Mal nur eine Nummer, mal gut aufgehoben

An Rhein und Ruhr..  Haben Ärzte zu wenig Zeit für ihre Patienten? Reden sie nur Fachchinesisch? Erklären sie zu wenig? Oder sprechen sie überhaupt zu wenig Deutsch? Leserinnen und Leser haben uns ihre Erfahrungen geschildert:

„Da ich 1998 ein Melanom hatte, wollte ich die Muttermale mit dem Auflichtmikroskop untersuchen lassen. Die Ärztin benutzte das Mikroskop nicht, erst zum Schluss setzte sie das Mikroskop auf der Stirn auf, obwohl ich ihr vorher gesagt hatte, dass diese Rötung vom Kratzen kam. Für diese eine Minute bekam ich eine Rechnung über 16 Euro. Ich habe mich beschwert. Das Untersuchungsergebnis wurde mir nicht mitgeteilt. Die Betriebskrankenkasse riet mir, an die Kassenärztliche Vereinigung zu schreiben. Bei den Erfahrungen, die ich in den letzten fünf Jahren hatte, ist mir Angst und Bange, ernstlich krank zu werden. Ich kann keinem Arzt mehr vertrauen.“ Elfriede Appeltrath, Mülheim

„Ich wurde am 20. Januar im Krankenhaus am Halswirbel operiert. Nach der OP sind größere Schwierigkeiten im Gehirn aufgetreten. Der Arzt versicherte, es sei alles in Ordnung. Ich wurde innerhalb von acht Wochen dreimal geröntgt. Ich vermute, dass etwas verkehrt gelaufen ist. Mein Hausarzt hat gesagt, es läge an meinem Alter. Ich habe eine pflegebedürftige Frau, die ich gern noch weiter pflegen möchte, bin aber seither schlecht auf den Beinen, so dass ich auch im Rollstuhl ende.“ Eberhard Wels, Oberhausen

„Wir sind seit 22 Jahren bei unseren Hausärzten, niemals haben wir uns über mangelndes Zuhören beklagen können, im Gegenteil: Unsere Ärzte nehmen sich immer Zeit, geben Ratschläge, erklärten Medikamente und überwiesen uns zu Fachärzten, so dass uns immer wieder bestens geholfen werden konnte. Ferner hat man uns noch nie versucht, ein Igel-Produkt (Zusatzleistungen, die privat bezahlt werden müssen) zu verkaufen. Da unsere Ärzte noch jung sind (52 und 60), haben wir große Hoffnung, dass sie uns bis zu unserem Ende begleiten können.“

Christel und Hermann Kerst, Emmerich


„Mein Mann ist 1998 an einem Tumor am Mundboden erkrankt, er wurde zweimal binnen 14 Tagen operiert. Grundsätzlich haben sich fast alle Ärzte sehr große Mühe gegeben. Ausschlaggebend war die persönliche Stärke und Einstellung meines Ehemannes. Er war sehr informiert (Internet), somit hat er sich stets in Augenhöhe mit allen Ärzten unterhalten und ist nie einer Diskussion aus dem Weg gegangen. Ein großer Glücksfall war der Palliativmediziner. Er und seine Ehefrau haben uns in Zusammenarbeit mit dem Hamborner Hospiz bis zu seinem Tod 2008 begleitet. Mit deren Hilfe konnte mein Mann zu Hause sterben.“

Sigrid Dickmann, Duisburg

„Ich fahre nach wie vor rund acht Kilometer zu meiner Hausärztin, ich habe viele Erfahrungen mit Ärzten und Kliniken, aber nirgendwo habe ich eine so tolle Ärztin gefunden. Sie nimmt sich viel Zeit, hört mir aufmerksam zu, stellt zwischendurch Fragen, an denen ich erkennen kann, dass sie mir wirklich zuhört. Manchmal sprechen wir auch über private Dinge, und wenn es mir besonders schlecht geht, nimmt sie mich in den Arm. Ganz andere Erfahrungen habe ich bei einem Praxisverbund gemacht. Vor der OP nett und freundlich, nachdem nach der OP keine Besserung eingetreten war, hatte der Operateur nach einer dreistündigen Wartezeit zwei Minuten für mich.“ Renate Dettmer, Essen

„Meinem Mann wurde im Urlaub ein Defibrillator eingesetzt, wir wurden im Krankenhaus gebeten, sofort seinen Arzt aufzusuchen. Wir haben sofort am Montag den Arzt aufgesucht, nach einer Minute sagte er, heute ist Montag und er habe nicht viel Zeit, obwohl die Praxis leer war. Nur die Kardiologin hat er angerufen. Diesen Termin haben wir am gleichen Tag noch wahrgenommen. Sie hat sich die Narbe angeschaut und meinte, es sähe gut aus, aber da wir ja zwischendurch gekommen seien, hätte sie heute auch nicht viel Zeit. Der nächste Termin war in vier Wochen. Ich habe den Eindruck, dass es vielleicht am Alter liegt: Mein Mann ist 76, vielleicht liegt es auch daran, dass wir keine Privatpatienten sind.“ Lohmann und Hügen, Oberhausen

„Ich mache insbesondere bei Fachärzten die Erfahrung, dass man eine Nummer und nicht wie gehofft ein Patient mit Bedürfnissen ist. Ich glaube, dass mein Hausarzt hier die absolute Ausnahme ist. Er hört ohne Unterbrechung zu und lässt sich bei der Erklärung viel Zeit. Sein Bemühen, das Krankheitsbild, die Folgen und dîe angedachte Behandlungsweise zu erklären, ist beispiellos. Dafür danke ich ihm. Ich mache mir schon jetzt Sorgen, sollte er in den Ruhestand gehen.“

Jürgen Henkel, Schermbeck

„Ich kann über meine Hausärztin und über alle Ärzte die ich im Laufe eines Jahres in Anspruch nehme, nichts Negatives sagen. Sie nehmen sich Zeit und informieren gut und verständlich. Aber Orthopäden sind wohl spezielle Ärzte . Nicht nur, dass man mehr als eine Stunde trotz Termin warten muss, sie behandeln nicht, sie fertigen ab. Wenn überhaupt Aufklärung, dann nur in Kurzform und man ist oft geschockt über die unverbindliche Art. So kann man nicht mit Patienten umgehen.“ Marlies Matten, per Mail

„Bei meiner Gynäkologin ist immer Zeit für ein Gespräch, wenn ich Hilfe brauche, und zwar ohne jede Hetze. Auch das Personal ist immer freundlich und hilfsbereit, es herrscht einfach eine gute Atmosphäre. Aber auch bei meiner Hausärztin fühle ich mich gut aufgehoben.“ Monika Brands, Mülheim