Lufthansa wusste von den Depressionen

Die Verkehrsfliegerschule der Lufthansa wusste während der Ausbildung des Co-Piloten der Germanwings-Unglücksmaschine von einer vorausgegangenen Depression. Das teilte die Lufthansa eine Woche nach dem Absturz in Frankreich mit 150 Toten mit.

In einer E-Mail habe der damalige Flugschüler Andreas Lubitz 2009 im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme seiner Ausbildung die Verkehrsfliegerschule über eine „abgeklungene schwere depressive Episode“ informiert, hieß in der Mitteilung des Unternehmens am Dienstagabend.

Bislang war nur bekannt, dass der spätere Unglückspilot seine Ausbildung in der Verkehrsfliegerschule aus gesundheitlichen Gründen für mehrere Monate unterbrochen hatte. „Im Anschluss wurde dem Co-Piloten die erforderliche ärztliche Flugtauglichkeit bestätigt“, betonte die Lufthansa in ihrer Mitteilung. Während seines Einsatzes am 24. März habe der Co-Pilot ein „voll gültiges Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1“ gehabt.

Der Airbus war am Dienstag vor einer Woche auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf an einer Felswand in den französischen Alpen zerschellt. Der 27 Jahre alte Co-Pilot wird dringend verdächtigt, seinen Kollegen aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine mit voller Absicht in die Katastrophe gesteuert zu haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler war er vor Jahren suizidgefährdet und für den Unglückstag krankgeschrieben.

Ein Video aus der Unglücksmaschine soll Medienberichten zufolge Bilder aus den letzten Sekunden des Flugs 4U9525 zeigen. Eine offizielle Bestätigung für die Existenz des Videos gab es zunächst nicht. Laut „Bild“ und dem französischen Magazin „Paris Match“ zeigt das Video, das am Absturzort gefunden wurde, die Szenerie an Bord chaotisch und völlig verwackelt, einzelne Personen seien nicht identifizierbar.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr will am heutigen Mittwoch in Marseille mit Angehörigen der Unfall-Opfer zusammentreffen. In Haltern ist für heute, 17 Uhr, ein öffentlicher ökumenischer Gottesdienst geplant.