Koma-Patient darf nun sterben

Straßburg..  Die künstliche Ernährung des französischen Koma-Patienten Vincent Lambert darf abgebrochen werden. Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof bestätigte damit am Freitag in Straßburg ein französisches Urteil zur passiven Sterbehilfe. Nach Auffassung der Straßburger Richter hatte das oberste Verwaltungsgericht in Frankreich die geltenden Gesetze richtig interpretiert. Nach dem Leonetti-Gesetz von 2005 ist es Ärzten überlassen, lebenserhaltende Maßnahmen abzubrechen, wenn sich der Patient nicht mehr selbst mitteilen kann.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte der Katholischen Nachrichtenagentur, die Entscheidung entspreche dem deutschen Recht, da die Ehefrau den mutmaßlichen Willen Lamberts „glaubhaft vorgetragen“ habe. Er empfehle jedem Einzelnen, über eine Patientenverfügung nachzudenken, um „ein solch unwürdiges Gezerre“ wie im Fall Lambert auszuschließen, so Brysch weiter.

Lambert liegt seit einem Motorradunfall 2008 im Koma. Seine Frau, ein Großteil der Geschwister und seine Ärzte hatten sich gegen lebensverlängernde Maßnahmen ausgesprochen, zumal er nach dem Urteil von Ärzten Schmerzen empfinde. Die Eltern wollten, dass ihr Sohn weiter künstlich ernährt wird; sie riefen den Menschenrechtsgerichtshof an. Der Anwalt der Eltern hatte bereits vor dem Prozess angekündigt, bei einer Niederlage erneut in Frankreich vor Gericht ziehen zu wollen.

In Deutschland hatte 2010 der Bundesgerichtshof in einem Grundsatzurteil festgehalten, dass sich niemand gegen seinen Willen behandeln lassen muss.