Kraft will digitalen Aufbruch - CDU wirft ihr Ablenkung vor

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) zeigt im Landtag während ihrer Rede ein in Nordrhein-Westfalen entwickeltes Kunstherz. In ihrer Regierungserklärung betonte Kraft die Bedeutung des Fortschritts und des digitalen Wandels für das Land.
NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) zeigt im Landtag während ihrer Rede ein in Nordrhein-Westfalen entwickeltes Kunstherz. In ihrer Regierungserklärung betonte Kraft die Bedeutung des Fortschritts und des digitalen Wandels für das Land.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Landesregierung will über 700 Millionen Euro in modernste Informationstechnologie stecken. Die Opposition moniert: Das klingt bloß schick.

Düsseldorf.. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hat in ihrer ersten Regierungserklärung seit mehr als zwei Jahren die Herausforderungen des digitalen Wandels beschworen. Man werde in den kommenden Jahren gemeinsam mit Bundes- und Europamitteln über 700 Millionen Euro in die Digitalisierung investieren, kündigte Kraft an. Neben der Breitband-Vollversorgung NRW solle die Modernisierung von Produktion, Dienstleistungen und Verkehr erreicht werden. „Wir wollen die großen Chancen des digitalen Aufbruchs nutzen“, betonte Kraft.

Wende aus taktischen Gründen

Die Opposition warf der Ministerpräsidentin vor, die Digitalwende aus rein taktischen Gründen auszurufen. „Sie denken, Sie könnten von den Problemen des Landes ablenken, indem Sie ein Thema wählen, das neu und schick klingt“, sagte CDU-Chef Armin Laschet. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner kritisierte, dass Rot-Grün in fast fünfjähriger Regierungszeit nicht einen einzigen Antrag im Landtag zum Thema Digitalisierung gestellt habe.

Digitalisierung Kraft präsentierte gestern unter dem Titel „MegaBits, MegaHerz, MegaStark“ eine 18-seitige Sammlung digitaler Projekte und Initiativen aus NRW. Oppositionsführer Laschet forderte die Regierungschefin auf, die konkreten Handlungsziele der Landesregierung zu benennen. Kraft habe lediglich eine Aufzählung längst bekannter Maßnahmen aus Kommunen, Hochschulen und der Privatwirtschaft vorgelegt. „Ihre Regierungserklärung hat eine bedenkliche Öko-Bilanz: viel Verpackung, wenig Inhalt“, sagte Laschet.

Laschet: Schuldenabbau geht vor

Statt sich Projekte von Privatfirmen und Forschungseinrichtungen ans Revers zu heften, müsse sich das Land um die digitale Erfassung von Unterrichtsausfall oder um die bessere Vernetzung polizeilicher Fahndungsdateien kümmern. Bürokratie- und Schuldenabbau seien wirksame Methoden, um Wirtschaft und Verwaltung den digitalen Wandlungsprozess zu erleichtern, so Laschet weiter.

FDP-Chef Lindner nannte Krafts Regierungserklärung „Maßnahmen-Huberei“ und forderte Rot-Grün auf, sich lieber dem eklatanten Mangel an Lehrern in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) zuzuwenden. NRW steuere auf eine „Bildungskatastrophe“ zu, wenn sich in den kommenden zehn Jahren die Zahl der MINT-Lehrer halbiere.