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Afghanistan

Luftangriff in Kundus war ein Fehler mit fatalen Folgen

11.08.2011 | 21:13 Uhr
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Luftangriff in Kundus war ein Fehler mit fatalen Folgen

Berlin.   Der umstrittene Luftangriff in Afghanistan, bei dem mehr als 100 Menschen starben, ist aufgeklärt. Er war ein Fehler mit fatalen Folgen. Nach Darstellung der SPD schickte die Bundeswehr quasi ein Killerkommando gegen die Taliban.

Es klingt wie ein Echo aus ferner Zeit: der Kundus-Bericht. Der Bundestag hat nun weithin aufgeklärt, was in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2009 nahe Kundus passiert ist. Es geht nach Darstellung der SPD um den ersten offensiven Waffeneinsatz der Bundeswehr „mit dem Ziel der Tötung“, quasi um ein Killerkommando gegen Taliban, das sich als „schwerer militärischer Fehler“ erwies.

Auf deutschen Befehl wurden Tanklaster bombardiert, die im Fluss Kundus festsaßen. Dabei starben 22 Kinder, die Fahrer und 60 Dorfbewohner. Das sind nur die zivilen Opfer. Insgesamt könnten bis zu 142 Menschen ums Leben gekommen sein.

Oberst Georg Klein, der den Befehl gab, kam weder vor Gericht noch wurde gegen ihn ein Disziplinarverfahren eröffnet. Der Generalinspekteur und ein Staatssekretär mussten in den Ruhestand gehen. Minister Franz Josef Jung stürzte über die Affäre. Sein Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg trat – aus anderen Gründen – zurück.

Eineinhalb Jahre lang ermittelte ein Untersuchungsausschuss

„Keiner der handelnden Akteure hat so gehandelt, dass man ihn mit gutem Gewissen entlasten kann“, meint heute der Grünen-Politiker Omid Nouripour. 86 Familien bekamen im August 2010 als „humanitäre Geste“ je 5000 US-Dollar. Man hatte den Preis noch mal runtergehandelt. Gewöhnlich ist die Bundeswehr zu Zivilopfern großzügiger.

Es war der wohl folgenschwerste Einsatz ihrer Geschichte und Kanzlerin Angela Merkel hatte eine „lückenlose Aufklärung“ versprochen. Aber nicht die Regierung sorgte dafür, sondern die internationale Isaf-Truppe und in Berlin der Bundestag. Eineinhalb Jahre lang ermittelte ein Untersuchungsausschuss.

Politisch unbestritten ist, dass der Angriff „unangemessen“ war und „Verfahrensfehler“ (Union) gemacht wurden. Erst hieß es noch, die Lastwagen hätten zu „rollenden Bomben“ werden können. Schon bald stellte sich heraus, dass die Bundeswehr nicht gefährdet war, nicht aus Notwehr handelte. Das Ziel war, die Taliban zu schwächen. Klein ging davon aus, dass er nur sie treffen würde. Aber er verließ sich auf eine Quelle, die nicht vor Ort war. Sie war womöglich von afghanischen Stellen gesteuert worden, die von der Bundeswehr damals ein robustes Auftreten verlangten. Der Oberst weihte weder seinen Vorgesetzten Brigadegeneral Vollmer ein, noch beriet er sich mit dem Rechtsberater der Truppe. Obwohl die US-Piloten danach fragten, verzichtete er ausdrücklich auf ein „Show of Force“. Das ist ein Überflug vor dem eigentlichen Angriff, gerade um die Zivilisten zu warnen.

Anfang September 2009 neigte sich der Bundestagswahlkampf dem Ende zu. In Berlin achteten die Spitzenkandidaten sorgsam darauf, ja nicht selber in die Schusslinie zu geraten. SPD-Außenminister Frank-Walter Steinmeier agierte „zu passiv“, wie die Grünen klagen. Und Merkel, mäkelt SPD-Politiker Rainer Arnold, „hat das Thema nicht an sich herangelassen“.

„Nicht einmischen“

Das Kanzleramt war über den Bundesnachrichtendienst früh im Bilde. Intern gab man die Devise aus, sich nicht einzumischen. Das sei eine Angelegenheit von Verteidigungsminister Jung. Der verteidigte den Einsatz, bis er nicht mehr zu rechtfertigen war. Der Mann redete sich um Kopf und Kragen. Merkel schwieg.

Miguel Sanches

Kommentare
14.08.2011
10:15
Luftangriff in Kundus war ein Fehler mit fatalen Folgen
von EU4ever | #45

@ #42 von Kollo

Leider ist das eine vollkommene Fehleinschätzung. Eigentlich hat Oberst Klein den Taliban genau in die Hände gespielt. Denn eine bessere Werbung können sich die Taliban gar nicht wünschen.

Glauben Sie nicht, dass die Opfer des Bombenangriffs Väter hatten, oder Brüder, etc.?
Also wenn z. B. deren halbe Familie bei diesem Bombenagriff der westlichen Besatzungstruppen grundlos ausgelöscht wurde - meinen Sie nicht die melden sich freiwillig bei den Taliban um sich zu rächen?

13.08.2011
23:34
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13.08.2011
23:20
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13.08.2011
23:13
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13.08.2011
21:44
Luftangriff in Kundus war ein Fehler mit fatalen Folgen
von dummmberger | #41

@40 von hitchhiker04
Wenn einem gar keine Gegenargumente mehr einfallen, schreibt man einfach: Mit dem kann man eben nicht diskutieren. Sehr überzeugend!

Ich weiß, dass Leute wie Sie die Welt eben in Gut und Böse, in Rechts und Links, in Schwarz und Weiß einteilen. Und da kommt dann jeder in eine Schublade.

Wer dagegen ist, dass NATO-Soldaten kleine Kinder töten, muss nach Ihrer Logik natürlich auf Seiten der Taliban sein.
Obwohl: Die töten ja auch kleine Kinder.
Also irgendwie ist befinden Sie sich argumentativ in einer Sackgasse.
Aber da fällt Ihnen sicher auch ein cooler Spruch zu ein.

13.08.2011
20:18
Luftangriff in Kundus war ein Fehler mit fatalen Folgen
von hitchhiker04 | #40

#38 sorry, aber Du kannst mit diesem
dummen Talibanberger einfach nicht
diskutieren, bringt nichts, am liebsten sollen
die BW-Jungs nur Wasserpistolen tragen :-))

13.08.2011
18:30
Luftangriff in Kundus war ein Fehler mit fatalen Folgen
von dummmberger | #39

@38 von Satzball56

Das ist doch, sorry, Unsinn.
Zum einen haben schon die NATO-Verantwortlichen kurz nach dem Luftschlag diesen als unangemessen bezeichnet. Was wissen Sie mehr als diese?

Und wenn es um die Versorgung mit Betriebsstoffen ging, war es natürlich absolut logisch, das dringend benötigte Benzin in die Luft zu jagen?

Es ist Wahnsinn, wie hier seit fast 2 Jahren versucht wird, eine Sache zu rechtfertigen, die nicht zu rechtfertigen ist.

13.08.2011
15:24
Luftangriff in Kundus war ein Fehler mit fatalen Folgen
von Satzball56 | #38

Die entscheidenden Fehler wurden doch von der damaligen Bundesregierung gemacht, als den Einsatz in Afghanistan statt unter Kriegsvölkerrecht, unter Zivilrecht stellten.Aus militärischer Sicht ist der Luftschlag nicht nur angemessen, sondern auch nachvollziehbar, denn die Entführung der Tanklaster stellte eine eklatante Schwächung der eingesetzten Truppen dar. Schließlich sind diese Betriebsstoffe sowohl zur Durchführung des erteilten Auftrages, als auch zur Selbstverteidigung von enormer Bedeutung. Denn was helfen mir gepanzerte Fahrzeuge, wenn ich selbige aufgrund fehlender Treibstoffe nicht bewegen kann ??

13.08.2011
09:45
Luftangriff in Kundus war ein Fehler mit fatalen Folgen
von EU4ever | #37

Soso, jetzt ist die Tötunhg von über 100 unschuldiger Menschen einfach nur ein Fehler mit fatalen Folgen ?

Fast eine so bescheurte Formulierung wie Kollateralschaden.

Man könnte sowas auch Kriegsverbrechen nennen...

Aber nein, wir sind ja die GUTEN, wir dürfen sowas, war halt ein Fehler - aber wehe ein afghanischer Widerstandskämpfer tötet einen westlichen Soldaten, dann ist es immer ein feiger Terroranschlag.

Kann sich jetzt noch wirklich jemand wundern, dass die Afghanische Bevölkerung die westlichen Besatzungstruppen hasst???

13.08.2011
08:15
Luftangriff in Kundus war ein Fehler mit fatalen Folgen
von Herold_Albert_Schincke | #36

Für welche Werte kämpfen unsere Soldaten eigentlich da unten?
#30 von dummmberger , am 12.08.2011 um 12:59

Die Frage müssen Sie nicht den Militärs sondern den Politiker stellen.

Die deutschen Politiker sind eh nicht mehr klar im Kopf !!!
.

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