Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Operation

Linke setzt auf Rückkehr Lafontaines nach Krebs-OP

18.11.2009 | 12:14 Uhr
Linke setzt auf Rückkehr Lafontaines nach Krebs-OP

Berlin. Der Chef der Linkspartei, Oskar Lafontaine, zieht sich zunächst für einige Wochen aus dem politischen Tagesgeschäft zurück. Grund ist eine Krebs-Erkrankung. Lafontaine wird am Donnerstag operiert. Die Linke rechnet Anfang 2010 mit einer Rückkehr Lafontaines in die Politik.

Der Linken-Vorsitzende Oskar Lafontaine muss sich einer Krebsoperation unterziehen. Der seit längerem geplante chirurgische Eingriff werde am Donnerstag durchgeführt, teilte der 66-Jährige am Dienstag in Berlin mit. «Nach überstandener Operation werde ich zu Beginn des neuen Jahres unter Berücksichtigung meines Gesundheitszustandes und der ärztlichen Prognosen darüber entscheiden, in welcher Form ich meine politische Arbeit weiterführe», erklärte er weiter.

Angaben, um welche Krebsart es sich handelt, machten weder Lafontaine noch seine Partei. Der Saarländer war nur wenige Wochen nach der Bundestagswahl im Oktober überraschend vom Fraktionsvorsitz seiner Partei zurückgetreten und sah sich daraufhin dem Vorwurf der Wählertäuschung ausgesetzt. Diesen wies er in der «Saarbrücker Zeitung» als «absurd» zurück. Er sei «nach wie vor Parteivorsitzender und Bundestagsabgeordneter», sagte er. Er fühle sich «nach dem großen Vertrauensbeweis bei der Landtagswahl aber auch den Wählerinnen und Wählern im Saarland verpflichtet».

Lafontaine hat angekündigt, am morgigen Mittwoch auf die Regierungserklärung des wiedergewählten Ministerpräsidenten Peter Müller (CDU) antworten zu wollen. Die saarländische Linkspartei geht davon aus, dass er trotz seiner Erkrankung im Landtag sprechen wird.

«Ein fürchterlicher Schlag»

Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch, rechnet damit, dass Lafontaine nach überstandener Krebserkrankung «Anfang 2010» seine Ämter in der Partei und sein Bundestagsmandat wieder aufnehmen wird. Bartsch sagte der «Ostsee-Zeitung»: «Wenn Oskar Lafontaine wieder da sein wird, werden wir miteinander reden und alles Weitere entscheiden.» Einen Zusammenhang zwischen dem Verzicht auf den Fraktionsvorsitz im Bundestag Anfang Oktober und der jetzigen Krebserkrankung schloss Bartsch aus.

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, geht von einer Rückkehr Lafontaines in die Politik aus. Gysi sagte dem «Berliner Kurier»: «Ich wünsche meinem Freund Oskar alles Gute, und ich bin zuversichtlich, dass er wieder gesund wird und mit aller Kraft zu uns zurückkehren wird.»

Genesungswünsche kamen auch vom politischen Gegner. Saarlands SPD-Chef Heiko Maas sagte der Berliner Tageszeitung «B.Z.»: «Ich wünsche Oskar Lafontaine eine schnelle Genesung und einen guten Verlauf der bevorstehenden Operation.» Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs erklärte: «Ich wünsche ihm als gläubiger Katholik, dass es ihm bald bessergeht, und dass er die schwierige Situation, in der er sich befindet, gut übersteht».

Der frühere SPD-Generalsekretär Klaus-Uwe Benneter sagte: «Bei allen politischen Gegensätzen ist das ein fürchterlicher Schlag im Leben eines Jeden. Deshalb hoffe und wünsche ich inständig, dass die Operation erfolgreich verläuft und Oskar Lafontaine sich schnellstens davon erholt.»

Angebliche Affäre mit Wagenknecht

Der «Spiegel» hatte am Wochenende behauptet, Lafontaines Rückzug habe private Gründe. Wegen einer angeblichen Affäre mit der Parteilinken Sahra Wagenknecht solle seine Frau Druck auf ihn ausgeübt und seinen Rückzug aus Berlin gefordert haben. Dieser sei bereits vor der Bundestagswahl beschlossen worden.

Die Linke hatte den «Spiegel»-Bericht bereits am Montag heftig kritisiert. Mit seriösem Journalismus habe «die seit einiger Zeit betriebene Hass-Kampagne gegen Lafontaine nichts zu tun», kommentierte der stellvertretende Vorsitzende der Fraktion, Ulrich Maurer.

Politisches Ziel erreicht

Völlig überraschend hatte Anfang Oktober auf der Klausurtagung der Linken-Abgeordneten im brandenburgischen Rheinsberg seinen Rückzug vom Vorsitz der Fraktion angekündigt, die er seit 2005 zusammen mit Gregor Gysi geführt hatte. «Ich werde mich auf die Aufgabe als Parteivorsitzender konzentrieren und nicht mehr für den Fraktionsvorsitz kandidieren», erklärte er und fügte hinzu, sein Bundestagsmandat werde er behalten. Er habe die Entscheidung zur Aufgabe des Fraktionsvorsitzes im Bundestag schon vor einiger Zeit getroffen. Schließlich sei das Ziel erreicht, die Linkspartei als deutschlandweite Kraft zu etablieren, sagte Lafontaine, der seit 2007 neben Lothar Bisky Chef der Partei Die Linke ist.

Nach seinem Rücktritt war ihm vorgeworfen worden, er spekuliere auf ein rot-rot-grünes Bündnis im Saarland. Nachdem sich die Grünen jedoch für die Jamaika-Koalition mit CDU und FDP entschieden hatten, sagte Lafontaine, ob und wie lange er sein Mandat im Saarbrücker Landtag wahrnehmen werde, werde er in aller Ruhe entscheiden.

Schillernde Figur

Lafontaine gilt als eine der schillerndsten Figuren in der deutschen Politik. Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl 1990 trat er als Kanzlerkandidat gegen Helmut Kohl an. Von 1995 bis 1999 war er SPD-Vorsitzender. Nach der Bundestagswahl 1998 wurde er Bundesfinanzminister. Im März 1999 legte er überraschend alle politischen Ämter nieder.

2005 wechselte Lafontaine von der SPD zur neu gegründeten Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG), die 2005 ein Bündnis mit der PDS einging und sich Linkspartei.PDS nannte.

«Solange ich gesund bin, werde ich weiter mitmischen», sagte Lafontaine einmal in einem Interview. Auch für die Parteispitze stehe er zur Verfügung, «solange ich den Eindruck habe, dass die Mitglieder es wollen.» (ap) 

DerWesten

Facebook
 
Kommentare
19.11.2009
17:19
Linke setzt auf Rückkehr Lafontaines nach Krebs-OP
von Wolfgang_E | #98

Ich wünsche Oskar Lafontaine eine schnellstmögliche und gute Besserung.

Außerdem bin ich verwundert, dass es Menschen gibt, die völlig uninformiert sind, ansonsten wären manche dummen Sprüche nur von Dummen möglich.

Ich kann also nur anraten, die Programme der Parteien - auch die der Linken mal genau zu lesen - und sich dann eine Meinung durch Denken zu bilden.

19.11.2009
12:14
Linke setzt auf Rückkehr Lafontaines nach Krebs-OP
von Vogelfrei32 | #97

Nein, aber davon hat moni09 auch nicht geredet.
Sie meinte, dass nicht über die Erkrankung von O.L. berichtet werden solle.

18.11.2009
23:52
Linke setzt auf Rückkehr Lafontaines nach Krebs-OP
von i | #96

Aach ja, und die Meldung mit dem Beischlaf und dem Hummer hat auch die Linkspartei rausgegeben?

18.11.2009
20:35
Linke setzt auf Rückkehr Lafontaines nach Krebs-OP
von Vogelfrei32 | #95

@moni: Die Meldung hat die Linkspartei selbst als Pressemeldung rausgegeben.

18.11.2009
18:40
Linke setzt auf Rückkehr Lafontaines nach Krebs-OP
von moni09 | #94

nur geschmacklos solche nachrichten sollten garnicht mehr verbreitet werden um die betroffenen zu schützen. es geht nicht um politik sondern um einen menschen der an einer schweren krankheit erkrankt ist. jeder sollte in solch einem moment in ruhe gelassen werden.

18.11.2009
15:07
Blockierter Kommentar.
von James.Brunt | #93

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

18.11.2009
14:49
Blockierter Kommentar.
von DietmarKalaschnikow | #92

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

18.11.2009
14:38
Linke setzt auf Rückkehr Lafontaines nach Krebs-OP
von roterflitzer | #91

oskar komm ja zurück,es steht noch viel arbeit an.
aber ich weis das mann sich auf dich verlassen kann.
es wird in der politschenlandschaft soviel versteckt bleiben und die muß du endtarnen.

also alles gute
und gute genesung

18.11.2009
12:36
Linke setzt auf Rückkehr Lafontaines nach Krebs-OP
von eiermann41 | #90

Oskar,alles Gute für Dich.
Komm bald wieder !
Wir brauchen Dich !
==================

18.11.2009
10:15
Blockierter Kommentar.
von DietmarKalaschnikow | #89

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2115877/create

Umfrage
Bürger sollen künftig häufiger gefragt werden, ob sie zu einer Organspende bereit wären. Können Sie sich vorstellen, Organspender zu werden?
 
Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
David McAllister geht "baden"
Bildgalerie
Boot kentert
Triumph der Sozialisten
Bildgalerie
Frankreich
Aus dem Ressort
UN-Sicherheitsrat tagt in Krisensitzung zu Syrien-Massaker
Syrien
Der UN-Sicherheitsrat wird sich nach Angaben von Diplomaten noch am Sonntag treffen, um über das Massaker im syrischen Hula mit mindestens 109 Toten zu diskutieren. Das Gremium werde sich um 20.30 Uhr deutscher Zeit treffen, hieß es.
Foto 4 Kommentare 4
Bruder von chinesischem Bürgerrechtler Chen aufgetaucht
Menschenrechte
Der Bruder des blinden chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng ist nach Angaben eines Menschenrechtsanwalts in sein Dorf im Osten Chinas zurückgekehrt. Chen war in der vergangenen Woche nach Peking gereist. Kurz darauf verschwand er.