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Politik

Kritik am Kraneberger

31.07.2007 | 22:50 Uhr

Die Menschen an der Ruhr trinken schlechteres Wasser als anderswo in Deutschland, sagt die frühere NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn. Vorwürfe gegen die Wasserwerke

Essen. Die Menschen an der Ruhr trinken schlechteres Wasser als anderswo in Deutschland. Das behaupten die Grünen. "Jedes aus Grundwasser gewonnene Trinkwasser in Deutschland hat eine bessere Qualität als das Kraneberger aus dem Ruhrgebiet", sagte Bärbel Höhn, stellvertretende Fraktionschefin im Bundestag, der WAZ.

Höhn, die zehn Jahre lang NRW-Umweltministerin war, erhob schwere Vorwürfe gegen die Wasserversorger. Trotz steigender Gebühren und Abgaben der Bürger seien Kläranlagen und Wasserwerke an der Ruhr nicht auf dem neuesten Stand. "Es ist nicht genügend investiert worden", sagte sie mit Verweis auf die anhaltende Belastung mit der Industriechemikalie PFT.

"Ich frage mich, warum die Einwohner von Köln oder Düsseldorf mit ihrem Trinkwasser besser gestellt werden als die Menschen im Ruhrgebiet", so Höhn. Die Wasserwerke am Rhein seien mit besserer Technik ausgestattet. "Haben die Menschen hier an der Ruhr nicht das gleiche Recht auf die beste Qualität im Trinkwasser?"

Höhn forderte ein Sanierungsprogramm. Die Betreiber von Wasserwerken und Kläranlagen müssten notfalls zu Investitionen gezwungen werden. PFT sei nur ein Teil des Problems: "Im Trinkwasser finden wir heute einen ganzen Cocktail an chemischen Stoffen - Medikamentenrückstände, Flammschutzmittel, Antibiotika oder Hormone."

Gerade an der Ruhr sei eine bestmögliche Aufbereitung Pflicht. Nicht überall stamme das Trinkwasser direkt aus den Talsperren, sondern werde aus Oberflächenwasser gewonnen, das aus der Ruhr entnommen wird. "Ziel muss es sein, dass die Menschen wieder in der Ruhr baden können", so Höhn. "Dann wird auch unser Trinkwasser besser."

Die Wasserwerke an der Ruhr weisen Kritik an der Wasserqualität zurück. Das Trinkwasser entspreche allen Vorgaben der Gesundheitsbehörden.

Ihrem Nachfolger, NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU), warf Höhn beim Thema PFT Versäumnisse vor. "Er hat dafür gesorgt, dass mit Abteilungsleiter Harald Friedrich just jener Wasserfachmann des Ministeriums entlassen wurde, der den Wasserverbänden auf die Finger geschaut hat." Nun müsse sich Uhlenberg nicht wundern, wenn er das Problem nicht in den Griff bekomme.

Kommentar Seite 2 Bericht Politik "Ich trinke kein Leitungswasser, sondern bevorzuge stilles Mineralwasser"

Von Jürgen Polzin

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