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Katholische Kliniken

Marburger Bund kritisiert Abweisung von Vergewaltigungsopfer

18.01.2013 | 16:17 Uhr
Marburger Bund kritisiert Abweisung von Vergewaltigungsopfer
Die Abweisung eines Vergewaltigungsopfers hat zwei katholischen Kliniken viel Kritik eingebracht.Foto: dpa

Köln.  "Mindestens die Beratung hätte man dieser Frau geschuldet" - Der Chef der Ärztevereinigung Marburger Bund hat die katholischen Klinken kritisiert, die ein Vergewaltigungsopfer abgewiesen haben. Politiker von SPD und Grünen zeigten sich empört. Strafrechtliche Konsequenzen hat der Fall wohl nicht.

Die Abweisung einer mutmaßlich vergewaltigten Frau durch zwei katholische Kliniken in Köln ist beim Ärzteverband Marburger Bund (MB) auf scharfe Kritik gestoßen. "Mindestens die Beratung, und zwar komplett und richtig, hätte man dieser jungen Frau geschuldet", sagte der MB-Vorsitzende Rudolf Henke am Freitag im ARD-"Morgenmagazin". Strafrechtlich wird der Vorfall nach einer ersten Prüfung durch die Staatsanwaltschaft wohl folgenlos bleiben.

Die beiden katholischen Kliniken im Kölner Norden hatten sich Mitte Dezember geweigert, eine mutmaßlich vergewaltigte 25-Jährige auf Tatspuren zu untersuchen. Berichten zufolge wurde die Frau auf entsprechende Anrufe einer Notärztin mit der Begründung abgewiesen, die gynäkologischen Untersuchungen zur Beweissicherung seien seit zwei Monaten untersagt, weil damit ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft und deren Abbruch sowie das Verschreiben der "Pille danach" verbunden sei.

Hintergrund
Katholische Klinik behandelte Vergewaltigungsopfer nicht

Zwei Kölner Kliniken geraten unter Erklärungsdruck, weil bekannt wird, dass sie einer vergewaltigten Frau Hilfe verweigerten. Die Kliniken entschuldigen sich mit einem „Missverständnis“ - und mit dem Abtreibungsverbot der Kirche.

Stiftung der Celiitinnen hat sich "in aller Form" entschuldigt

Nach Bekanntwerden des Vorfalls hatte sich die betroffene Stiftung der Cellitinnen zur heiligen Maria als Klinikträger am Donnerstag "in aller Form" bei der jungen Frau entschuldigt. Grund sei offenbar eine von Teilen des Klinikpersonals falsch ausgelegte neue Handlungsrichtlinie des Trägers gewesen. Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium leitete eine Überprüfung ein, ob die die beiden Krankenhäuser gegen gesetzliche Regelungen verstoßen haben.

Henke sagte zu dem Kölner Fall, so etwas habe er "noch nicht gehört". Mindestens müsse ein "schweres Missverständnis" zwischen dem Klinik-Träger und den Ärzten vorliegen, "und das ist ein schweres Kommunikationsproblem".

Grüne sprechen von einem "Skandal"

Die Kölner Staatsanwaltschaft sieht derweil im Zusammenhang mit der Abweisung der Frau derzeit keinen Anfangsverdacht für eine Straftat. Einer ersten Einschätzung zufolge liege weder eine unterlassene Hilfeleistung noch eine Strafvereitelung durch Unterlassen vor, sagte ein Sprecher der Behörde auf Anfrage. So setze beispielsweise der Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung einen "akuten Unglücksfall" voraus. Dies treffe im vorliegenden Fall aber nicht zu, da sich das mutmaßliche Opfer zum Zeitpunkt der Abweisung durch die beiden Kliniken bereits in ärztlicher Behandlung befunden habe.

Die SPD-Fraktionsbeauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften, Kerstin Griese, fordert die katholische Kirche auf, "umgehend Konsequenzen" aus dem Kölner Vorfall zu ziehen. Das Vorgehen der katholischen Kliniken in Köln sei inakzeptabel, erklärte Griese in Berlin. "Das war unterlassene Hilfeleistung und widerspricht der christlichen Nächstenliebe." Das Kölner Erzbistum müsse "sofort und unmissverständlich sicherstellen, dass sich ein solcher Vorgang nicht wiederholen kann".

Community
Große Empörung über das Verhalten der Kölner Ärzte

Der Fall eines Vergewaltigungsopfers in Köln hat unter Internetnutzern hohe Wellen geschlagen, nachdem zwei konfessionell geführte Kliniken der jungen Frau die Behandlung verweigert haben. Ist der Kirche im 21. Jahrhundert die Nächstenliebe abhanden gekommen?

Auch die Grünen-Abgeordneten Biggi Bender und Beate Müller-Gemmeke bezeichneten die Abweisung der Frau als "Skandal". "Das kirchliche Arbeitsrecht gehört auf den Prüfstand", forderten die Parlamentarierinnen in Berlin. Verweigert worden sei "eine ethisch völlig unstrittige Behandlung und Versorgung des Vergewaltigungsopfers und die Beweissicherung". Auch sei die Information verweigert worden, "dass die 'Pille danach' eine Möglichkeit zur Verhinderung einer Schwangerschaft ist und keine Abtreibung". Aufklärung ist aber "eine wesentliche Voraussetzung für eine informierte Entscheidung der Patientin". (afp)      

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Kommentare
19.01.2013
17:45
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Name von Moderation entfernt | #7

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19.01.2013
11:02
Marburger Bund kritisiert Abweisung von Vergewaltigungsopfer
von SchauDichSchlau | #6

Von dieser ART scheinheiliger SPRÜCHEKLOPFER-Vereine (Parteien u.s.w.) haben wir in Deutschland schon mehr als genug !
Denken wir nur mal an die Kassenärzlichen Vereinigung , Pharma-Lobby u.s.w.
Und denken wir bitte auch mal an die Parteien .. die diese unterstützen ...FDP / CDU / CSU ... !

18.01.2013
20:28
Das Verhalten der katholischen Kliniken,
von Neronimus | #5

ist ein deutliches Zeichen dafür ist, dass keine konfessionellen Krankenhäuser benötigt werden. Finanziert werden diese sowieso durch die Allgemeinheit. Die Konfession aber bestimmt. Mit welchem Ergebnis sehen wir jetzt. Wir brauchen überhaupt keine konfessionellen Einrichtungen die öffentliche Gelder erhalten. Wenn eine Religionsgemeinschaft Gutes tun will soll sie dies tun. Aber bitte im Verborgenen und mit eigenen finanziellen Mitteln. Sie soll aber verpflichtet werden, die Menschen die sich an sie wenden, über Risiken und Nebenwirkungen aufzuklären.

1 Antwort
Marburger Bund kritisiert Abweisung von Vergewaltigungsopfer
von curus | #5-1

Eine Pluralismus-Allergie hat auch ihre Risiken und Nebenwirkungen.

18.01.2013
19:33
Marburger Bund kritisiert Abweisung von Vergewaltigungsopfer
von kahevo | #4

Unter solchen (christlichen) Bedingungen sollte man der kath. Kirche das Betreiben von
Krankenhäusern verbieten und die Häuser schließen. Eine solche Klausel hat nichts
mit einer regulären Hilfe für Vergewltigungsopfern und anderen Betroffenen im Zusammenhang mit ärztlicher Hilfe zu bestehen. Bei der Vergabe der Genehmigung zum
Betreiben dieser Krankenhäuser mit dem "Christlichen Vorzeichen" sind geavierende Fehler gemacht worden.
Den Ärzten, die diese Frau abgewiesen haben, sollte der Prozess gemacht werden.

18.01.2013
19:24
Marburger Bund kritisiert Abweisung von Vergewaltigungsopfer
von annennerede | #3

Vor 6666 Jahren lebten auf der Erde erst 10 Millionen
Menschen und 300 Millionen Tiere. Und der liebe Gott
sprach: "Ich will alle Menschen und Tiere töten. Nur acht
Menschen will ich leben lassen, auf Noahs Arche".
Und so ertränkte der liebe Gott alle Kinder, Frauen, Männer, Omas
und Opas, Tanten und Onkel, die keinen Platz auf der Arche fanden.
Und der liebe Gott sprach:"Sehet, ich habe 9.999.992 Menschen und
299.990.000 Tiere ertränkt. Ihre Leichen treiben auf
den Wassern. Ze motse chen benai. (Das ist auf Deutsch: Dies findet Wohlgefallen
vor meinen Augen)."

18.01.2013
19:16
Marburger Bund kritisiert Abweisung von Vergewaltigungsopfer
von annennerede | #2

Welche christlichen Werte? Man braucht nicht die 10 Gebote, um menschlich zu sein und zu wollen, dass man so behandelt wird wie man andere behandelt. Dazu brauchte man keinen brennenden Busch..(Ach, jetzt wissen wir endlich dank Gottes Wort, dass wir nicht töten und foltern und auch nicht vergewaltigen sollen; gut, dass Gott durch einen Dornenbusch zu uns gesprochen hat...)

18.01.2013
17:09
Der Träger hat sich entschuldigt!?
von feinenase | #1

Der Grund dafür liegt wohl eher darin größeren Schaden von eigenen Unternehmen abzuwenden.
Die unterlassene Hilfeleistung der Ärzte ist mit Sicherheit den Direktiven des Trägers geschuldet.
Das Opfer der Vergewaltigung dadurch noch zwei mal zu beleidigen, zu erniedrigen ist verletzend und mehr als unmoralisch.
Eine solche Entschuldigung empfinde ich als Verhöhnung christlicher Werte.

1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #1-1

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