefon-Beitrag zum Thema Auschwitz-Gedenken erneut für Empörung.

"Mich interessiert Auschwitz überhaupt nicht. Emotional berührt mich Massentierhaltung viel mehr. Sechs Millionen Tiere sterben alle 20 Minuten“, erklärte K., der inzwischen wieder als Lehrer für Politik und Deutsch arbeitet, in einem Hörer-Beitrag in der WDR-Radiosendung "Tagesgespräch" zum Jahrestag der Auschwitz-Befreiung.

Die Bezirksregierung Arnsberg bat den Lehrer, der sich – weil ,,bekennend homosexuell“ – als „klassisches Opfer des Nationalsozialismus“ vorstellte, um eine schriftliche Stellungnahme zu dem Vorgang.

Recht auf freie Meinungsäußerung

„Das, was Herr K. am Dienstag öffentlich erklärt hat, missbilligen wir eindeutig. Es ist einfach nur geschmacklos“, erklärte Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Suspendierung Seine Teilnahme an der Pro NRW-Kundgebung gegen eine Veranstaltung der Salafisten habe zwar zur Suspendierung geführt, „doch dagegen klagte er über zwei Instanzen. Mit Erfolg“. Das Verwaltungsgericht Münster gestand dem beamteten Lehrer das Recht auf freie Meinungsäußerung zu. Daher musste K. wieder beschäftigt werden. Seit vergangenem Jahr arbeitet der Pädagoge an einem Weiterbildungs-Kolleg im Kreis Unna.

„Natürlich akzeptieren wir seine Äußerungen nicht, aber wir müssen die gerichtliche Entscheidung als Faktum akzeptieren“, heißt es seitens der Bezirksregierung. Wichtig sei, dass er seine Äußerungen, bei denen Auschwitz in Massentierhaltung mündet, nicht vor Schülern im Unterricht mache.

"Bitte nicht denken, ich sei rechts"

Der Pädagoge selbst beschreibt sich auf Facebook so: „starke Empathie für linksprogressive Befreiungsbewegungen z.B. gegen Religion, Sexismus, Tierausbeutung und Faschismus; in letzter Zeit engagiere ich mich auch stark gegen Salafismus/Islamismus – bitte deshalb nicht denken, ich sei rechts!“

Im "Tagesgespräch" sagte er: „Auschwitz hindert uns daran, wachsam zu sein. (...) Juden haben Angst vor radikalen Muslimen, deren Antisemitismus ist viel größer als jeder andere Antisemitismus in Deutschland. Aber das wird nicht thematisiert“ und ,,radikale Muslime bedrohen unsere Werte“.

Die Schule, in der K. unterrichtet, wollte sich nicht zu der Frage äußern, wie sie garantieren kann, dass K. seine Haltung nicht im Unterricht weitergibt. K.’s Auftritt im Radio war jedenfalls deutlich: Dort sagte er: ,,Auschwitz hat mich schon als Kind wenig emotional berührt“ und ,,Uns reicht es, wir kriegen das so oft dahergebraten. Jetzt müssen wir (die Schüler, Anm. der Red.) schon wieder eine Gedenkstätte besuchen“.

Die Radiomoderatorin konnte Anrufer K. jedenfalls nicht bändigen. Sie wirkte eher hilflos. Ihr Einwand: „Das ist mir jetzt etwas krass“, verhallte. Lehrer Daniel K. hatte auch darauf eine Antwort parat: ,,Ja, das ist Ihre Wertung.“