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Krank durch Radar – Soldaten sollen entschädigt werden

15.11.2011 | 14:50 Uhr
Krank durch Radar – Soldaten sollen entschädigt werden
Teilnehmer einer symbolischen Trauerfeier eines an Krebs gestorbenen Soldaten, der an einem Radargerät gearbeitet hat, während einer Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt in Berlin. Foto: dapd

Berlin.   Hunderte von Bundeswehrsoldaten sollen gesundheitliche Schäden durch Radargeräte davongetragen haben. Für sie könnte ein jahrzehntelanger Kampf zu Ende gehen. Der Bundestag will mit einer Stiftung helfen. Sieben Millionen Euro stehen bereit.

Heinz Dankenbring ist krank. Hautkrebs. 33 Jahre lang arbeitete der heute 75-Jährige als Radarmechaniker bei der Bundeswehr. Was er früher ahnte, ist heute Gewissheit: Die Röntgenstrahlung hat ihn krank gemacht. Seit Jahren kämpft er für eine Entschädigung. Er und die weiteren Opfer waren ihrem Ziel noch nie so nah. Eine Stiftung soll sich um den Ausgleich kümmern - so hat es der Bundestag nun beschlossen.

Seit 1958 wisse die Bundeswehr „durch Messungen des Fernemeldezentralamts von der Gefahr“, sagt Dankenbring. Weil sie jedoch befürchtete, bei Bekanntwerden keine jungen Männer mehr zu gewinnen, sei die Gefahr verschwiegen worden. Mit dem Vorwurf betritt er im Verteidigungsministerium vermintes Gelände. Die Anschuldigung lässt das Ministerium nicht auf sich sitzen lässt. Erst Jahrzehnte später hätte die Wissenschaft seriöse Erkenntnisse über das Gefahrenpotenzial geliefert.

Dankenbring plagen Schuldgefühle

„Vielen Kameraden ging es wie mir. Ihnen wurde plötzlich schlecht. Nacheinander sind dann immer mehr gestorben“, erinnert sich Dankenbring. Als Offizier war er für jüngere Kameraden verantwortlich. Heute plagen ihn Schuldgefühle: „Ich habe Leute an den Radargeräten ausgebildet. Hätte ich nur gewusst, was das bedeutet.“

Allgemein bekannt war in den 1960er und 70er Jahren nicht, dass Röntgenstrahlen die Gesundheit gefährden. „Als ich dem Bundeswehrarzt gegenüber den Verdacht geäußert habe, dass mich die Radargeräte krank machen, hat er gesagt, ich hätte mich in etwas verrannt“, erinnert sich der ehemalige Offizier. Sein Antrag auf Wehrdienstbeschädigung wurde abgelehnt. Insgesamt stellten 3820 Soldaten solche Anträge, so eine Sprecherin des Ministeriums. Anerkannt wurden 771 - etwa jeder fünfte. Mit den strengen Kriterien soll laut Ministerium ausgeschlossen werden, „dass jemand eine Entschädigung erhält, der es nicht verdient hat“. Häufig können die Soldaten jedoch nicht mehr nachweisen, wann sie wie und wo eingesetzt waren; es ist zu lange her.

Aus sozialer Verantwortung

Die Stiftung soll nun außerhalb der rechtlichen Grenzen helfen - unbürokratisch. Sieben Millionen Euro aus dem Verteidigungsetat stehen dafür bereit, berichtet der SPD-Abgeordnete Ullrich Meßmer. „Ein guter Anfang“, meint Rolf Meyer vom Bundeswehrverband. Geht es nach dem Willen der Politiker, sollen auch die Hersteller der Radargeräte ihren Teil zur Entschädigung beitragen. Allerdings auf freiwilliger Basis, „aus sozialer Verantwortung“ wie SPD-Mann Meßmer hofft.

Geleitet werden soll die Stiftung von unabhängigen Persönlichkeiten. Im Gespräch als Ombudsmann ist der frühere Chef des Bundeswehrverbands, Oberst Bernhard Gertz. Die Politik ist zufrieden. „Ich finde es beachtlich, dass wir nun eine interfraktionelle Lösung hinbekommen haben“, so Karin Strenz von der CDU. Zwar gebe es stets bessere Lösungen, aber „gemessen an dem Status, der jetzt herrscht“, seien die Pläne für eine Stiftung „ ein positives Signal für die Geschädigten“, sagt Meßmer. FDP-Mann Burkhardt Müller-Sönksen betont die Signalwirkung: „Die Bundeswehr kümmert sich um Gesundheit und Leben ihrer Leute.“ Auch für Heinz Dankenbring ist es „ein Schritt in die richtige Richtung“. Sein Vertrauen in die Politiker ist allerdings erschüttert.

Die biologische Uhr tickt

Wegen Hautkrebs wurde er neun Mal an Nase und Brust operiert. Die Schweißdrüsen unter den Armen wurden ihm entfernt. Ein Kind zeugen konnte er erst nach 18 Jahren Behandlung mit Tabletten und Spritzen. „Wir sind alt, krank und arm. Ich verstehe nicht, warum uns die Regierung bis heute im Stich lässt, aber für Griechenland Milliarden ausgibt.“ Bleibt die Frage, wann die Betroffenen wirklich Geld sehen. Die biologische Uhr tickt. Die Stiftung soll „zügig“ eingerichtet werden, steht im Antrag der Fraktionen. Verteidigungs-Staatssekretär Christian Schmidt versichert: „Ich will niemandem zumuten, weitere zehn Jahre zu warten.“

Katharina Klöber

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