Liberale, die wir brauchen könnten

Hätte man vor zwei Jahren ­geschrieben, dass Deutschland die FDP braucht, wäre man – zu Recht – gefedert und geteert worden. Schreibt man es heute, sind die Chancen, unbehelligt zu bleiben, klar besser.

Also, versuchen wir’s mal, allerdings mit einem längeren Zusatz: Deutschland braucht die FDP – sofern sie weiter eisern in der Mitte bleibt, sich nicht mehr als Ein-Themen-Lobbygruppe versteht, Bürgerrechte stärker betont, guidomobilartige Sperenzchen unterlässt und, Achtung!, sozialer wird.

Letzterer Punkt meint nicht, dass es neben CDU/CSU und SPD noch eine weitere sozialdemokratische Partei geben sollte, die beispielsweise für kostspielige Renten-Rückwärts-Reformen eintritt. FDP-Chef Lindner möge sich nur bald wieder an die „Freiburger Thesen“ erinnern, die die FDP nach dem schlechten Ergebnis der Bundestagswahl 1969 aufgeschrieben hatte, um sich einen sozialeren Anstrich zu geben. „Liberalismus lässt die Menschen in Ruhe, aber nicht im Stich“, hatte Lindner vor Jahren einmal, auf Freiburg anspielend, formuliert. Nun ist er schon seit einiger Zeit Parteichef, doch erkennbar programmatisch umgesetzt hat er davon noch nichts.

Aber vielleicht ist das jetzt auch zu viel verlangt. Es geht erst einmal um das nackte Überleben, um Konsolidierung, darum, das inzwischen kleinere Bötchen FDP in unruhigen Gewässern auf Kurs zu halten. Das ist Lindner bislang gelungen.

Während sich die AfD als angeblich neue politische Kraft in Deutschland gerade selbst zerlegt, haben die Radikalen, die am rechten Rand der FDP lauern, nichts zu melden. Viele Wähler registrieren das. Und sie registrieren, dass die AfD keine Alternative ist. Die Piraten sind es schon gar nicht (und bereits weg vom Fenster). Und die Grünen sind mit ihrem manchmal regulierungswahn-sinnigen Gutmenschen- und Wutbürgertum alles Mögliche, nur keine „grün angestrichenen Liberalen“.

Die zarten Wahlerfolge der FDP in Hamburg und Bremen sind noch kein Comeback. Aber sie zeigen, dass ein Comeback möglich – und Lindner der richtige Mann an der Spitze ist. Das haben die Parteitagsdelegierten gestern entsprechend goutiert. Nun noch eine kleine Kurskorrektur, und Deutschland hat wieder ein paar ordentliche Liberale.