Land will möglichst viel Kunst der Portigon-Sammlung sichern

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) und Susanne Titz, Direktorin des Städtischen Museums Abteiberg Mönchengladbach, beraten am „Runden Tisch" im Kulturministerium in Düsseldorf über die Zukunft der Portigon-Kunstsammlung.
Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) und Susanne Titz, Direktorin des Städtischen Museums Abteiberg Mönchengladbach, beraten am „Runden Tisch" im Kulturministerium in Düsseldorf über die Zukunft der Portigon-Kunstsammlung.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
380 Kunstwerke aus dem Besitz der ehemaligen WestLB sollen in eine Stiftung eingebracht und so gesichert werden. Dafür sind private Sponsoren nötig.

Düsseldorf.. NRW will möglichst viele der 380 Portigon-Kunstwerke aus dem Besitz der ehemaligen WestLB mit einer Stiftung sichern. „Es geht darum, private Sponsoren zu finden, die mit Dauer-Leihgaben helfen“, sagte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) nach der ersten Sitzung des „Runden Tisches“ mit 20 Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Bis zur Sommerpause sollen verschiedene Stiftungs-Modelle geprüft werden.

Die Portigon AG, Rechtsnachfolgerin der ehemaligen Westdeutschen Landesbank (WestLB), muss laut Aktienrecht wegen ihrer Auflösung alle Kunstwerke veräußern. Walter-Borjans machte auf die Folgen für den Steuerzahler aufmerksam, falls das Land am Ende einzelne Kunstwerke zu Marktpreisen ankaufe.

Versicherungswert 28 Millionen Euro

Der Gesamtversicherungswert der Portigon-Kunstwerke liegt bei 28 Millionen Euro. Die möglichen Kunstverkäufe haben aus Sicht von Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) bundesweit eine öffentliche Debatte ausgelöst, wie es sie in der Szene bisher nicht gegeben habe. Jetzt werde man „ohne Zeitdruck“ Lösungen suchen.

Kunst Nach Angaben Schäfers sollen zunächst drei Violinen (darunter eine Stradivari, die der Duisburger Star-Geiger Frank-Peter Zimmermann spielt) und neun Kunstwerke nach einer Prüfung auf die Liste national wertvollen Kulturguts gesetzt werden. Diese Kunstwerke dürfen dann nicht mehr ins Ausland verkauft werden. Weitere 60 Kunstwerke werden derzeit für einen solchen Vorschlag fachlich bewertet. Ein Verkaufsverbot für alle 380 Kunstwerke ist aber ausgeschlossen, zumal sich etliche davon bereits an den ehemaligen WestLB-Standorten London und New York befinden.

Zwölf Objekte auf einer Schutzliste

Die zunächst zwölf Objekte auf der Schutzliste werden von einem fünfköpfigen Sachverständigenrat auf ihre nationale Bedeutung geprüft. Dabei handelt es sich um zwei Stradivaris, ein Violincello von Rocca sowie Kunstwerke von Max Ernst, Henry Moore, Giovanni di Paolo, Paul Signac, August Macke, Eduardo Chillida, Dieter Roth, Fritz König und Fritz Winter.

Portigon Susanne Titz, Leiterin des Museums Abteiberg Mönchengladbach, äußerte sich zufrieden über den „großen politischen Willen“, die Kunstwerke für die Bürger zu schützen. CDU-Kunstexperte Thomas Sternberg verlangte, dass Arbeiten, die öffentlich in Sammlungen, Museen oder auf Plätzen zu sehen sind, einen vorrangigen Schutz bekommen.

Vertreter von FDP und Piraten sprachen sich für ein Kunstregister des Landes aus, in das alle Kunstwerke im Besitz des Landes oder landeseigener Einrichtungen aufgelistet sind.