Krankenakte des Co-Piloten im Fokus

Paris/Düsseldorf..  Weiterhin gibt der Airbus-Absturz in den französischen Alpen große Rätsel auf. Zur Ursachen-Klärung fehlten den Ermittlern auch sechs Tage nach der Katastrophe noch zentrale Bausteine: Der zweite Flugschreiber war weiterhin im ausgedehnten Trümmerfeld verschollen. Zudem durchforsteten die Ermittler die Krankenakte des Co-Piloten, der den Absturz bewusst herbeigeführt haben soll.

Der 27-Jährige aus Montabaur hat seinem Arbeitgeber Germanwings nach Erkenntnissen der Polizei eine Erkrankung verheimlicht. Die Fahnder suchten nach Hinweisen auf ein psychisches Leiden. Zum Tatmotiv des Co-Piloten haben die Ermittler noch keine Antwort. Sie fanden bislang weder einen Abschiedsbrief noch ein Bekennerschreiben. Für Berichte, wonach der Co-Pilot an starken psychischen Problemen und auch Sehstörungen gelitten haben soll, war bis Sonntag keine Bestätigung zu erhalten. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf erklärte, man habe in der Wohnung des Mannes „zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen“ gefunden.

Französische Ermittler untersuchen allerdings weiterhin die Möglichkeit eines technischen Defekts der Maschine. Die Behörden erhoffen sich vom Flugschreiber Aufschluss darüber, was an Bord des Airbus geschah, bevor die Maschine am Dienstag mit 150 Menschen an Bord an einem Bergmassiv nordöstlich von Marseille zerschellte.

Am Absturzort liegen Trümmerteile und die sterblichen Überreste der Insassen in unzugänglichem Gelände. Die Bergung der Toten habe absoluten Vorrang, sagte Staatsanwalt Brice Robin.

Der Co-Pilot, der auch aktiver Segelflieger war, kannte die Unglücksregion offenbar seit seiner Jugendzeit gut. Er sei mit seinen Eltern dorthin gekommen. Diese hätten zwischen 1996 und 2003 mit ihrem Segelflugclub aus Montabaur Flüge in der Gegend unternommen, sagte Francis Kefer vom Flugfeld in Sisteron. Der Ort liegt gut 40 Kilometer westlich der Absturzstelle.

Am 17. April soll im Kölner Dom mit einem Gottesdienst und einem Trauerakt der Opfer gedacht werden. In Haltern, wo um 16 Schüler und zwei Lehrerinnen getrauert wird, soll es am Mittwoch einen Gottesdienst geben.