Das aktuelle Wetter NRW 19°C
Honorar-Konflikt

Kürzen? Erhöhen? Erbitterter Streit um künftige Ärztehonorare

09.08.2012 | 18:42 Uhr
Kürzen? Erhöhen? Erbitterter Streit um künftige Ärztehonorare
Die Krankkassen wollen die Hororare der niedergelassenen Ärzte kürzen - worüber die Mediziner natürlich nicht begeistert sind. Sie fordern stattdessen sogar eine Erhöhung ihres Salärs, das in den vergangenen Jahren bereits deutlich gestiegen ist.

Berlin.  Die Krankenversicherungen haben errechnet, dass die niedergelassenen Mediziner in den vergangenen fünf Jahren ihre Einkünfte um ein Drittel steigern konnten - das sei unangemessen hoch. Nun soll gekürzt werde. Ärztefunktionäre wollen dagegen weitere Anhebungen der Honorare.

Ärzte und Krankenkassen streiten erbittert über die Höhe der Medizinerhonorare im nächsten Jahr. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wies am Donnerstag Forderungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) nach einer um 3,5 Milliarden Euro höheren Vergütung als überzogen zurück. Vizechef Johann-Magnus von Stackelberg forderte gar eine Absenkung des sogenannten Orientierungswerts, der entscheidend für die Höhe der Bezahlung ist. Das würde de facto eine Kürzung der ärztlichen Honorare um 2,2 Milliarden Euro jährlich nach sich ziehen - im Durchschnitt rund 19.000 Euro pro Praxis. Ende August stehen die entscheidenden Verhandlungen an.

Arzthonorare sehr viel stärker gestiegen als Ausgaben

Stackelberg bezog sich auf ein Gutachten des Prognos-Institut im Auftrag seines Verbandes. Demnach seien die Einnahmen der Ärzte seit 2008 deutlich stärker gestiegen als die Kosten der Praxen. So verzeichneten die Mediziner der Studie zufolge Mehreinnahmen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro, denen Ausgaben für zusätzliche Leistungen sowie insgesamt höhere Kosten gegenüberstehen. Die Wissenschaftler rechneten zudem höhere Auslastungen und den organisatorischen Fortschritt ein. Unter dem Strich stehe aber immer noch eine "Überzahlung" der Ärzte in Höhe von fast 2,2 Milliarden Euro, betonte die GKV.

"Die Vergütung der Vertragsärzte muss sich künftig wieder ihrem Aufwand anpassen", forderte Stackelberg. Sinkende Kosten je Leistung, eine bessere Auslastung der Praxen und andere Wirtschaftlichkeitsreserven gehörten genauso auf den Verhandlungstisch wie Preise und Mengen. Im Bewertungsausschuss werde sein Verband den Antrag stellen, den Orientierungswert abzusenken. Da in dem Gremium keine Einigung erwartet wird, soll am 30. August eine erweiterte Runde eine Lösung suchen, der auch drei neutrale Experten angehören.

Dem Prognos-Gutachten zufolge hat sich der durchschnittliche Überschuss je Arzt allein aus der Versorgung von gesetzlich Versicherten von 105.000 Euro im Jahr 2007 um 29 Prozent auf 134.000 Euro im Jahr 2011 erhöht. Nehme man die Einnahmen durch privat Versicherte hinzu, liege der Reinertrag je Arzt sogar bei 165.000 Euro.

Ärzte reagieren erbost

Die Ärzte-Fuktionäre reagierten natürlich erbost: KBV-Chef Andreas Köhler nannte es unverständlich und verantwortungslos, dass die Kassen deutlich weniger Geld für die ambulante Versorgung ihrer Versicherten zur Verfügung stellen wollten. Die geforderte höhere Vergütung um 3,5 Milliarden Euro sei notwendig, allein um die gestiegenen Betriebskosten und die Inflation seit 2008 auszugleichen.

Dem GKV-Verband zufolge würde sich der Ertrag je Praxis jedoch um 20.000 Euro im Jahr steigern. Laut Prognos-Projektleiter Ronny Wölbing würde eine Absenkung des Orientierungswertes von 3,5 auf 3,25 Cent dafür sorgen, dass der Überschuss je Mediziner immer noch rund zehn Prozent über dem Jahr 2007 liegen würde.


Kommentare
09.08.2012
22:15
Kürzen? Erhöhen? Erbitterter Streit um künftige Ärztehonorare
von wiebeler | #2

Wer will sich den mit den Ärzten anlegen?
Es wird dreimal kurz gestreikt und schon wird aus der Gesundheitsreform ein Reförmchen und das unter Garantie zu lasten der Patienten.
Diese haben keine Chance, da sie immer zwischen den beiden Verbänden der Ärzteschaft und Krankenkassen hängen.

09.08.2012
20:06
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Aus dem Ressort
Kriegsleid statt Freude - Bitteres Zuckerfest in Gaza
Nahost-Konflikt
Eid al-Fitr, das dreitägige Fest des Fastenbrechens, gehört zu den wichtigsten Feierlichkeiten im Islam. Doch mitten im Krieg können die Muslime in Gaza das Ende des Fastenmonats Ramadan nicht so feiern, wie sie es sonst tun. Trauer liegt wie ein bleierner Mantel über dem Gaza-Streifen.
Kleine Parteien in NRW legen zu - nur die Piraten schrumpfen
Parteien
Seit der Bundestagswahl geht es bei den beiden Volksparteien in Nordrhein-Westfalen wieder abwärts mit den Mitgliederzahlen. Dafür verbuchen viele "kleine" Parteien seit einem Jahr Zuwachs. Nur eine von ihnen bricht zwei Jahre nach ihrem Boom regelrecht ein: die Piraten.
Tote bei Explosionen in Gaza - Israel bestreitet Beteiligung
Gaza-Konflikt
Nachdem eine zwischenzeitliche Waffenruhe für leichte Entspannung im Gaza-Konflikt gesorgt hat, kamen am Montag im Gaza-Streifen zehn Menschen bei Explosionen ums Leben. Das israelische Militär wies jede Verantwortung für die Zwischenfälle zurück. Es macht militante Palästinenser verantwortlich.
"Den Krieg im Osten der Ukraine gäbe es nicht ohne Russland"
Schriftstellerin
Traumatische Kriegserlebnisse von Kindern hält Swetlana Alexijewitsch in ihrem Buch "Die letzten Zeugen" fest. im Interview spricht die weißrussische Schriftstellerin über Krieg und Frieden - und die Rolle Russlands im Ukraine-Konflikt.
Libyen stürzt ins Chaos - Deutschland zieht Diplomaten ab
Lybien
Die Situation in Libyen gerät außer Kontrolle. Die Flughäfen der Hauptstadt Tripolis können nicht mehr genutzt werden. Trotzdem reisen wegen heftiger Kämpfe immer mehr Ausländer ab. Der Einschlag einer Rakete in ein Benzindepot in Tripolis löste einen Großbrand auf. Es droht eine Katastrophe.
Umfrage
Die Ebola-Seuche breitet sich in Westafrika weiter aus. Ein erster Patient könnte möglicherweise in Hamburg behandelt werden. Macht Ihnen Ebola Sorgen?

Die Ebola-Seuche breitet sich in Westafrika weiter aus. Ein erster Patient könnte möglicherweise in Hamburg behandelt werden. Macht Ihnen Ebola Sorgen?