Koma-Patient in Frankreich darf sterben

Straßburg..  Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat in einem europaweit beachteten Urteil die Sterbehilfe für einen Querschnittsgelähmten in Frankreich gebilligt. Die Entscheidung des obersten französischen Verwaltungsgerichts, die künstliche Ernährung des Wachkoma-Patienten Vincent Lambert zu beenden, sei kein Verstoß gegen das Recht auf Leben.

Lambert liegt nach einem Verkehrsunfall vor sieben Jahren im Wachkoma. „Die französische Justiz hat alle medizinischen und ethischen Aspekte dieses Falls sorgfältig abgewogen“, heißt es in dem Urteil. Nun können die Ärzte mit Zustimmung der Ehefrau und mehrerer Geschwister die Magensonde des 38-Jährigen entfernen und ihn sterben lassen. Die Eltern und zwei Geschwister des Mannes sind strikt dagegen.

Die Präses der Evangelischen Kirche in Westfalen, Annette Kurschus, betont, dass passive Sterbehilfe in Deutschland nicht verboten ist. Das Thema berühre „absolute Grenzfälle“. Sie plädiere dafür, „dass man in diesem Grenzbereich nicht alles bis ins Letzte juristisch regeln kann“. Es werde immer eine Grauzone geben und damit auch ein gewisser Entscheidungsspielraum bleiben. „Wir können uns nicht vor einer Restverantwortung durch Gesetze absichern“, so Kurschus.