Krankenkassen sollen für Kinderschutz zahlen

Düsseldorf..  Mit einem Gesetz für Frühe Hilfen will die rot-grüne Koalition in Nordrhein-Westfalen den Schutz von Kindern vor Vernachlässigung und Gewalt verbessern. Kommunen und Wohlfahrtsverbände begrüßten die NRW-Initiative für ein neues Landespräventionsgesetz, vermissten aber eine verlässliche Finanzierungssicherheit durch das Land.

In einer Stellungnahme für eine Anhörung morgen im Landtag forderten die Kommunalen Spitzenverbände, dass sich auch Krankenkassen finanziell stärker am Kinderschutz beteiligen. Schließlich dienten Erziehungshilfen für Eltern durch Kinder- und Jugendärzte, Familienhebammen und -krankenschwestern in Netzwerken dem gesunden Aufwachsen der Kinder.

Die Freie Wohlfahrtspflege NRW kritisierte, dass wichtige Angebote der Frühen Hilfe in Geburtskliniken, Kitas und Krippen in vielen Kommunen fehlten. Häufig reichten die Finanzen in Kommunen nicht aus, um eine gesicherte Struktur aufzubauen. So sollten auch Jugendämter festangestellte Kinderärzte und Psychologen beschäftigen. Aus Sicht der Sozialverbände verlangt die Zusammenarbeit mit Familienzentren, Schulen und dem Gesundheitswesen eine bessere Förderung durch das Land in den Einrichtungen.

Auch das Akademische Lehrkrankenhaus der Universität Köln begrüßte das Konzept früher Hilfen. Schließlich ließen sich schon bei der Geburt 70 bis 80 Prozent der Kindeswohlgefährdungen vorhersagen. „7 bis 8 Prozent der Familien weisen bei der Geburt psychosoziale Risikofaktoren auf“, erklärte Chefarzt Volker Soditt. Das frühe Hinsehen sei aber nur praktikabel, wenn es mit Hilfen durch Hebammen und Jugendhilfe verknüpft werde.

Präventionsketten

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte im Jahr 2012 das Modellprojekt „Kein Kind zurücklassen“ gestartet und den Schwerpunkt auf Präventionsketten gelegt. Kitas, Schulen, Vereine und Jugendämter sollen an der Förderung von Kindern eng zusammenwirken. Das geplante Landespräventionsgesetz soll positive Entwicklungen der letzten Jahre gesetzlich absichern. Zudem sollen Impulse durch das Bundeskinderschutzgesetz auf Bedingungen in NRW zugeschnitten werden.

Inzwischen sind in 92 Prozent der Jugendamtsbezirke in Nordrhein-Westfalen Netzwerke Frühe Hilfen eingerichtet worden. Dabei reichen Angebote von der Unterstützung von Familien mit Säuglingen bis hin zu Hilfen bei eingeschränkter Erziehungsfähigkeit.