Lokführer lassen Streik-Ende offen

An Rhein und Ruhr..  Bahnreisende müssen vermutlich bis Pfingsten mit Streiks der Lokführer rechnen. Wie GDL-Chef Claus Weselsky gestern mitteilte, beginnt am heutigen Dienstag, 15 Uhr, der mittlerweile neunte Ausstand des fahrenden Personals – zunächst im Gütervekehr. Ab Mittwoch, 2 Uhr, soll dann auch der Personenverkehr lahmgelegt werden.

Weselsky betonte, man gebe ausdrücklich nicht bekannt, wann der Streik enden soll. Die GDL werde die Bevölkerung aber mit 48 Stunden Vorlauf darüber unterrichten. Reisende müssten sich jedoch darauf gefasst machen, dass der Ausstand noch „etwas länger“ dauere als die Streikaktion Anfang Mai, als der Zugverkehr für sechs Tage zum Stillstand kam. Es handele sich in der nun beginnenden Aktion allerdings um keinen unbefristeten Streik, so Weselsky weiter.

Bahn und GDL hatten sich am Wochenende zu vertraulichen Gesprächen getroffen; eine Annäherung gab es dabei nicht. Die Verhandlungen wurden abgebrochen.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber nannte den neuen Streik gestern „unverantwortlich“ und ein Vorgehen „mit der Brechstange“. Der Konzern rief die Lokführer erneut auf, einer Gesamtschlichtung zuzustimmen, in der sowohl über Tarifstrukturen als auch über Löhne und Arbeitszeiten verhandelt wird. Rechtliche Optionen, gegen den Ausstand vorzugehen, würden kontinuierlich geprüft.

Zuvor hatte auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt die GDL aufgerufen, einer Schlichtung zuzustimmen. Wer eine verantwortungsvolle Tarifpartnerschaft pflegen wolle, müsse auch nach Kompromissen suchen, sagte der CSU-Politiker.

Bahn wird mit einemNotfahrplan reagieren

GDL-Chef Weselsky sagte, die Lokführer seien während der Arbeitskampfmaßnahme bereit zu Unterredungen mit Dritten; heute soll mit dem ehemaligen Bundesarbeitsrichter Klaus Bepler ein Rechtsgespräch geführt werden. Auch eine Streikunterbrechung sei denkbar. Er spüre „zunehmendes Verständnis der Reisenden“ für den Arbeitskampf, sagte Weselsky, bei den GDL-Mitgliedern sei kein „Schwächeln“ erkennbar.

Die Bahn wird erneut mit einem Notfahrplan auf den Streik reagieren. Zuletzt bedeutete das für Reisende, dass nur etwa jeder dritte Zug im Regional- und Fernverkehr unterwegs ist.