Luxus-Ferien dank reicher Freunde
19.08.2007 | 12:47 Uhr 2007-08-19T12:47:08+0200Befreundete Geschäftsleute spendierten dem französischen Präsidentenpaar den Urlaub.Das stößt nicht nur der Opposition sauer auf. Élysée hatte lange geschwiegen
Paris. Den Urlaub hat Arnaud Montebourg Frankreichs Präsidenten nicht missgönnt. Aber dass sich Nicolas Sarkozy von millionenschweren Freunden einladen ließ, um zwei Wochen in einer luxuriösen Villa des amerikanischen Ostküsten-Geldadels zu verbringen, stieß dem Sozialisten durchaus übel auf.
Kräftig hat Montebourg, der selbst dem guten Leben keineswegs feindlich gegenüber steht, gegen Sarkozys ausgeprägten Hang zum Luxus polemisiert, hat Fragen gestellt, die auch so mancher Parteigänger des Präsidenten gern beantwortet gesehen hätte.
Wie ein Staatsgeheimnis hatte der Élysée-Palast hingegen die Frage behandelt, wer dem Präsidenten eine Ferienunterkunft zahlt, die in der Woche immerhin stattliche 22 000 Euro kostete. "Wir wissen von nichts. Das fällt im Übrigen in die Privatsphäre", beschied Präsidentensprecher David Matinon ein ums andere Mal neugierige Fragesteller.
Auch Sarkozy sah keinen Anlass, die heikle Frage zu beantworten, strich lieber heraus, dass seine Familie und er mit Linienflügen der Air France wie jeder x-beliebige Tourist in ihr Feriendomizil gereist seien. Dabei freilich vergaß er zu erwähnen, dass dem Airbus A 340 eine Falcon 900 der französischen Republik mit den wichtigsten Zuarbeitern an Bord hinterher flog.
Just am Ende der Ferien, in denen Sarkozy in Frankreichs Medien mit Kommuniques und improvisierten Stegreif-Pressekonferenzen in Shorts und T-Shirt so präsent war wie kein Präsident vor ihm, kam plötzlich der Sinneswandel. Noch aus den USA meldete sich Sarkozy bei "Le Monde" und gab seine Gönner preis. Dort, bei "Le Monde", staunte man nicht schlecht. Die Villa, sagte Sarkozy, sei "von unseren Freunden, den Crombacks und den Agostinellis, angemietet worden, die uns eingeladen haben". Namen mit Klang in der Pariser Geschäftswelt sind das. Agnes Cromback ist die Frankreich-Chefin des amerikanischen Edel-Juweliers Tiffany. Und Mathilde Agostinelli, eine enge Freundin der Präsidentengattin Cecilia, ist die Kommunikationschefin des Modehauses und verheiratet mit einem millionenschweren italienischen Geschäftsmann. Und auf der Luxus-Yacht von Vincent Bolloré, ebenfalls milliardenschwerer Geschäftsmann, spannte Sarkozy nach seinem Wahlsieg aus. Der Trip löste in Paris seinerzeit hohe Wellen aus, ohne Sarkozy nachhaltig zu beeindrucken.
Das Netz der guten Freunde sorgt auch weiterhin für entspannte Ferien des obersten Franzosen. Die Opposition freilich wittert da längst ein Geflecht von Seilschaften, die sich mit der Unabhängigkeit eines Staatsoberhaupts schlecht verträgt. Immerhin stellt der Staat überdies jedem Präsidenten eine ganze Reihe von Residenzen zur Verfügung, in denen sich durchaus komfortabel, freilich ohne protziges Jetset-Ambiente, urlauben lässt. Ohne Not hat Sarkozy das alles wohl nicht erzählt. Vor Ort recherchierten schon länger Pariser Reporter auf der Suche nach der Identität der reichen Freunde.

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