„Man spielt in der Lotterie des Todes mit“

Neukirchen-Vluyn..  Stefan Scholl (52) erlebt den Konflikt in der Ukraine hautnah. Am Donnerstagabend berichtete er in der Reihe „NRZ-Korrespondenten ganz nah“ in Neukirchen-Vluyn einem fachkundigen Publikum von seinen Erlebnissen im umkämpfen Kriegsgebiet. Christian Peters von der NRZ-Chefredaktion moderierte die spannende und gut besuchte Veranstaltung.

Seit 17 Jahren lebt der in NRW geborene Stefan Scholl in Moskau. In der Ukraine war der Moskauer NRZ-Korrespondent in den vergangenen Jahren oft. Er war auf dem Maidan in Kiew, als sich der Protest gegen die damals pro-russische Regierung Bahn schlug, er war im Süden des Landes und er war im Kampfgebiet in der Ostukraine. „Man spielt in der Lotterie des Todes mit, aber es ist wichtig, zu sehen und zu berichten, wie die Leute mit diesem Alltag umgehen“, sagt der leidenschaftliche Journalist Scholl.

Dass russische Soldaten im Osten der Ukraine kämpfen, ist ein offenes Geheimnis: „Die Rede ist zum Beispiel von 5000 Militärspezialisten aus Russland, die im Urlaub in der Ukraine kämpfen.“ Ohnehin ist für Scholl klar: „Putin hält die Fäden in diesem Konflikt in der Hand, und die Bevölkerung ist von diesem Krieg überzeugt.“ Auf der anderen Seite sieht Scholl allerdings auch „Fehler der Europäischen Union, die seit Jahren gegenüber Russland gemacht werden“. So empfänden viele Menschen in Russland das Vorrücken der Nato nach Osten als Demütigung. Auf die Frage aus dem Publikum, ob Russland ins Baltikum einmarschieren könnte, sagte Scholl: „Das wird nicht passieren. Putin weiß, dass dann die rote Linie überschritten ist.“ Ebenso gebe es keine Gefahr, dass vom Konflikt in der Ukraine ein Atomkrieg ausgehen könnte. Warum er diese gefährliche Arbeit mache, wollte ein Besucher wissen. Stefan Scholl: „Ich war auf dem Maidan. Die Menschen in der Ukraine sind interessiert an Demokratie. Deshalb wäre es albern, dort nicht hinzugehen.“ Schon bald ist Stefan Scholl wieder unterwegs in der Ukraine. Sein Ziel: die Krim.