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Schülerverpflegung

Linke stellen Antrag für Bio-Kost an den Schulen

31.01.2012 | 15:39 Uhr
Linke stellen Antrag für Bio-Kost an den Schulen
Das Schulessen soll ausgewogen sein. Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool

Essen.   Die Düsseldorfer Linken fordern für alle Schulen Biokost aus fairer, regionaler Produktion. Länder und Kommunen kämpfen aber vor allem mit leeren Kassen. Auch die Eltern setzen auf billig. Die Verpflegung von Schülern bleibt schwierig.

Verkocht, vitaminlos, ohne Geschmack: Was mittags nach stundenlangem Warmhalten auf den Tellern von Ganztagsschul- und Kita-Kindern landet, hat mit ausgewogener, gesunder und schmackhafter Ernährung nur selten etwas zu tun. Darüber klagen seit langem Kinder, Eltern und Lehrer. Vor kurzem sorgte darüber hinaus eine Studie des Ernährungswissenschaftlers Volker Peinelt für Aufregung. Der Professer an der Hochschule Niederrhein und Leiter einer Zertifizierungsselle für Schulessen bestätigte eine flächendeckend schlechte Qualität des Kantinenessens für Kinder.

Die nordrhein-westsfälischen Linken nun wollen sich mit dem allgemeinen Klagelied nicht mehr begnügen: Sie werden im Landtag beantragen, rechtlich verbindliche Mindeststandards für Mahlzeiten in Kindertagesstätten und Schulen zu entwickeln.

Den Linken schwebt ein Essen vor, dessen Zutaten aus einer regionalen, bäuerlich-nachhaltigen Landwirtschaft stammen. Obendrein sollen sie unter Berücksichtigung ökologischer und sozialer Standards erzeugt worden sein. Bio-Produkte also, fair gehandelt.

19 Prozent Mehrwertsteuer für Schulessen, sieben Prozent für Hundefutter

Das klingt gut und gesund. Und teuer. Schließlich werden selten mehr als 2,20 Euro für ein Mittagesssen fällig, denn viele Eltern können oder wollen nicht mehr zahlen. Für den Caterer-Riesen Apetito kann der Preis durchaus in Ordnung sein, wenn die Schulen eigene Fachkräfte haben, die das Essen austeilen. Apetito-Sprecher Markus Päsler weist gegenüber „derwesten.de“ auf einen absurden Steueraspekt hin: Teilt Apetito das Essen aus, ist der Caterer ein Diensteister und es werden 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Liefert der Caterer lediglich das Essen zur Schule, handelt es sich „nur noch“ um Lebensmittel, die dem Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent unterliegen.

Die Frage nach den Mindeststandards stellt sich bei vielen Anbietern wie Apetito ohnehin nicht. Sie richten sich längst nach den „Qualitätsstandards für die Schulverpflegung“, die die deutsche Gesellschaft für Ernährung entwickelt hat.

Diese Standards sind auch für die Landesregierung ausreichend. Umwelt- und Verbraucherschutzminsiter Johannes Remmel (Grüne) erklärt denn auch die NRW-weite Umsetzung dieser Standards als Kernaufgabe. Der Minister verweist auf die Vernetzungsstelle Schulverpflegung NRW, die mit 200 Fortbildungen, Worshops, mit 123 Fachgesprächen und 200 Einzelberatungen Tausende Verantwortliche an den Schulen erreicht hat. „Von nachhaltigen Strukturen ist viel die Rede“, sagt Remmel und fügt – sich selbst lobend – hinzu: „Wir bauen sie auf.“

Berlin senkt Preis für Schulessen von 2,05 Euro auf 2 Euro

Auch in anderen Bundesländern wird die Qualität des Schulessens heftig diskutiert – ebenso wie die Preisentwicklung. In Berlin etwa haben einige Bezirke die Preise für ein Schulessen von 2,05 Euro auf 2 Euro gesenkt. „In den ostdeutschen Bundesländern muss das Essen generell günstiger sein als im Westen“, sagt Apetito-Sprecher Markus Päsler und ergänzt: „2 Euro sind definitiv zu wenig“. Ernährungswissenschaftler Peinelt hält sogar fünf Euro pro Essen für realistisch, wenn es gesund und lecker sein soll. Eine öffentliche Förderung würde zwei Milliarden kosten, so die Berechnungen.

Zwei Milliarden -- das ist wohl weder für die Schulträger und damit die finanzschwachen Kommunen, noch für die zuständigen Länder zumutbar. Manuela Schwesig (SPD), Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern, sieht ohnehin den Bund in der Pflicht. Doch der schaffe es noch nicht einmal, den Mehrwehrsteuersatz für Schul-Caterer auf sieben Prozent zu senken. „Auf Hundefutter werden doch auch nur sieben Prozent erhoben“, sagt sie dem „Spiegel“.

Von wegen Bio

Was die Diskussion ums Schulessen außerdem zeigt: Noch müssen die elementaren Dinge geklärt werden. Öko, Bio, fairer Handel: Was die Linken fordern, ist wohl mehr als drei Schritte zu viel in die Zukunft gedacht.

Birgitta Stauber-Klein

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Kommentare
31.01.2012
18:38
Linke stellen Antrag für Bio-Kost an den Schulen und klauen den Grünen ein Thema
von Meierdrei | #9

Es ist schon lustig was die Parteien so fordern, nicht das ich gegen gutes Schulessen in den Kantinen wäre. Aber ist das wirklich Aufgabe der Parteien oder etwa nicht doch der Eltern und den Schulträgern?
Die gleiche Linke fordert die Drogenfreigabe, in wessen Auftrag engagieren sich denn da die Linken?
Die Grünen sympathisieren ebenfalls mit diesem Vorschlag der Linken, sind aber strikt für ein Rauchverbot, sollen die Joints jetzt gelutscht werden oder was?
Die Obergrünen Schulministerin will die Förderschüler mit Lernbehinderung in die Regelschulen schicken (Inclusion) und gleichzeitig den Stress der Lehrer und -Innen verringern, die nun völlig verschieden bedürftige Schüler gleichzeitig multivalent fördern sollen und sich entspannt über soviel fröhlichen Regierungs-Sachverstand zu ihrer Unterstützung und Arbeitserleichterung freuen müssen.
Manchmal fragt man sich wohl zu Recht, ob man sich nicht besser selber, ohne die Ideen der aktuellen politischen Wichtigtuer zu beachten, um seine Kinder kümmert, zusieht dass sie was ordentliches zu Essen haben, das sie in der Schule nicht als Experimentier-Subjekte politischer Spießbürger mit ideologisch eingefärbten Brillen, nicht unter Wert laufen und zu Schaden kommen, sondern trotz den politschen Zeitströmen gut erzogen erfolgreich bleiben und später anständige Berufe ausüben.

31.01.2012
18:28
Linke stellen Antrag für Bio-Kost an den Schulen
von MalNachgedacht | #8

Bio hin oder her. Für unsere Kinder sollten wir doch wohl Himmel und Hölle in Bewegung setzen, damit sie gerade das Beste vom Besten geboten bekommen.

Da kann man dann zur Not auch einfach Geld von unsinnigen Kostenstellen abziehen.

31.01.2012
17:45
Gut so, ohne Forderung nach dem Wünschenswerten und Notwendigen bewegt sich nichts
von findling | #7

Es muss geschaut werden, wie gesundes Essen zu bezahlbaren Bedinungen für die Kinder bereitgestellt werden kann,
da ist es auch nicht hilfreich, weiterhin tausende von ha Land zu asphaltieren, Rasen mit dem Auto weiter als "Vergnügen" zu bewerben und Gelder für Banken zu verschwenden, die sich in der Wahl ihrer Kunden und ihrer Zinserwartungen verspekuliert haben.

31.01.2012
17:24
Linke stellen Antrag für Bio-Kost an den Schulen
von gbnhufdc | #6

ichweisswie, das finde ich auch richtig, Es muss ein Mittelweg gefunden werden. Ein Schulessen ohne Ideologie.

Übrigens gibt es hunderte Untersuchungen zum Thema Bio Gemüse und Obst. Keine einzige kann beweisen das Bio gesünder ist als Konventionell.

31.01.2012
17:19
Linke stellen Antrag für Bio-Kost an den Schulen
von gbnhufdc | #5

So lange die Die Linke nicht mit in der Regierungsverantwortung ist fordert sie alles Mögliche. Hört sich ja gut an.

Jetzt mal ein Blick nach Berlin, wo die Die Linke 8 Jahre mit der SPD regiert hat. Da wurden umfangreiche Kürzungen im Sozial- Kinder und Jugendhaushalt durchgeführt. Selbst das Landesblindengeld wurde gekürzt. Bei Jugendfreizeitstätten, Jugendgerichtshilfe. Es wurden 40000 Sozialwohnungen an "Heuschrecken" verkauft.
Die Löhne der BVG Arbeiter GEKÜRZT, nicht erhöht.
Und jetzt die Krönung, jede Eintrittskarte der Deutsche Oper Berlin wurde mit 200 € subventioniert.

DIE LINKE PARTEI DER SOZIALEN GERECHTIGKEIT.

31.01.2012
16:58
Linke stellen Antrag für Bio-Kost an den Schulen
von Pit01 | #4

Dem Vorschlag kann man durchaus zustimmen, doch bleibt die Frage nach der Finanzierung.

31.01.2012
16:40
Vor allem mal etwas weniger wäre besser...
von fatih | #3

Das Essen muss gut schmecken, das Besteck und so sauber sein, aber vor allem muss das alles kalorienarm sein. Bewegung ist oft besser als Schulessen. Also wenn ich mir das so anschaue, also ca. 10 Prozent auf der Schule bringen zu viel auf die Waage. Also lieber mal locker und leicht und etwas weniger, dafür besseres Essen.

31.01.2012
16:34
Linke stellen Antrag für Bio-Kost an den Schulen
von ichweisswie | #2

Findet ein gutes Mittelmaß. Die meisten wollen nicht nur Bio, nur Vollwert, nur Supergesund. Kinder/Jugendliche die Sport treiben haben keine Problem mit weißen Brötchen oder nen Snicker.

31.01.2012
15:48
Lecker soll das Schulessen sein, gesund – und billig
von jokel | #1

Die Annahme das ein Schulbelieferer die Senkung der MwSt als Preisnachlass an die Kunden weiter gibt, ist grober Unfug.
Was heute den Kinder serviert wird ist schlicht eine Unverschämtheit. Wir fangen vielleicht mal mit einer Vollwerternährung an, das kostet nicht mehr und hilft schon mal. Chips , Süssigkeiten und weiße Brötchen schmeißen wir dann auch mal aus dem Schulkiosk raus. Und Apetio hatte schon schlimmes Essen als ich noch zur Schule gegangen bin und das ist doch schon etwas her.........

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