Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Wahlrecht

Koalition will Wahlrecht allein reformieren - Opposition droht mit Verfassungsklage

21.09.2011 | 18:04 Uhr
Koalition will Wahlrecht allein reformieren - Opposition droht mit Verfassungsklage
Deutschland braucht ein neues Wahlrecht, aber SPD und Grüne sind mit dem Vorschlag von CDU und FDP nicht einverstanden. (Foto: dapd)

Berlin. In einer Woche soll der Bundestag über ein neues Wahlrecht abstimmen. Die derzeitige Regelung ist verfassungswidrig. Die Opposition ist verärgert über den neuen Vorschlag der Union und der FDP und droht mit einer Verfassungsklage.

Mitten in der Debatte um mögliche Neuwahlen geht im Bundestag der Streit um ein neues Wahlrecht in die entscheidende Runde: Union und FDP haben sich im Alleingang auf eine Neuregelung geeinigt und wollen sie nächste Woche im Bundestag beschließen - SPD und Grüne kündigten sofort Klage vor dem Bundesverfassungsgericht an.

Die Wahlrechtsreform ist nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts überfällig: Die Richter hatten eine Frist bis zum 30. Juni 2011 gesetzt. Die Koalition konnte sich aber nicht rechtzeitig einigen - gäbe es jetzt Neuwahlen, würde eine verfassungsfeste Gesetzesgrundlage fehlen.

Opposition droht mit Verfassungsklage

Am Mittwoch beschlossen Union und FDP im Innenausschuss einen Reformvorschlag, der die Änderungen so gering wie möglich halten soll. Weitgehend ausgeschlossen werden soll der paradoxe Effekt, dass eine Partei in bestimmten Fällen bei einem Zuwachs an Zweitstimmen weniger Mandate bekommt. Dieses „negative Stimmengewicht“ hatte das Gericht für verfassungswidrig erklärt. Die Lösung der Koalition: Die Verbindung von Landeslisten einer Partei wird abgeschafft - Zweitstimmen können nicht mehr mit denen in einem anderen Land verrechnet werden.

Die Opposition reagiert verärgert und bezweifelt, dass das Gerichtsurteil damit umgesetzt wird. Weil der paradoxe Stimmeffekt im Zusammenhang mit Überhangmandaten entsteht, wollten SPD und Grüne radikaler an dieser Stelle ansetzen und Überhangmandate abschaffen - eine Partei würde nicht mehr Direktmandate bekommen können als sie Zweitstimmen hat. Die SPD beklagt, die Koalition erhalte sich aus machtpolitischem Kalkül den Sondervorteil der Überhangmandate. Es sei auch das erste Mal, dass Änderungen des Wahlrechts nicht im Konsens beschlossen würden.

Eine Verfassungsklage sei unumgänglich, erklärten SPD und Grüne.

Christian Kerl

Kommentare
21.09.2011
19:00
Koalition will Wahlrecht allein reformieren - Opposition droht mit Verfassungsklage
von meinemeinungdazu | #5

Das nennt man manipulierte Demokratie! Ausgerechnet von einer christlichen Partei. Ekelhaft.

Funktionen
Aus dem Ressort
CDU sagt Ja zum Kindergarten mit Übernachtung
Kinderbetreuung
Mit Kopfschütteln reagierte die CSU auf die 24-Stunden-Kita. Aber die CDU unterstützt die Pläne von Familienministerin Manuela Schwesig.
Zahl der Wohngeldempfänger in NRW deutlich gesunken
Mietkostenzuschuss
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um 12,4 Prozent gesunken. Ab 2016 soll das Wohngeld für Arbeitslose, Rentner und Geringverdiener erhöht werden.
Griechenland nach dem Referendum - Hamsterkäufe in Athen
Griechenland
Nach dem Referendum ist keines der griechischen Probleme gelöst. Tsipras telefonierte mit Merkel. Parteien in Athen suchen eine gemeinsame Strategie.
AfD in Essen - Gäste verhindern Siegesrede von Frauke Petry
AfD-Protest
Den Sieg von Frauke Petry wollten AfD-Mitglieder in einem Essener Biergarten feiern. Gäste machten ihnen allerdings einen Strich durch die Rechnung.
Hartz-IV-Empfänger müssen nicht als Kinderbetreuer arbeiten
Urteil
Das Landessozialgericht Rheinland-Pfalz hatte den Fall eines Mannes zu entscheiden, der früher Bankkaufmann war - und jetzt in die Kita sollte.
Fotos und Videos
article
5086798
Koalition will Wahlrecht allein reformieren - Opposition droht mit Verfassungsklage
Koalition will Wahlrecht allein reformieren - Opposition droht mit Verfassungsklage
$description$
http://www.derwesten.de/politik/koalition-will-wahlrecht-allein-reformieren-opposition-droht-mit-verfassungsklage-id5086798.html
2011-09-21 18:04
Politik