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Studienabbruch

Landesregierung will „Herausprüfen“ an den Unis verhindern

20.09.2012 | 18:35 Uhr
Landesregierung will „Herausprüfen“ an den Unis verhindern
Online-Klausur am Campus Essen.Foto: Remo Tietz

Düsseldorf.  NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) will die Abbrecherquote von Studenten an den Hochschulen des Landes in den kommenden Jahren um 20 Prozent senken. Vor allem das „Herausprüfen“, also das künstliche Erhöhen von Studienanforderungen, ist der Ministerin ein Dorn im Auge.

NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) will die Abbrecherquote von Studenten an den Hochschulen des Landes in den kommenden Jahren um 20 Prozent senken. Die vorzeitige Beendigung der Ausbildung müsse als „Makel“ statt als Qualitätssiegel des Lehrbetriebs betrachtet werden, forderte Schulze am Donnerstag.

Bundesweit brechen 28 Prozent der angehenden Akademiker an Universitäten oder Fachhochschulen ihr Studium ab, wobei auch vorzeitige Berufseinstiege, Auszeiten oder Auslandsaufenthalte in die Statistik einfließen. An einer eigenen NRW-Erhebung zu den Abbrecherzahlen, die Leitlinie für das 20-Prozent-Minderungsziel sein soll, werde noch gearbeitet, so Schulze.

Turbo-Student
Private Hochschulen - klein, fein, teuer, aber auch gut?

Der „Turbo“-Student Marcel Pohl (22) ist in aller Munde: Seit er das Kunststück fertigbrachte, einen „Master“ an der Hochschule FOM in Dortmund in vier statt in elf Semestern zu schaffen, fragen sich viele, wie es um die Qualität der privaten Hochschulen steht.

Die Initiative der Landesregierung wird auch als Maßnahme gegen die Praxis des „Herausprüfens“ gewertet, die in einigen Fachbereichen üblich sein soll. Dabei werden in Klausuren und Tests die Anforderungen derart hochgeschraubt, dass nur noch eine kleinere Anzahl besonders begabter Erstsemester das Studium fortsetzen kann. Dies gilt neben Zugangsbeschränkungen durch einen örtlichen Numerus clausus (NC) als mögliche Variante, um den Lehrbetrieb trotz des aktuellen Studentenansturms aufrecht zu erhalten. Inzwischen sind 45 Prozent aller Studienfächer in NRW an ein besonders qualifiziertes Abiturzeugnis (NC) gekoppelt.

Bund soll NRW-Hochschulen helfen

Mit Blick auf das erwartete Chaos an den 37 Hochschulen in NRW im Jahr 2013, wenn der doppelte Abi-Jahrgang in die Hörsäle drängt, mahnte Schulze finanzielle Unterstützung des Bundes an. Die NRW-Hochschulen rechnen mit mehr als 123 000 Studienanfängern. Das seien deutlich mehr, als in allen Finanzberechnungen unterstellt. Der Bund müsse seinen Teil der Hochschulfinanzierung anpassen. Bis Frühjahr 2013 bräuchten die Rektoren eine verlässliche Finanzplanung, um ausreichend Studienplätze zu schaffen, so Schulze. Als Rechenwert kostet jeder Studienplatz 20 000 Euro, die sich Bund und Länder teilen.

Tobias Blasius



Kommentare
22.09.2012
18:56
Landesregierung will „Herausprüfen“ an den Unis verhindern
von gatagorda | #13

Das foerderative System in Bezug auf Bildung und Wissenschaft ist Kokolores, hier waere Zentralismus angebracht. Ich weiss, jetzt wird ein Aufschrei durch die Menge gehen, wenn ich jetzt sage, warum keine Zugangspruefung zum Studium wie in vielen anderen Laendern auch?

22.09.2012
15:21
andy_112 | #10
von dummmberger | #12

Was soll das für eine "Erklärung" sein?

Allegemienplätze, die über den Sprcuh "Das leben ist kein Ponyhof" nicht hinauskommen.

Wenn das Niveau von Prüfungen über das normal übliche Niveau angehoben werden, um Leute auszusieben, dann ist das eben nicht in Ordnung.
Und eine Abbrecherquote von 28 % ist einfach zu hoch.
Das Zitat im Artikel über die "kleinere Anzahl besonders begabter Erstsemester" bezieht sich übrigens nicht auf diese Gesamtzahl von 72 %, die durchkommen, sondern explizit auf diese Studiengänge, wo das Herausprüfen üblich ist. Und ich weiß, dass es teilweise Abbrecherquoten von 90 % gibt.

Im übrigen bin ich in der "guten alten Zeit" aufs Gymnasium gegangen und müsste daher nach allgemeiner Definition so gebildet sien, dass ich das richtig einschätzen kann. :-)

22.09.2012
09:43
Landesregierung will „Herausprüfen“ an den Unis verhindern
von grandmastr | #11

Frau Ministerin Svenja Schulze hat derzeit ganz andere Probleme, die auch in dem Artikel bereits genannt sind. Daran sollte sie eher arbeiten als an Zukunftsvisionen wie es in 20 Jahren aussieht.

Es ist richtig, dass es einige Aussiebeklausuren gibt, die dann auch sehr böse enden können. Es ist auch richtig, dass diese abgeschafft werden sollen und ein gleichbleibender Schwierigkeitsgrad herrscht.

Das ist allerdings bei weitem nicht der einzige Grund, vermutlich nicht einmal der Hauptgrund für Abbrechen. Viele haben kaum einen Eindruck was es heißt an der Uni zu sein, zu studieren. Nur ein Bruchteil lässt sich vorher beraten und besucht eventuell auch mal ein paar Vorlesungen. Hier wäre ein Ansatz, der auch relativ schnell machbar ist.

Wie bereits gesagt, das ist aber aus meiner Sicht eher ein geringes Problem. Nächstes Jahr kommen die doppelten Abiturjahrgänge und schon jetzt gibt es große Probleme bei Bafög o.ä.

@10: Es gibt durchaus Prüfungen mit einer Durchfallquote von 90%

1 Antwort
Durchfallquote von 90%
von andy_112 | #11-1

Es gibt auch noch einen 2. und 3. Versuch. Und am Ende schaffen es die meisten doch irgendwie.
Die Aussiebeklausuren finden i.a. innerhalb der ersten 4 Semester statt. Ich bin mir sicher, die Abbrecherquote im Hauptstudium ist äußerst gering.
Jm., der nicht den Mumm hat, nicht zäh genug ist und vielleicht auch nicht die nötige Begabung hat, sich durch die heftigen Klausuren zu quälen, wird im Hauptstudium scheitern. Bis dahin hat man aber vielleicht schon 4 Jahre seines Lebens vertan. Dann lieber am Anfang sieben und nach 1 Jahr merken, dass man sich wohl für das falsche Fach entschieden hat.

21.09.2012
23:01
@ dummmberger | #9
von andy_112 | #10

Na, dann will ich es mal erklären:

Prüfungen sind genau dafür da, um die Spreu vom Weizen zu trennen!
Universität ist Erwachsenenbildung und nicht Kindergarten, wo man an die Hand genommen wird. Im Beruf muss man auch selbstständig arbeiten und Entscheidungen treffen.
Wenn 28% abbrechen heißt das gleichzeitig, dass immerhin 72% durchkommen. Hier von "kleinere Anzahl besonders begabter Erstsemester" zu sprechen ist lächerlich! Das ist keine kleine Anzahl, das ist die Mehrheit! Und zwar keine knappe! Also kann es doch so schlimm nicht sein, oder? Wer will schon gerne von einem Arzt behandelt werden, der nicht weiß was er tut, weil er gerade niemanden Fragen konnte? Wer will ein Haus von einem Bauingenieur planen lassen, der nicht rechnen kann? Wer will, dass seine Kinder von Lehrern unterrichtet werden, die selbst nicht lernen können?

Da Du die Verhältnisse offensichtlich verkannt hast, muss die Bildung für manche früher wohl doch besser gewesen sein! ;-)

21.09.2012
18:13
Landesregierung will „Herausprüfen“ an den Unis verhindern
von dummmberger | #9

Nur mal so zur Erklärung:

In dem Artikel geht es darum, dass die Landesregierung die hohe Abbrecherquote von über einem Viertel (28 %) an Universitäten reduzieren möchte.

Da steht nichts von Absenkung des Niveaus. lediglich das Freischaufeln von Studienplätzen durch künstliches Heraufschrauben der Ansprüche bei Klausuren und Tests soll verhindert werden.

Dass so gut wie alle Kommentatren das anscheinend überhaupt nicht verstanden haben, spircht nicht dafür, dass die Bildung früher besser war.

21.09.2012
16:57
Landesregierung will „Herausprüfen“ an den Unis verhindern
von Klug99 | #8

Toll die Kommentare! Sind es nicht insbesondere unsere "Bildungsbürger" die den grünen Club an die Macht gebracht haben?

21.09.2012
14:54
Landesregierung will „Herausprüfen“ an den Unis verhindern
von Keitermann | #7

Das ist vollkommen Realitätsfremd. Fest steht doch, dass das Abitur in NRW heute relativ wenig die Qualität von gestern hat. Nachdem auch der Leistungsschwache über die Abi-Hürde gehievt wird und im Hörsaal sitzt, haben die Unis nun Probleme damit. Diese Studenten sollen nun noch zusätzlich gefördert werden. Nein, diese Menschen sollen nicht noch zusätzlich gequält werden, wenn sie doch überfordert sind. Eine andere Sache ist doch, ob wir überhaupt soviel Studenten brauchen. Dadurch fördern wir doch noch den schon eklatanten Facharbeitermangel. Wer das nicht erkennt, gehört nicht in ein Ministeramt!

21.09.2012
13:02
Landesregierung will „Herausprüfen“ an den Unis verhindern
von baiersdorf | #6

Das ist doch Nachwuchspflege der Parteien - nicht mehr und nicht weniger. Eigentlich unglaublich, wie Rot-Grün damit beginnt, Leistungsträger abzubauen und Schmalspurstudenten zu fördern. Was soll das denn hinterher für eine Gesellschaft werden? Nur noch Softis und Dünnbrettbohrer ohne Ehrgeiz und Rückgrat?

21.09.2012
13:01
Landesregierung will „Herausprüfen“ an den Unis verhindern
von DrDr | #5

So etwas nennt man wohl Alibi-Politik. Anstatt endlich mehr Geld bzw. Personal in das Bildungssystem zu stecken, um jungen Menschen die entsprechende Qualifikation zu ermöglichen, wird hier so lange gespart, bis die Unis ihren Bildungsauftrag gar nicht mehr wahrnehmen können. Mit der Absenkung der Leistungsanforderungen treibt man natürlich billig und haushaltsschonend die Akademikerquote nach oben. Nur, wem ist damit eigentlich geholfen? Immerhin kann dann die Landesregierung stolz ihre tolle Bildungspolitik preisen.

21.09.2012
12:24
Landesregierung will „Herausprüfen“ an den Unis verhindern
von Juelicher | #4

Das Niveau der Studienanfänger wird bekanntlich nicht höher, wenn heutzutage mehr als jeder zweite Schüler eine Hochschulzugangsberechtigung erreicht. Hinzu kommt die Liberalisierung des Hochschulzugangs für ausgebildetete Berufstätige, also fachbezogen für alle sowie ohne Einschränkungen für Techniker u. Meister.
Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn es Studienabbrecher gibt. Früher war deren Zahl wohl auch nicht geringer. Eigentlich erstaunlich, dass sie heute nicht sogar noch höher liegt. Ich erkenne natürlich auch das Problem, dass eine allzu große Resourcenverschwendung im Unisektor vermieden werden muss. Wichtig wäre allerdings, sich von den extrem hohen Absolventenzahlen in manchen anderen Ländern (Skandinavien, Australien etc.) nicht blenden zu lassen u. diesen nachzueifern. Die Bildungs- u. Berufsausbildungssysteme lassen sich überhaupt nicht vergleichen. In manchen Ländern machen Krankenschwestern, Logopäden, Optiker etc. offiziell Hochschulausbildungen.

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