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Entführung

Kurdische Rebellen verschleppen türkischen Abgeordneten

13.08.2012 | 15:10 Uhr
Kurdische Rebellen verschleppen türkischen Abgeordneten
Der türkische Abgeordnete Hüyesin Aygün wurde entfürt. Kurdische Rebellen haben sich zu der Tat bekannt.Foto: afp

Ankara.  Kurdische PKK-Rebellen haben einen türkischen Abgeordneten entführt. Warum genau, ist derzeit noch unklar. Es ist das erste Mal, dass kurdische Rebellen einen Abgeordneten verschleppt haben. Der Entführte, Hüyesin Aygün, engagiert sich für Menschenrechte.

Ein Kommando der kurdischen Terrororganisation PKK hat am Sonntagabend in der Südosttürkei den Parlamentsabgeordneten Hüseyin Aygün entführt. Die Rebellen stoppten Aygüns Fahrzeug auf einer Landstraße in der Provinz Tunceli und verschleppten den Politiker. Das Schicksal Aygüns, der selbst Kurde ist und die oppositionelle Republikanische Volkspartei (CHP) vertritt, ist am Montag ungewiss.

Eine Suchaktion der Polizei und der paramilitärischen Gendarmerie blieb zunächst ergebnislos. Die PKK-nahe Nachrichtenagentur Firat bestätigte die "Festnahme" des Politikers. Mit der Entführung spitzt sich der Kurdenkonflikt weiter zu.

Beginn der bewaffneten PKK-Revolte jährt sich

An diesem Mittwoch jährt sich zum 28. Mal der Beginn der bewaffneten Revolte, mit dem die PKK seit 1984 für einen Kurden staat kämpft. In dem Konflikt sind bisher über 40.000 Menschen ums Leben gekommen.

Aygün war in Begleitung des Journalisten Kadir Merkit und seines Beraters Deniz Tunc auf der Rückfahrt von einem Besuch in der Ortschaft Ovacik, als die Rebellen sein Fahrzeug stoppten. Der Journalist Merket schilderte in der Montagsausgabe seiner Zeitung "Aksam" den Hergang der Entführung. Die bewaffneten Rebellen hätten den Politiker zunächst aufgefordert, freiwillig mit ihnen zu kommen. "Du wirst für einige Tage unser Gast sein", hätten sie dem Abgeordneten erklärt.

Warum kam Aygün ins Fadenkreuz der PKK?

Aygün habe sich aber geweigert: "Ich komme nicht mit, erschießt mich, wenn Ihr wollt", habe er gesagt. Dann hätten die Entführer Aygün mit vorgehaltenen Gewehren in ein nahegelegenes Waldstück gezerrt. "Tut was sie sagen", habe der Abgeordnete seinen Begleitern noch zurufen können, bevor er mit seinen Entführern im Wald verschwand. Die beiden Begleiter wurden freigelassen.

Die PKK hat in der Ost- und Südosttürkei schon öfter Lokalpolitiker, Staatsbeamte, Soldaten und Touristen entführt, noch nie aber einen Parlamentsabgeordneten. Die meisten Verschleppten kamen später wieder frei. Warum nun der Abgeordnete Aygün ins Fadenkreuz der PKK kam, ist unklar.

Aygün engagierte sich für Minderheiten

Der 41-Jährige hat sich als Anwalt und Politiker in der Vergangenheit immer wieder für die Menschenrechte, die Religionsfreiheit und das Recht auf muttersprachlichen Schulunterricht für Kurden und andere ethnische Minderheiten eingesetzt. Aygün engagierte sich auch für Folteropfer und prangerte die Zwangsräumungen kurdischer Dörfer an.

Kommentatoren türkischer Medien meinen, die PKK wolle mit der Entführung Stärke demonstrieren und kurdische Politiker einschüchtern.

Die Regierung in Ankara und die Partei des entführten Politikers richteten Krisenstäbe ein. Regierung und Opposition verurteilten die Entführung. Sie zeige, welche Dimensionen der Terror in der Türkei erreicht habe, sagte der stellvertretende CHP-Vorsitzende Haluk Koc.

Ankara bereitet der Norden Syriens Sorge

Der Kurdenkonflikt ist in den vergangenen Wochen neu aufgeflammt. Die PKK griff wiederholt Stützpunkte der Armee an und tötete mehrere Soldaten. Bei Kämpfen mit Regierungstruppen sollen seit Ende Juli nach offiziellen Angaben weit über 100 PKK-Rebellen gefallen sein.

Video
Immer mehr Menschen fliehen vor den Kämpfen in Syrien. Mehr als 142.000 Flüchtlinge konnten sich bisher nach Jordanien retten, und die schweren Kämpfe um die Stadt Aleppo sollen rund 200.000 Menschen in die Flucht getrieben haben.

Sorge bereitet der Regierung in Ankara die Entwicklung im Norden Syriens , wo die PKK nach Geheimdienst-Erkenntnissen an der Grenze zur Türkei Fuß gefasst hat und vom syrischen Assad-Regime mit schweren Waffen versorgt wird.

Gerd Höhler

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