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Landtagswahl

Kraft lässt es im TV-Fernduell mit Rüttgers menscheln

14.04.2010 | 21:42 Uhr
Die Spitzenkandidatin der SPD für die Landtagswahl 2010 in Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft.

Düsseldorf.Als erste stieg SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft in den Fernseh-Ring und beantwortete im Fernduell mit Jürgen Rüttgers Fragen über die Zukunft von NRW. Geboten wurde Kost für Normalverbraucher, und zwischendurch ließ es Kraft immer wieder menscheln.

Dass der Programmchef von SAT.1 seinen Zuschauern am Ende einer Sendung allen Ernstes empfiehlt, zur Konkurrenz von RTL umzuschalten, dürfte als Novum in die Geschichte des Privatfernsehens in NRW eingehen. Möglich machten es die bevorstehende Landtagswahl und der Entschluss der beiden Sender, das Konzept der „Townhall-Meetings” aus den USA gemeinsam in ihren Fernsehwahlkampf zu übernehmen. Als erste stieg SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft im „TV-Fernduell” mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) in die Arena eines Bonner Theaters, um sich von Zuschauern über die Zukunft von NRW ausfragen zu lassen.

Es waren keine kniffligen Probleme, die Kraft zu lösen hatte. Kurze Fragen, kurze Antworten – Routine, die die Frau im lila Jackett und in schwarzer Hose souverän bewältigt. Die Ausgangslage für ihre Partei, wen wundert’s, schätzt sie dreieinhalb Wochen vor der Wahl positiv ein. „Es geht aufwärts”, sagt die Mülheimerin. Sie präsentiert sich lächelnd wie auf ihren Wahlplakaten, lässt es zwischendurch menscheln im Gespräch mit den 100 Zuhörern, die mit Bussen aus allen Landesteilen herangekarrt wurden. „Ich bin ein Arbeiterkind und habe Abitur gemacht”, sagt sie. Nicht zum ersten Mal.

Kraft wirbt für Rhein-Ruhr-Express

Kraft in ihrem Büro.

Die SPD-Frau verteidigt unter dem Strich die Agenda 2010, räumt aber Fehler ihrer Partei ein und wirbt für ihr Konzept des sozialen Arbeitsmarkts. „Wenn ich Sie so ansehe, würden Sie ja gern arbeiten”, antwortet sie einem Langzeitarbeitslosen, der die Vertrauensfrage an die SPD stellt. Kraft bekennt sich für ihre Partei „als letzte Mohikaner” zum Steinkohle-Sockel, um die heimische Energiereserve zu sicher, sie wirbt für industrielle Großprojekte wie die CO-Pipeline und drängt darauf, dass der Rhein-Ruhr-Express möglichst schnell auf die Schiene geht.

Jürgen Rüttgers, ihren Widersacher, erwähnt sie dagegen kaum. „Das ist eines der wenigen Themen, bei denen ich mit dem Ministerpräsidenten einer Meinung bin”, sagt sie beim Thema Opel. Viele Fragesteller haben ihre Stichworte auf Karteikarten notiert. Abgehandelt werden nacheinander die Felder Soziales und Gerechtigkleit, Umwelt und Verkehr, Bildung, Wirtschaft und Finanzen.

Kost für Normalverbraucher

Doch da Duelle, auch im Fernsehen, davon leben, dass sich die Kontrahenten zeitgleich und direkt messen, ist das von den Konkurrenzsendern ausgestrahlte „TV-Fernduell” zwischen Kraft und Rüttgers eigentlich Etikettenschwindel. Denn nach dem einstündigen Auftakt mit der SPD-Spitzenkandidatin ist erst neun Tage später der CDU-Regierungschef am Zug. Nicht gerade der Idealfall fürs Kurzzeitgedächtnis.

Dennoch war die Sendung ein sinnvoller Beitrag im Wahlkampf. Und ein Service der beiden Privatsender, die nicht gerade als Hochburgen politischer Information glänzen, an ihre Zuschauer. Geboten wurden keine Spezialitäten für die Feinschmecker im Politbetrieb, sondern Kost für Normalverbraucher, die sich vor der Wahl einen Eindruck verschaffen können. „Sie oder er – Wähler wollen’s wissen” mit Hannelore Kraft geriet jedenfalls kurzweiliger als die vergleichsweise steife und staatstragende Premiere vor der Bundestagswahl mit Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier.

Theo Schumacher

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