Kritik an Qualitätstests für Schulen

Düsseldorf..  Die Qualitätstests an NRW-Schulen sind aus Sicht von Bildungsforschern „realitätsfern“. Zudem kritisieren Experten, dass die Fakten der Qualitätstests nicht für alle sichtbar im Internet veröffentlicht werden. Nach Meinung der Landeselternschaft sollten Ergebnisse öffentlich sein, damit sich Eltern ein Bild machen können. Während Hamburg und Berlin Berichte im Netz veröffentlichen, hat sich NRW nur für eine „schulinterne Verfügbarmachung der Daten“ entschieden.

In den Qualitätstests beurteilen die landesweit 90 Inspektoren Kernelemente des Unterrichts, Arbeitsklima und Führungskultur der Schule. Qualitätsprüfer testen auch das selbstgesteuerte Lernen, Partnerarbeit oder den Einsatz von Unterrichtsmedien. In Stellungnahmen für eine Anhörung im Landtag äußerte der Wuppertaler Bildungsforscher Jochen Krautz erhebliche Zweifel, dass Schulprüfer nach teilweise nur 20 Minuten Unterrichtsbesuch qualifizierte Bewertungen vorlegen könnten. Aus seiner Sicht müssten Prüfungen einige Stunden oder Tage umfassen.

Die nordrhein-westfälische Landesvorsitzende des Verbandes Lehrer NRW, Brigitte Balbach, hält Qualitätstests im Kern zwar für eine gute Idee. Die Umsetzung sei aber ungeeignet: Schulen würden sich gezielt auf die angekündigten Besuche und die gewünschten Unterrichtskonzepte vorbereiten, danach aber „weiterarbeiten wie vorher“, sagte Balbach.

Nach massiver Kritik von Lehrerverbänden an den Überraschungsbesuchen der Schulprüfer hatte Schulministerin Löhrmann (Grüne) langfristig abgestimmte Unterrichtsbesuche beschlossen.

Der Kölner Bildungsforscher Matthias Burchardt kritisierte das „subtile Regime von Kontrolle und Steuerung“ von Qualitätsteams und Schulaufsicht über Lehrer und Schulleitung. Dies sorge für eine „Atmosphäre des berechtigten Misstrauens“.

Der Dortmunder Bildungsforscher Hans-Günther Rolff bemängelte, dass die Schulprüfer bei den Bezirksregierungen angesiedelt seien. Andere Länder setzten unabhängige Agenturen ein. Martina Diedrich vom Hamburger Institut für Bildungsmonitoring sieht Schwächen, weil der Umgang mit Schulen, die Mindesterwartungen verfehlen, in NRW nicht definiert sei.