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Bundespolitik

Lafontaine macht Platz für eine Frau

10.10.2009 | 12:57 Uhr
Lafontaine macht Platz für eine Frau

Berlin. Oskar Lafontaine ist immer wieder für Überraschungen gut. Jetzt legt er den Fraktionsvorsitz der Linken im Bundestag nieder. Er will sich um Rot-Rot-Grün im Saarland kümmern. Er habe das lange geplant, „die Zeit ist reif”, sagte Lafontaine. Eine Frau soll nachrücken.

Für einige Ohren mag er wie wunderbare Musik geklungen haben. Lafontaine macht den Weg frei, damit die Führung der 76-köpfigen Fraktion jünger und weiblicher wird. Er habe das lange geplant, „die Zeit ist reif”, sagte Lafontaine. Allein, er geht nicht so ganz. Der 66-jährige will Parteichef bleiben. Er gibt nur eines von zwei Ämtern ab.

Er will sich zudem verstärkt um das Saarland kümmern. Sollte es zu einer Rot-Rot-Grünen-Koalition kommen, ist es nicht ausgeschlossen, dass er sein Bundestagsmandat zurückgibt, um sich voll und ganz auf den Fraktionsvorsitz im Saarbrücker Landtag zu konzentrieren. Noch ist offen, wie es weiter geht. Klarer sind Lafontaines Pläne in Berlin: Frauen sollen als Co-Vorsitzende an die Spitze von Fraktion und Partei aufrücken.

40 Frauen in der Fraktion

Der Partei- und Fraktionsvorsitzende der Linken, Oskar Lafontaine, gibt am Freitag (09.10.09) in Rheinsberg waehrend der Fraktionsklausur der Partei in Sichtweite eines Fotos des Rheinsberger Leuchtturms ein Pressestatement. Oskar Lafontaine gab bekannt, sich nicht wieder fuer die Wahl zum Fraktionsvorsitz der Linken aufstellen zu lassen. (zu ddp-Text) Foto: Michael Gottschalk/ddp

Gregor Gysi konnte gestern keine Co-Vorsitzende „aus dem Hut zaubern”. Er ließ sich erst mal als alleiniger Chef wählen. Aber die Idee ist, dass die Linken am Konzept der Doppelspitze festhalten und Gysi eine westdeutsche Amtskollegin bekommt. Lafontaine, der sich nur in der Fraktion mit der zweiten Reihe begnügt, würde es seinerseits mit einer ostdeutschen Co-Chefin zu tun bekommen. 40 Frauen sind in der Fraktion, für die westdeutschen unter ihnen beginnt nun ein Schaulaufen.

„Typisch Oskar" werden sie bei der SPD sagen. Für einsame Entscheidungen war der Mann immer gut: 1995, als er sich handstreichartig den SPD-Vorsitz nahm; oder 1999, als er in Bonn Knall auf Fall als Finanzminister zurücktrat; oder 2005, als er die Partei verließ und den entscheidenden Ruck für die Gründung der WASG und die spätere Fusion mit der PDS zur neuen Linkspartei gab.

Bisweilen despotisch

Auch gestern hat er Freund und Feind verdutzt. Als die Fraktion in einem Hotel an der Marina in Rheinsberg zusammenkam, waren viele ahnungslos; beileibe nicht bloß Hinterbänkler. Ein Mann wie Bodo Ramelow, der von sich meint, er höre das Gras wachsen, bekannte gegenüber der WAZ: „Dieser Halm ging total an mir vorüber.” Nicht nur den thüringischen Parteichef hatte Lafontaine mit seinem selbst gewählten Abschied genarrt. Mal wieder: Ein Coup.

Die Partei weiß, was sie an Lafontaine hat. „Ohne ihn gäbe es die Linke nicht”, sagte Gysi in Rheinsberg. Bei anderen aber dürfte sich die Enttäuschung in Grenzen halten. Lafontaines patriarchalischer, bisweilen despotischer Führungsstil, weckte zuletzt gerade bei den jungen, selbstbewussten Ost-Linken um die Berliner Realo-Politiker Stefan Liebich und Halina Wawzyniak leisen Zorn. Öffentlich wird der Unmut jetzt aber wohl kaum. Zumal die kolportierten Begründungen für den Schritt Lafontaines selbst für interne Parteikritiker plausibel klingen. Danach wolle sich, das sagt Geschäftsführer Dietmar Bartsch, Lafontaine künftig der Aufgabe widmen, dass Rot-Rot-Grün im Saarland gelingt.

Noch haben die Saar-Grünen nicht entschieden

Dort, wo Lafontaine bei der Landtagswahl am 30. August auf Anhieb knapp 22 Prozent erzielte, soll gemeinsam mit der SPD und den Grünen der Boden bereitet werden – auch für einen Regierungswechsel nach der Landtagswahl im Mai 2010 in NRW. Scheitert Schwarz-Gelb, kommt die Linke an die Macht und über den Bundesrat wieder verstärkt ins Spiel.

Halt, da war noch was: Noch haben die Saar-Grünen nicht entschieden, ob sie Rot-Rot-Grün oder mit der Union und der FDP das Wagnis „Jamaika-Koalition” eingehen wollen. Der dazu fällige Beschluss fällt erst am Sonntag. Landes-Grünen-Chef Hubert Ulrich wertet Lafontaines Schritt als „Affront gegen Rot-Rot-Grün”. Er wolle sich als „Co-Ministerpräsident installieren”. Das klingt, als ob Lafontaine im Saarland mehr Belastung denn Wohltat wäre.

Dirk Hautkapp, Miguel Sanches

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Kommentare
10.10.2009
15:46
Lafontaine macht Platz für eine Frau
von Evald | #39

@ 32 Kuba
Nur mal als Richtigstellung:
Die Gelben habe ich meines Wissens noch nie gewählt und ich vertrete weder Versicherungen, noch Ihre Meinung.
Auch halte ich Von Zeitarbeitsverträgen nicht viel, noich weniger von Praktika, wo Menschen isweilen ein Jahr und länger quasi umsonst arbeiten.

Wieder einmal ein (misslungener) Versuch von Ihnen, Vermutungen, Behauptungen und Halbwissen als Tatsachen darzustrellen.

Etwas sehr parrallel ;-) , vielleicht sogar Ihr gesamtes Universum.

10.10.2009
15:30
Lafontaine macht Platz für eine Frau
von dr.einstein | #38

@35 von achill
Faszinierend, dass die meisten immer noch nicht begriffen haben, dass die Menschen nicht Oskar nachlaufen, sondern vor Merkel, Steinmeier und co weglaufen. Interessant ist auch, dass kaum ein Lafontaine-Kritiker ohne persönliche Angriffe auskommt. Das macht die Argumentation nicht gerade glaubwürdiger.
Es muss doch jedem klar sein, dass Menschen, die nicht neoliberal denken, auch eine Partei haben müssen. Die SPD ist es seit Schröder nicht mehr und nach Steinmeier noch nicht wieder. Also bleibt derzeit für viele nur die Linke. Das ist so logisch, dass ich mich wundere, dass man das immer wieder schreiben muss und es anscheinend doch keiner versteht.
Gegenbeispiel: Würde jetzt plötzlich Sozialdemokratie modern und die FDP würde auf den Zug aufspringen, Mindestlöhne etc fordern, würde sich jenseits der FDP eine neue wirtschaftsliberale Partei gründen. So einfach ist das.

10.10.2009
13:03
Lafontaine macht Platz für eine Frau
von kuba4711 | #37

@ 36 Ich bitte die Fehler zu entschuldigen. Ich mache noch was parallel..-))

10.10.2009
13:02
Lafontaine macht Platz für eine Frau
von kuba4711 | #36

Was die hartz -Problematik betrifft ,will ja die FDP diese sogar abschaffen.
Und eine Art sog. Bürgergeld -aus einer Hand und für alle Kosten des Lebens - einführen.
Das nenne ich lberal und nicht blockierend .
Es fragt sich nur was man unter liberal versteht und was dann bei wem nicht blockiert wird.
Wie man hört sind da ja horrende Summen pro Person -von cirka 670 Euronen - im Gespräch.
Damit sollen dann die von politischen Blockaden sog. Befreiten offenbar auch alle Wohnungskosten -inklusive Nebenkosten bestreiten.
Also die Liberalitärt in unserem Land wächst.Denn es entspricht durchaus dem neoliberalen gedankengut -siehe USA - die Menschen in Zeltstädten unter zu bringen.

10.10.2009
12:42
Lafontaine macht Platz für eine Frau
von achill | #35

Natürlich kann man darüber streiten, ob eine Reform wirklich gut ist oder eine Verschlimmbesserung.
Lafontaine ist das allerdings egal, es ändert nur seine Art der Argumentation.
Manche Reformen lehnte er damals als unsozial ab und wenn sie sozial waren, wurden sie abgelehnt mit der Begründung, dass sie nicht weit genug gehen.
Er würde auch eine Erhöhung von Hartz4 im Bundesrat blockieren, wahrscheinlich mit der Begründung dass man Hartz4 abschaffen will oder die Erhöhung nicht groß genug ist.

Aber rennt ihm ruhig weiter nach, wahrscheinlich lacht er über seine Anhänger am meisten.

10.10.2009
12:21
Lafontaine macht Platz für eine Frau
von kuba4711 | #34

@ 33 Und jetzt ein g zu wenig. . . - (((

10.10.2009
12:20
Lafontaine macht Platz für eine Frau
von kuba4711 | #33

@ 32 Korrektur. derartige Verschlimmbesseruns-Reformen.
Sorry ,ein n zuviel ,im Eifer des Gefechts : -))))

10.10.2009
12:17
Lafontaine macht Platz für eine Frau
von kuba4711 | #32

Was manche als Reformen vergöttern ist eben für andere eine sog. Verschlimmbesserung .
Und derartigen sog. Verschlimmbesserungs-Reformen haben wir abhängig Beschäftigten schon über genug erlebt in unserer banana republika.
Oder anders ausgedrückt . Die Interessenlage eines Versicherungsvertreters u. damit eines FDP -Stammwählers -wie Evald z.B sie repräsentiert - lassen sich eben schlecht mit dem Interesse eines Familienpapis mit Zeitarbeitsvertrag versöhnen.
Alles neoliberale Geschwurbel -von wegen Interesse unseres Landes - kann darüber eben nicht hinweg täuschen .

10.10.2009
11:42
Lafontaine macht Platz für eine Frau
von achill | #31

Ich kann nicht verstehen, was an dieser Entscheidung genial sein soll.
Lafontaine will nur wieder alles blockieren im Bundesrat und damit die Bundesregierung lahmlegen.
Genau das hat er ja schon in den letzten Jahren der Kohlregierung gemacht und wichtige Reformen verhindert, damit der Karren weiter in den Dreck fährt und die Regierung im schlechten Licht steht. Dabei ging es ihm nie um die Schwächeren der Gesellschaft, sondern nur um das Machtgefühl.
Selbst an der Regierung und der Realität ausgeliefert hatte er dann keine Lust mehr. Das gleiche sollen wir also alles noch einmal durchmachen, nur mit dem Unterschied, dass er nach einer langen Zeit der Totalblockade wenn die Linken mal an der Regierung beteiligt werden, von vornherein nicht mitmachen wird.
Danach wird er dann die Realpolitik der Linken kritisieren. Gott sei Dank ist er dann zu alt um uns das ganze vielleicht zum dritten Mal anzutun.

10.10.2009
10:28
Lafontaine macht Platz für eine Frau
von piepmatz | #30

Lafontaine macht Platz für eine Frau? Ich hätte gedacht, dass Christian Klar den Fraktionsvorsitz der Linken Faschisten übernimmt

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