Krumme Geschäfte mit Scheichs? Skandal bei NRW-Pferdezucht

Ein Korruptionsskandal erschüttert das landeseigene Gestüt in Warendorf.
Ein Korruptionsskandal erschüttert das landeseigene Gestüt in Warendorf.
Foto: dpa/Archivbild
Was wir bereits wissen
  • Der Korruptionsskandal am landeseigenen Gestüt Warendorf weiter sich aus.
  • Drei Angestellte sollen von Katar Geld für den Aufbau einer Equipe genommen haben.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Vorteilsnahme.

Düsseldorf.. Ein Korruptionsskandal um das landeseigene Gestüt Warendorf zieht immer weitere Kreise. Drei leitende Landesbedienstete werden beschuldigt, gegen private Extra-Provisionen dem Wüstenstaat Katar beim Aufbau einer Dressur- und Springreiter-Equipe geholfen zu haben. Zudem sollen sie sich samt Ehepartnern auf Kosten der Scheichs bei Orient-Reisen vergnügt haben. Die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt wegen des Verdachts der Vorteilsnahme.

Bereits Mitte Februar hatten Ermittler nach einem anonymem Hinweis das international renommierte Gestüt durchsucht. NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) suspendierte kurz darauf die Gestütsleiterin, den Finanzchef und den Rittmeister. Kommissarisch übertrug er die Leitung einem seiner Ministerialbeamten aus Düsseldorf, der in Warendorf aufräumen soll.

Korruption Das Ministerium wollte die Vorgänge am Mittwoch mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht kommentieren. Die Staatsanwaltschaft Münster bestätigte lediglich, dass die Ermittlungen andauerten.

Gestüt mit Weltruf

Unabhängig von der strafrechtlichen Relevanz sieht Remmel offenbar das Vertrauensverhältnis zu dem bisherigen Warendorfer Führungstrio als schwer gestört an. Das Land soll private Nebentätigkeiten in Katar ausdrücklich untersagt haben, da Interessenkonflikte befürchtet wurden. Das landeseigene Gestüt unterhält offizielle Geschäftsbeziehungen mit dem Emirat über die Unterstützung bei der Aufzucht erfolgreicher Dressur- und Springpferde. Die CDU-Opposition im Landtag will nun überprüfen, ob Remmel seiner Aufsichtspflicht ausreichend nachgekommen ist.

Katar versucht mit großem finanziellen Aufwand, neben dem verbreiteten Galopprennsport auch die anderen Pferde-Disziplinen zu etablieren. Das dem NRW-Umweltministerium unterstellte Gestüt Warendorf blickt auf eine 190-jährige Geschichte zurück und genießt mit seinen mehr als 100 Zuchthengsten Weltruf.

Katar will sich spätestens mit der umstrittenen Fußball-WM 2022 zu einem Zentrum des internationalen Sports entwickeln. Ein besonderes Augenmerk gilt seit einiger Zeit auch dem Pferdesport. Vor zwei Jahren sorgten die Scheichs für Aufsehen, als sie die Olympia-Stute Bella Donna von Springreiterin Meredith Michaels-Beerbaum kauften – für einen Preis von geschätzt über fünf Millionen Dollar.