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Islam

Liberale Muslime könnten Integration vorantreiben

08.06.2010 | 18:10 Uhr
Liberale Muslime könnten Integration vorantreiben
Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor.

Berlin/Duisburg.Die Gründung des liberalen Islamvereins in Duisburg werten Experten als Zeichen der Integration. Die Säkularisierung des Islam habe sich in den Köpfen der meisten Muslime längst vollzogen.

In Duisburg-Marxloh steht die größte Moschee Deutschlands. Fast ein Drittel der 18 000 in diesem Stadtteil lebenden Menschen sind Ausländer, die Mehrzahl davon Türken. Dass sich ausgerechnet in Duisburg ein islamischer Verein gründete, der sich Weltoffenheit, Gleichberechtigung, Liberalität und sexuelle Selbstbestimmung in die Satzung schrieb, verwundert nur auf den ersten Blick.

Denn höchstens ein Fünftel aller Muslime in Deutschland ist in islamischen Verbänden organisiert – hauptsächlich jene, die in den Moscheegemeinden aktiv sind. Das Glaubensspektrum unter Muslimen ist weitaus vielfältiger, als es von außen den Anschein hat. Doch auch die Politik befasst sich eher mit Islamisten, problematischen Jugendlichen, Gewalt und Sympathisanten des Terrors. Über diese einseitige Wahrnehmung sind immer mehr Muslime verärgert. Denn die große Mehrzahl ist nicht in den meist konservativen Verbänden aktiv und fühlt sich von ihnen nicht vertreten. Die Zeit schien reif zu sein für eine progressive muslimische Bewegung. Und Lamya Kaddor will sie mit dem „Liberal-Islamischen Bund“ (LIB) auf den Weg bringen.

Lamya Kaddor liest aus ihrem Buch "Der Koran für Kinder und Erwachsene". Foto: WR/Brambauer

Der Migrationsforscher Klaus J. Bade beobachtete diesen Trend und sagt: „Ich gehe davon aus, dass sich die immer wieder eingeforderte Säkularisierung des Islam in den Köpfen der meisten einzelnen Muslime schon längst vollzogen hat. Die Gründung des Vereins ist eine Antwort auf diese Entwicklung.“

„Nicht Gegenbewegung, sondern Erweiterung“

Dabei versteht sich der neue Verein nicht als „Gegenbewegung, sondern als Erweiterung“ zu den meist traditionell-konservativen Islamverbänden in Deutschland, stellt Lamya Kaddor klar. Doch müssten Muslime den Koran individuell auslegen dürfen. Das beinhalte sogar die Akzeptanz und Gleichbehandlung außerehelicher und gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. „Selbstbestimmte Lebensgestaltungen entlang der Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz, das ist unser Credo“, sagt Kaddor. Aus diesem Grundverständnis ergebe sich zwingend, dass seitens des Islam gegenüber „anderen Religionen kein exklusiver Wahrheitsanspruch geltend gemacht werden darf“.

Unter liberal-islamisch verstehen die LIB-Gründer eine „vernunftoffene Gläubigkeit“, die anderen Menschen mit „Respekt und Wertschätzung“ begegnet, die „Widersprüche aushält“ und die das „Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit voraussetzt“.

„Widerstand ist gesund“

Die Bochumer Islamwissenschaftlerin Raida Chbib wertet die LIB-Gründung als Zeichen einer Dynamik, „die zeigt, dass es immer mehr Muslime gibt, die sich den Fragen nach der Vereinbarkeit ihres Glaubens mit der deutschen Gesellschaft stellen“. Dies könne den Integrationsprozess befördern. Innerhalb des Islam sei indes eine Denkrichtung, die den Glauben als persönliche Angelegenheit betrachtet, nicht neu. Dieser Aspekt sei nur in Deutschland bislang kaum wahrgenommen worden. Beobachter bezweifeln indes, dass Muslime, die ein eher entspanntes Verhältnis zu ihrer Religion haben, sich überhaupt in einem Verein organisieren mögen.

Chbib: „Ich verstehe die Initiative als Reaktion einer Gruppe von Muslimen, die sich durch die islamischen Verbände nicht repräsentiert sieht.“ Ob man die Gründung aber als Zeichen einer innerislamischen Protestbewegung sehen könne, sei fraglich, obwohl Lamya Kaddor vor allem mit ihrem Schulbuchprojekt Probleme mit den konservativen Verbänden gehabt habe. Sollte es um Kaddors Initiative Debatten oder gar Streit geben, würde der Duisburger Islamwissenschaftler Jochen Hippler dies nur begrüßen: „Widerstand ist gesund. Es ist ja der Sinn der Sache, einen Diskurs in Gang zu bringen. Und das wurde Zeit.“

Dirk Hautkapp und Christopher Onkelbach

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Kommentare
18.10.2010
12:34
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von reichs-tag.de | #54

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18.10.2010
07:27
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von reichs-tag.de | #53

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26.08.2010
13:46
Liberale Muslime könnten Integration vorantreiben
von wertu | #52

hallo zusammen.Islam ist Islam und unveränderlich. Integration heißt für mich nicht, meinen Glauben so zu verändern und so zu struktieren, dass es den Anderen passt. das kann ich nicht verstehen.ich selbse würde von mir behaupten, dass ich sehr gut integriert bin. studiere und engagiere mich(auch für Nicht-muslime), nur ist eine Modernisiereung des Islams, nicht mehr der Islam. Denn die Religion ist unveränderlich.Wenn man den Quran so auslebt, wie es auch der Prophet (s.a.s)gemacht hat, ist doch keinem Menschen damit geschadet, ganz im Gegenteil. Das Problem liegt nich darin, dass die Religion individuell und nach eigen wünschen ausgelegt werden soll, sondern vielmehr darin, dass der Islam nicht richtig verstanden wird und mit diversen Vorteilen behaftet ist. Aufklärung statt Veränderung lautet die Devise!!!

15.08.2010
23:50
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von Pinatz | #51

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15.08.2010
23:33
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von neindanke | #50

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15.08.2010
23:30
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von neindanke | #49

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15.08.2010
22:49
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von Pinatz | #48

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15.08.2010
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von Pinatz | #47

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15.08.2010
22:33
Liberale Muslime könnten Integration vorantreiben
von Guten Tag | #46

Mit verlaub, aber ich spreche mit wen ich möchte und gerne auch mit den Muslimas so wie mit Alice Schwarzer oder Angela Merkel. Letzendlich kann Mensch viel reden aber es kommt auf die Praxis an und die kann man sehen. Ich persönlich kann beispielsweise sehr schlecht kleine Mädchen sehen die mir sagen, dass sie bei über 30 Grad Hitze nicht in das Schwimmbad gehen dürfen weil sie Moslems sind. Ansonsten respektiere ich selbstverständlich den Glauben eines jeden Menschen solange andere und vor allem Unschuldige nicht darunter leiden. Kinder sind besonders unschuldig! Mit freundlichen

15.08.2010
22:32
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von quadraturacirculi | #45

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