"Licht aus für Rassisten" - Pegida scheitert im verdunkelten Köln

Gegner des islamkritischen Pegida-Bündnisses demonstrieren in Köln. Foto: dpa
Gegner des islamkritischen Pegida-Bündnisses demonstrieren in Köln. Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der geplante "Kögida"-Marsch durch Köln wurde abgesagt. Tausende Gegendemonstranten stellten sich den rund 500 Islamkritikern in den Weg. Mit Erfolg.

Köln.. Am Ende trauen sie sich nicht. Am Ende verharren die Pegida-Anhänger im Schatten des Köln-Deutzer Bahnhofes, schwenken ihre Deutschland-Fahnen und verzichten darauf, wie geplant zum Dom zu ziehen. Gegenüber, auf der Ecke, protestieren tausende Menschen gegen sie. Nahe der Deutzer Brücke blockieren mehrere Hundert die Straße, und die Stadt Köln selbst hüllt sich demonstrativ in Dunkelheit. Insgesamt gehen am Montag in Köln laut Polizei 7500 Gegendemonstranten auf die Straße.

Der Dom, das Schokoladenmuseum, die Altstadt und selbst die Brücken über den Rhein - Kölns Panorama verschwindet in der Schwärze des Winterabends. Köln stellt sich Pegida oder Kögida, wie sie sich hier nennen, in den Weg. Und so sagt Kögida-Organisator Sebastian Nobile den Demonstrationszug durch die Stadt nach etwa einer Stunde ab. Die Polizei habe ihm abgeraten, das Gedränge der Gegendemonstranten sei zu heftig. Man bleibe lieber vor Ort.

Köln indes jubelt, feiert. Vor der Deutzer Brücke spielt eine Kapelle, und die Gegendemonstranten skandieren zufrieden: “Nazis raus!”

Auch der Energieversorger macht das Licht aus

Insgesamt 43 Organisationen hatten sich in den vergangenen Tagen spontan zur Initiative “Köln stellt sich quer” zusammengeschlossen. Am Montagabend versammeln sie sich an vier Orten der Stadt, vom rechtsrheinischen Stadtteil Deutz durch die Altstadt bis hin zum Kölner Dom. Nachdem Domprobst Norbert Feldhoff dann noch ankündigte, er werde das Licht rund um das Kölner Wahrzeichen abschalten, um nicht “mit dem schön hell erleuchteten Dom im Hintergrund wunderbare Bilder für diese Demonstration zu liefern”, folgten seinem Vorbild alsbald andere. Am Nachmittag schließlich erklärte selbst das Unternehmen Rhein-Energie, man werde das Licht abschalten, damit weder die Altstadt noch die Kölner Brücken illuminiert seien.

Protest Getrennt durch ein riesiges Polizeiaufgebot - mehrere Hundertschaften sind im Einsatz - stehen sich die beiden Gruppen später gegenüber. Hier die vielleicht 500, die sich hinter dem Spruchband “Stoppt die Islamisierung Europas” aufbauen, die in kleinen Gruppen zusammenstehen und sich immer wieder gegenseitig in ihrer Abneigung gegen Zuwanderer, in ihrer Angst vor den Fremden bestärken. “Merkel, zieh die Burka an!” hat einer von ihnen auf ein Plakat geschrieben, “Lieber Mischpoke, als gar kein Hirn” ein anderer. Aber als Rassisten, nein, so sehen sie sich nicht.

"Alle Menschen sind gleich!”

Dort, die tausenden Gegendemonstranten, unter die sich auch Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) gemischt hat. Sozialdemokraten, Gewerkschafter, KIrchenverbände. Auch viele Menschen mit ausländischen Wurzeln sind darunter. Serkan etwa, der 37-Jährige, der mit seiner kleinen Tochter Elif gekommen ist. Dessen Vorfahren einst aus der Türkei eingewandert sind. “Mein Großvater lebt hier, mein Vater, ich selbst und mein Kind ist hier geboren. Alle Menschen sind gleich!”, sagt er.

Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers zeigt sich mit dem Kölner Protest zufrieden: "Hetze gegen Flüchtlinge und Muslime ist Hetze gegen Humanität und alle gläubigen Menschen." Besonders freue er sich über die Aktion, den Dom zu verdunkeln: "Licht aus für Rassisten ist eine kreative, gewaltfreie Aktion, um sich klar gegen Fremdenfeindlichkeit zu positionieren."

Journalisten aus England, aus den Niederlanden verfolgen das Geschehen. Und auch sie kam extra nach Köln um Flagge gegen den Rassismus zu zeigen: Magdalena Sievers, eine gebürtige Dortmunderin, die seit 20 Jahren in Stockholm lebt. “Ich bin entsetzt, beängstigt!”, sagt sie. Aber auch in Schweden habe man diese Probleme: “Leider!”

Köln, das solidarische, macht sich da längst zufrieden auf den Heimweg. Es hat sich quergestellt. Kein Veedel, kein Stadtviertel, für Rassismus.