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Laumann prangert Kinderarbeit in Indien an

08.01.2010 | 14:53 Uhr

Neu Delhi. NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann ist nach Indien gereist, um dort die ausbeuterische Kinderarbeit anzuprangern. Unter anderem besucht er einen Steinbruch bei Kota. In vielen solchen Steinbrüchen schuften Kinder. Grabsteine, die von dort kommen, landen auch auf deutschen Friedhöfen.

Karl-Josef Laumann (CDU). Foto: ddp

Die Schätzungen klaffen weit auseinander. Von zwölf Millionen Kinderarbeitern sprechen indische Regierungsquellen, achtmal so viele sind es nach vagen Angaben von Hilfsorganisationen. Tatsache ist: In keinem Land ist Kinderarbeit so weit verbreitet wie in der aufstrebenden Milliarden-Republik. Sie ist oft ausbeuterisch und illegal, aber gesellschaftlich akzeptiert. Für NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann ist sie ein „schrecklicher Skandal”. Am Freitag begann der CDU-Politiker eine fünftägige Indien-Reise, um auf den Missbrauch aufmerksam zu machen.

In Neu-Delhi spricht Laumann mit führenden Politikern, darunter Arbeitsminister Mallikarjun Kharge, aber auch mit indischen Steinexporteuren. Denn von der Knochenarbeit in den Steinbrüchen, wo Kinder unter miserablen Bedingungen schuften müssen, weist die wirtschaftliche Verbindung direkt nach Deutschland.

Grabsteine mit Kinderhand gefertigt

Immer mehr Grabsteine auf deutschen Friedhöfen stammen aus Indien. Laumann schätzt den Anteil bereits auf 20 Prozent. Mit Marmor und Granit aus schlecht bezahlter Produktion lassen sich gute Geschäfte machen. „Die Nachfrage aus dem Ausland nach preisgünstigen Natursteinen ist groß”, heißt es auch in einem Bericht von „Terre des Hommes”.

Der Minister sieht sich in einem Steinbruch nahe Kota um und besucht mehrere Hilfsprojekte für Kinder. In der indischen Hauptstadt will Laumann bei seinen Gesprächen auf Maßnahmen gegen Kinderarbeit drängen, in NRW die Verbraucher sensibilisieren.

„Produkte boykottieren”

„Wir können nur dagegen angehen, indem wir bestimmte Produkte boykottieren”, fordert Laumann. Denn in den indischen Steinbrüchen sei jeder sechste Arbeiter keine 14 Jahre alt. Viele Kinder, die mit primitiven Werkzeugen die Steine behauen müssen, bezahlen dafür mit ihrer Gesundheit, sind schon im jungem Erwachsenenalter nicht mehr arbeitsfähig oder sterben früh.

Begleitet wird Minister Laumann auch von Vertretern der beiden christlichen Kirchen in Nordrhein-Westfalen. An sie richtet er den Appell, in der Friedhofssatzung ein Verbot von Grabsteinen zu verankern, die mit Kinderarbeit hergestellt wurden.

Theo Schumacher

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