Linken-Star Camila Vallejo aus Chile tourt durch Dortmund
01.02.2012 | 18:28 Uhr 2012-02-01T18:28:00+0100
Dortmund. Sie ist jung, kommt aus Chile und bringt in ihrer Heimat die Regierenden in Rage. Jetzt tourt der neue Star der Linken durch Deutschland und Europa, um über Gerechtigkeit und zivilen Ungehorsam zu reden. Station an diesem Mittwoch: Dortmunds Uni und am Abend das Rathaus.
Sie ist der neue Stern der Linken. Sie sät zivilen Ungehorsam und lehrt die Eliten das Fürchten: Camila Vallejo (23) ist nach Deutschland gekommen, und alle Welt ist verrückt nach ihr.
Der Hype um die schöne Studentenführerin aus Chile hat Dimensionen angenommen, die ihr selbst nicht mehr geheuer sind. Camila möchte mal Pause machen, aber sie darf nicht. Gestern stellte die junge Frau ihren Koffer in Dortmund ab und blieb natürlich nicht lange allein.
Camila Vallejo ist still an diesem Tag. Vier Stunden Schlaf reichen nicht, auch wenn man erst 23 ist. Ein Imbiss in der Dortmunder Uni-Mensa soll sie aufbauen. Camila hebt die Hände: „Bitte kein Interview beim Essen.“ Antipasti und Schokoladenpudding vertragen keine Fragen.
Gast der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Camila reist durch Deutschland auf Einladung der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Zwei Mitstreiter begleiten die Rebellin aus Übersee in die Alte Welt: Karol Cariola (24) ist Generalsekretärin der Kommunistischen Jugend, Jorge Murúa einer der Führer des chilenischen Gewerkschaftsbundes. Die Begleiter sind schon deshalb wichtig, weil Camila nicht ständig im Mittelpunkt stehen will. Dennoch: Blicke richten sich immer zuerst auf die junge Frau, die in ihrer Heimat Zigtausende Demonstranten auf die Straße bringt.
Viele platte Sprüche hat sie schon ertragen müssen. „Comandante Camila“, titelten Journalisten, andere faseln von der „Tochter des Ché“ oder der „Jeanne d’Arc der Anden“. Warum bewegt diese kleine Geographie-Studentin die Massen? Vielleicht, weil viele Gesichter der Linken heutzutage graue Bärte haben. Weil die Helden vergangener Aufstände zwar noch von der rebellischen Jugend schwärmen, aber selbst nicht mehr aus dem Sessel kommen.
Der Traum von Aufbruch und Widerstand
Camila Vallejo bedient perfekt den Traum von Aufbruch und Widerstand. Sie ist jugendlich, unbequem, geradeheraus und wirkt mit dem Ring in der Nase leicht verwegen. Camila ist halb so alt wie Sahra Wagenknecht und könnte Castros Urenkelin sein. Auf so ein frisches Gesicht haben die Unzufriedenen der Welt lange gewartet. Nun ist es da.
In Dortmund trifft Camila auf Studentenvertreter. Meist hört sie höflich zu. Ihr ist bitterkalt, die Chilenin hat sich ganz in Wolle gehüllt. Leise Zweifel kommen auf: Ist das die junge Frau, die den chilenischen Präsidenten und Milliardär Sebastian Pinera bis zur Weißglut reizt? Der Superstar? Es dauert eine lange halbe Stunde, bis Camila auftaut. Bis aus der zierlichen und müden Frau die Rebellin wird.
Zunächst ist sie artig: „Dass in Deutschland Bildungsangebote zu 80 Prozent staatlich sind, ist ein Schritt in die richtige Richtung“, findet Camila. Doch auch hier in Europa gebe es Tendenzen, den Markt alles regeln zu lassen. Kein Land sei sicher vor dem Zugriff des „neoliberalen Kapitalismus“.
„Extremer Luxus hier und furchtbare Armut dort“
Dann redet Camila von ihrer Heimat, von dem, was sie so auf die Palme bringt: die Ungleichheit. Auf einmal ist sie hellwach. „In meinem Land läuft was falsch. Ich gehe auf die Straße und sehe extremen Luxus hier und furchtbare Armut dort. Die eine Schule hat die besten Lehrmittel, in der anderen betäuben sich die Schüler mit Drogen. Das ist keine Statistik, sondern Alltag. Ich sehe Menschen, die den ganzen Tag malochen und abends zu schwach sind, um was mit ihren Familien zu unternehmen. Andere gehen mit ihren Lieben in die Oper.“
Am schlimmsten aber, sagt sie, sei die Ungleichheit bei der Bildung. Für ein Uni-Studium müssten sich Familien für Jahrzehnte verschulden. „Bildung“, sagt Camila ruhig und bestimmt, „ist aber ein Menschenrecht.“
Am Abend wartet ein großer Auftritt auf sie: Im Dortmunder Rathaus wird Camila ihre Botschaft verbreiten: „Wir können die Welt verändern“. Am Wochenende geht’s nach Schweden, dann wieder nach Berlin, schließlich nach Italien. „Ach“, seufzt Camila, „80 Prozent meiner Zeit verbringe ich mit Interviews. Ich müsste viel wichtigere Dinge tun.“ Aber aus der Nummer kommt sie jetzt nicht mehr raus – der Fluch des Ruhms.

11:55
Wenn das Trio den Kommunismus mit seinen zig Millionen Toten so toll findet warum tourt sie dann niht durch Nordkorea? Da gehören solche Leute nämlich hin. Da kann sie dann dem "geliebten Führer" huldigen. Wir haben hier schon genug einheimische Linksextremisten, da brauchen wir nict noch welche aus Chile um hier ihre menschenverachtende Ideologie zu verbreiten.
10:14
Eine interessante junge Dame mit grundsätzlich nachvollziehbaren politischen Ansichten. Was sie über ihr Heimatland Chile berichtet, muss nachdenklich machen. Man kann nur hoffen, dass sie sich mit ihrer Forderung nach mehr Chancengleichheit durchsetzt. Und dass sie sich nicht wie so viele andere Hoffungsträger der Linken nicht als Rohrkrepierer geriert, falls sie einmal zu politischem Einfluß kommt. Es ist bezeichnend, dass die Linken und die Rosa-Luxemburg-Stiftung keine Oppositionellen aus Ländern hofieren, in denen die "Revolution" bereits gesiegt hat mit der Folge, dass das Land von einer abgehobenen Funktionärselite regiert bzw. unterdrückt wird. Aus Ländern wie China, Kuba und/oder Rhodesien gäbe es aus Sicht der unterdrückten Opposition sicherlich auch vieles zu berichten, was uns hier bedenklich stimmen könnte. Komischerweise aber scheint Ungerechtigkeit und Unterdrückung die Linken aber weniger zu interessieren, wenn sie von der "richtigen Seite" kommt ....