Malu Dreyer zur Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz gewählt
16.01.2013 | 12:21 Uhr 2013-01-16T12:21:00+0100Berlin. Machtwechsel in Mainz: Die rheinland-pfälzische Sozialministerin Malu Dreyer löst den langgedienten Kurt Beck ab und ist am Mittwoch vom Landtag zur neuen Ministerpräsidentin gewählt worden. Noch bevor sie den neuen Job antrat, hat sie nicht nur die Herzen der Sozialdemokraten erobert.
Über sie hört man kein böses Wort. Das ist selten in der Politik, zumal Malu Dreyer seit zehn Jahren Ministerin für Arbeit, Soziales und Gesundheit in Rheinland-Pfalz ist. Am Mittwoch ist die SPD-Frau mit 60 zu 40 Stimmen - das entspricht der rot-grünen Mehrheit - zur Ministerpräsidentin gewählt worden. Es ist eine der Gelegenheiten, wo „alle Welt jetzt wieder die Marie-Luise rauskramt“, was sie leicht ärgert. Ihr Vorname ist ihr zu bieder. Mit 13 eröffnete sie den Eltern: „Ab heute heiße ich Malu.“
Nun könnte man einiges erzählen, über die Sparzwänge, über die Gebietsreform, über den geplanten Nationalpark und all die anderen Aufgaben, die auf sie zukommen. Außerhalb von Rheinland-Pfalz horcht man aus anderen Gründen auf. Zum einen beerbt die 51 Jahre alte Dreyer ein Kabinett, bei dem man nach einer „Männerquote“ rufen möchte: Vier Männer und sechs Frauen.
Nicht mehr auf der Rechnung
Mit der Leitung der Staatskanzlei hat sie auch eine Frau beauftragt, genauso in der Pressestelle. Zum anderen schaut man ihr beim Aufstieg gebannt zu, weil sie die tückische Krankheit Multiple Sklerose hat. Man hatte sie nicht mehr auf der Rechnung für die Nachfolge von Kurt Beck. Man hat Malu Dreyer unterschätzt, genauer: ihren Mut.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck macht Platz für Malu Dreyer (SPD), bisher Sozialministerin in Rheinland-Pfalz. Im Interview erklärt sie, warum sie eine Frauenquote für wichtig hält und fordert den Bund auf, den Bau von behindertengerechten Wohnungen wieder zu fördern.
Die Krankheit hat viele Gesichter. Bei der künftigen Landeschefin entwickelt sie sich nicht in Schüben, sondern schleichend. Das half ihr, ihr Leben einzurichten, den Stress bewältigen. Für längere Strecken nimmt sie den Rollstuhl. Dreyer traut sie sich den Job zu. Geht das gut? Leichter ist die Frage zu beantworten, was die SPD ihr zutraut: Sehr viel.
Eine Antwort auf die Oppositionsführerin Julia Klöckner
Malu Dreyer ist der Beweis dafür, dass die SPD die CDU-Oppositionsführerin Julia Klöckner ernst nimmt. Die Ministerin war an der Nürburgring-Affäre nicht beteiligt. Sie ist unbelastet und steht für das SPD-Herzthema soziale Gerechtigkeit. Populärer als Klöckner ist sie auch.
Beck weiß sein Erfolgsrezept (“nah bei de Leut“) bei Malu Dreyer gut aufgehoben. In gewisser Weise ist sie unangreifbar, jedenfalls mit unfairen, persönlichen Attacken. „Deutschlands tapferste Politikerin“ – so nennt „Bild“ sie – und gibt Volkes Stimme wieder.
Politikwissenschaftler sind sich einig: Noch nie waren die Zeiten für Frauen, die in der Politik Karriere machen wollen, so günstig wie heute. Während sie früher von Konkurrenten und den Medien häufig geringschätzig behandelt wurden, genießen sie heute hohes Ansehen.
Malu Dreyer kommt aus Trier, 147 Kilometer von Mainz entfernt, aus einer Region, in der die SPD ihren Einfluss ausbauen dürfte. Ihr Mann ist dort Oberbürgermeister. Jeden Morgen um 7.10 Uhr lässt sie sich nach Mainz fahren. Hat sie in Berlin zu tun, sitzt sie um sechs Uhr in Luxemburg im Flughafen. Da ahnt man, wie viel Selbstdisziplin in der zierlichen Frau steckt. Eine weitere Stärke ist ihr Fachwissen in der Sozialpolitik. Das politische Handwerk hat sie von der Pike auf gelernt, in der Kommunalpolitik. Sie ist – in vielen Runden im Bundesrat – mit allen Wassern gewaschen.
Es bleibt Dreyers Geheimnis, wie sie trotzdem nicht zur „menschlichen Gefriermasse“ geworden ist, wie der frühere Abgeordnete Dieter Lattmann das politische Berufsrisiko nannte. Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt fühlt sich bei ihr an ein Sprichwort erinnert: „Willst du jemandem die Zähne zeigen, dann lächele.“ Auch darauf muss die forsche Klöckner noch die richtige Antwort finden.
Zum einkaufen nach Luxemburg
Ihr Verhältnis ist indes unverkrampft. Sie kennen sich lange. Dreyer kommt aus einem CDU-Haushalt – ihr Vater war für die Partei aktiv – und trat erst mit 34 Jahren der SPD bei. Für das Bürgermeisteramt in Bad Kreuznach – 1995 bis 1997 – trat sie als parteilose Kandidatin an. Aus der Region und der Zeit kennt sie Klöckner. In Trier ist sie natürlich bekannt, und über die Stadt hinaus bestaunt man, dass die mächtigste Frau des Landes in einem Wohnprojekt, einer Art Mini-Dorf, mit Jungen, Alten, Behinderten und Nicht-Behinderte lebt. Wenn Malu Dreyer unerkannt bummeln will, fährt sie mit ihrem Mann nach Luxemburg.
Von Dreyer ist zwar kein Neustart zu erwarten, aber ein anderer Stil: kommunikativer, offener. Die SPD dürfte den nächsten Wahlkampf auf sie zuschneiden. Schon jetzt ist Malu Dreyer ihre „Kandidatin der Herzen“.

13:35
König Kurth hat der Thronfolgerin das Zepter überreicht.
17:41
Wenn Politiker wieder mehr Prioritäten auf die Stärkung der deutschen Wirtschaft und die Eigenverantwortung der Bürger setzen würden, könnten wir auf die Tröster etc verzichten.
Da die Gruppe der Transfereempfänger immer weiter steigt, wird sich das Modell nicht mehr finanzieren lassen. Zum Trinken gehe ich mit Freunden. Von einer Führungskraft erwarte ich in erster Linie Leistung, die sich auch in Vergleichen messen lässt und die das Team voranbringt. Da gibt es in RP viel zu tun.
Wenn man Frau Dreyer auf Trösten und Trinken mit Freunden reduziert, haben Sie recht. Ich wusste gar nicht, dass man allein damit MP werden kann.
15:14
Sorry, ich kann das Wort soziale Gerechtigkeit nicht mehr hören, auch nicht mehr das Sie die Herzen für sich gewonnen hat.
Politiker sollten nach ihren Erfolgen gemessen werden.
Ich wünsche Ihr viel Erfolg.
12:39
Ein Ministerpräsident kann abgewählt werden oder (mehr oder minder) freiwillig zurücktreten.
Und an K.Becks Rücktritt kann ich nichts kritikwürdiges erkennen.
Und die Nachfolgerin M. Dreyer wirkt auf mich wirklich ausgesprochen symphatisch!
Sympathie ist wichtig!
Denn wer kann denn schon die Kompetenz von Politikern beurteilen?
Kein Wunder, dass die CDU-nahen Kommentatoren sauer sind.
Denn gegen M. Dreyer wird die CDU es viel schwerer haben, als gegen K. Beck.
Derzeit besteht aber überhaupt kein Grund zur Aufregung.
Die nächste Landtagswahl in Rheinland-Pfalz gibt es erst in mehr als 3 Jahren (2016).
Und bis dahin wird M. Dreyer mit einer deutlichen rot-grünen Mehrheit regieren können.
Viel Erfolg dabei!
Vielleicht ist M. Dreyer ja die kommende Kanzler-Kandidatin der SPD - für 2017!?
12:00
cui.bono | #7:
Vielleicht sollten Sie beim nochmaligen Lesen des Artikels ihre schwarzgelbe Brille absetzen.
Ich schäme mich für SIE und Ihre heuchlerische Beileidsbekundung.
11:31
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10:11
Mit der gleichen Vehemenz wie die WAZ die Politiker am Pranger stellt,sollte sie ihre eigenen Sauereien mal öffentlich machen. Unfähige Manager und 120 Menschen müssen dafür bluten.
09:36
Ich würde mich schämen, wenn ich über die Quote an eine derartige Position kommen.
Das sie an MS leidet tut mir natürlich Leid!
Schämenswert ist es allemal eine DDR Funktrionärin zur Kanzlerin zu machen.
Dann schon lieber über ein getürktes Mißtrauensvotum, gell ...
08:16
Zynisch gesagt: Da schiebt sich ein Wir-die wir Verantwortung-tragender-Politiker Beck verantwortungslos (d.h. das 300 Mio. EURO Nürburgringdesaster ist vergessen!) ins Pensionsalter und lässt - zeitgemäß - eine Quotenfrau an die Macht. Und wie es bei Wechsel in höchste Staatsämter üblich ist, wird medial erst einmal hochgejubelt, beschönigt und eine " eine Bessere gibt es nicht" zur Laute besungen.
23:39
Nr. 4: Deinen Sozenhass kannste in die Tonne kloppen. Frag mal nach bei Oskar nach.