Das aktuelle Wetter NRW 27°C
Sozialismus

Kubaner brauchen künftig für Ausreise kein Visum mehr

16.10.2012 | 12:19 Uhr
Kubaner brauchen künftig für Ausreise kein Visum mehr
Die Menschen in Kuba brauchen zur Ausreise künftig kein Visum mehr.Foto: Getty

Havanna.  Die Kubaner können künftig deutlich einfacher als bisher aus ihrem eigenen Land ausreisen. Sie sollen künftig keine Ausreisegenehmigung und keine Einladung aus dem Ausland mehr benötigen, kündigte die Regierung am Dienstag an. Nötig ist dann nur noch ein Reisepass.

Das kommunistisch regierte Kuba macht einen bedeutenden Reformschritt und öffnet für seine Bürger weitgehend die Grenzen. Wie die Regierung in Havanna am Dienstag ankündigte, benötigen die Kubaner künftig keine offizielle Ausreisegenehmigung und auch keine Einladung aus dem Ausland mehr - ein einfacher Reisepass genügt. Auch die Dauer möglicher Reisen wird deutlich heraufgesetzt, von elf Monaten auf 24 Monate.

Die Lockerung der Ausreiseregeln war von Präsident Raúl Castro bereits vor zwei Jahren in Aussicht gestellt und seither von den Kubanern mit großer Spannung erwartet worden. Besonders die Abschaffung der offiziellen Ausreisegenehmigung, die seit den 60er Jahren - also den Anfangsjahren der kubanischen Revolutionsregierung - verlangt wird, ist ein weitreichender Schritt.

Genehmigung tritt Mitte Januar in Kraft

Die im Amtsblatt veröffentlichte Neuregelung tritt laut Außenministerium in 90 Tagen in Kraft, also am 14. Januar. Einige Beschränkungen bleiben bestehen. Die Dauer des Auslandsaufenthalts ist zunächst auf zwei Jahre begrenzt, Verlängerungen der ursprünglich genehmigten Ausreisedauer müssen wie bisher bei den diplomatischen Vertretungen Kubas beantragt werden. In der Erklärung des Ministeriums hieß es, die jüngsten Änderungen trügen dem "Recht des revolutionären Staats Rechnung, sich gegen die Einmischung und Unterwanderung durch die USA und ihre Verbündeten zu verteidigen".

Kommentar
Kubas neue Freiheit - von Klaus Ehringfeld

Kubaner dürfen nun fast ohne bürokratische Hürden weltweit vereisen. Was unter Fidel Castro noch undenkbar war, ist unter seinem jüngeren Bruder Raúl...

Nicht nur wegen der oft schwer oder gar nicht zu erhaltenden Ausreisegenehmigung, sondern auch wegen der hohen Kosten machten die bisherigen Regelungen eine Auslandsreise für viele Kubaner unmöglich. Für die umständliche Beschaffung der erforderlichen Visa, Genehmigungen und Beglaubigungen sind umgerechnet bis zu 385 Euro fällig. Zusammen mit dem Flugticket ist das für viele Kubaner unerschwinglich - der durchschnittliche Monatslohn liegt bei knapp 15 Euro.

Angst vor Abwanderung von Arbeitskräften

Havanna begründete die bisherigen Restriktionen mit der Notwendigkeit, der Abwanderung von qualifizierten Arbeitskräften in die USA und andere Staaten vorzubeugen. Seit 1966 gewährt Washington allen Kubanern, die es bis an die Küste der USA schaffen, automatisch Aufenthalt. In den Vereinigten Staaten leben vier Fünftel der rund 1,5 Millionen Auslandskubaner.

Das kubanische Außenministerium kündigte an, neben den nun angekündigten Neuregelungen für Auslandsreisen seien noch weitere Maßnahmen in der Migrationspolitik geplant, die nach und nach verabschiedet werden sollten. Es gehe darum, "die anhaltenden Bestrebungen der Revolution zur vollständigen Normalisierung der Beziehungen zwischen Kuba und seinen Emigranten zu konsolidieren".

Präsident Raúl Castro hatte in den vergangenen Jahren bereits eine ganze Serie von Reformen auf den Weg gebracht, mit denen unter anderem die staatliche Kontrolle über die Wirtschaft gelockert und den Kubanern mehr wirtschaftliche Eigeninitiative erlaubt wurde. Er hatte das höchste Staatsamt 2006 von seinem Bruder Fidel übernommen, der seit der von ihm angeführten Revolution den Karibikstaat fast fünf Jahrzehnte lang regiert hatte. (afp)

Kommentare
16.10.2012
16:19
Ich weiß zwar nicht, was das Regime in Havanna dazu
von Ani-Metaber | #5

prädestiniert erscheinen lässt, es als „kommunistisch“ regiert zu beschreiben, denn eine mangelnde Herrschaft des Volkes, bei gleicher Teilhabe Aller,...
Weiterlesen

Funktionen
Aus dem Ressort
Dortmunder AfD-Vorstand tritt fast komplett aus
Parteien
Sieben von acht Mitgliedern des Dortmunder Kreisvorstands der Alternative für Deutschland (AfD) erklärten am Montagabend ihrenAustritt aus der Partei.
Anklage fordert dreieinhalb Jahre Haft für früheren SS-Mann
Prozess
Dem 94-jährigen Oskar G. wird vorgeworfen in mehr als 300 000 Fällen Beihilfe zum Mord geleistet zu haben. Die Anklage fordert dreieinhalb Jahre Haft.
Kommission will Klimaziele erreichen und Billionen sparen
Umweltschutz
Klimaschutz muss nicht teuer sein. Einer neuen Studie einer internationalen Kommission zufolge kann er sogar Billionen Dollar einsparen.
Zu voll, zu eng: Flüchtlingsaufnahme in Dortmund in Nöten
Flüchtlinge
Seit Tagen kämpft die Aufnahmestelle in Dortmund mit dem Flüchtlings-Ansturm. Nach wiederholten Aufnahmestopps fordert die Opposition Konsequenzen.
Die Atom-Verhandlungen mit dem Iran werden verlängert
Atom-Streit
Im Atom-Poker mit dem Iran werden die Verhandlungen trotz ursprünglicher Dienstags-Deadline fortgesetzt. Es bleiben weniger als zehn offene Punkte.
Fotos und Videos
article
7198751
Kubaner brauchen künftig für Ausreise kein Visum mehr
Kubaner brauchen künftig für Ausreise kein Visum mehr
$description$
http://www.derwesten.de/politik/kubaner-brauchen-kuenftig-fuer-ausreise-kein-visum-mehr-id7198751.html
2012-10-16 12:19
Politik