Landschaftsverband kritisiert „Popanz für das Ruhrgebiet“

Das Ruhrparlament soll direkt von den Bürgern gewählt werden. Matthias Löb kritisiert die eigene große Verwaltung des Ruhrgebiets.
Das Ruhrparlament soll direkt von den Bürgern gewählt werden. Matthias Löb kritisiert die eigene große Verwaltung des Ruhrgebiets.
Was wir bereits wissen
Der Chef des LWL, Matthias Löb, wettert gegen die Revierreform. Das geplante RVR-Gesetz ist ihm ein Dorn im Auge („unangebrachter Popanz“). Der Regionalverband wolle Aufgaben, die er gar nicht stemmen könne. RVR-Direktorin Geiß-Netthöfel wehrt sich gegen die Attacke aus Münster.

Münster/Essen.. Der neue Chef des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) attackiert mit scharfen Worten das Streben des Ruhrgebiets nach Eigenständigkeit. LWL-Direktor Matthias Löb (SPD) ist das RVR-Gesetz, mit dem sich der Landtag beschäftigt, ein Dorn im Auge. „Damit wird ein unangebrachter Popanz fürs Ruhrgebiet aufgebaut“, sagte er den „Westfälischen Nachrichten“.

Das Gesetz für den Regionalverband Ruhr (RVR) soll es den Revierstädten ermöglichen, Aufgaben auf den RVR zu übertragen. Außerdem soll das Ruhrparlament direkt von den Bürgern gewählt werden.

Aufgaben ohne Lösung

Das Ruhrgebiet bekomme Aufgaben und Kompetenzen, für die es keine Lösungen anbieten könne, schimpfte Matthias Löb. „Die Klammer für Westfalen ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, nicht der Regionalverband Ruhr.“

Den LWL-Chef treibt offenbar die Sorge um, dass sich das Ruhrgebiet nach und nach eine eigene große Verwaltung schaffen könnte – zu Lasten der Landschaftsverbände und der Regierungsbezirke.

„Wir klammern das Revier“

RVR-Direktorin Karola Geiß-Netthöfel konterte den Angriff von Löb umgehend: „Die Reform des RVR-Gesetzes ist kein politischer Popanz, sondern die konsequente Weiterentwicklung der städteübergreifenden Zusammenarbeit in der Metropole Ruhr durch die Übertragung von neuen Aufgaben an den RVR“, sagte sie dieser Zeitung.

RVR-Vollversammlung Geiß-Netthöfel unterstrich, dass sich ihr Verband nie als Klammer Westfalens gesehen habe. „Wir sind und bleiben die Klammer für das Ruhrgebiet. Und niemand hält andere Regionen in NRW davon ab, den gleichen Weg einzuschlagen. Ich hoffe doch sehr, dass wir die gute Zusammenarbeit mit den Landschaftsverbänden fortsetzen können.“

Ganz andere Töne als Matthias Löb hatte im Mai die Chefin des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), Ulrike Lubek, angeschlagen. Sie begrüßte die Stärkung des RVR im Grundsatz und erklärte, der „Wunsch der Menschen im Revier nach regionaler Identität“ werde gehört.