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Gesundheitspolitik

Koalition beschließt mehr Vorsorge und mehr Kuren

14.12.2012 | 18:19 Uhr
Koalition beschließt mehr Vorsorge und mehr Kuren
Lifestyle-Angebote wie Schoko-Massagen sollen nach Willen der Regierung nicht mehr gefördert werden.Foto: Dirk Schuster

Berlin.   Die Regierung will Volkskrankheiten den Kampf ansagen und so am Ende Geld sparen. Die Eckpunkte des Plans hat sie in der nationalen Präventionsstrategie zusammengefasst. Die SPD kritisiert sie als „Wirtschaftsförderung für bayerische Kurorte“.

Susanne Fröhlich
Das ehemalige
Das ehemalige "Moppel-Ich" Susanne Fröhlich setzt jetzt auf...

Bikini-Figur, schmale Taille, stramme Oberarme. Alles, was Frau sich wünscht. Zwischen diesen Bildern auf dem Cover ihrer Yoga-DVD für fortgeschrittene Anfänger steht Susanne Fröhlich („Moppel-Ich“), die Handflächen vor der Brust aneinandergelegt.

Yoga ist ziemlich in Mode. Sie sind seit zwei Jahren dabei. Schuld ist Ihre Freundin, die Schauspielerin Ursula Karven.

Susanne Fröhlich: Ja! Sie hat mir eine Yoga-Matte und eine Übungs-DVD geschenkt und gesagt: Probiere es doch mal!

Begeistert waren Sie am Anfang aber nicht bei der Sache.

Fröhlich: Ich habe gedacht, das wäre nur etwas für Leute, die auch an die Kraft der Steine glauben. Ich komme aus einer Arztfamilie und bin ein ziemlich rationaler Mensch. Ich jogge, laufe sogar Marathon. Yoga habe ich auch nicht für einen richtigen Sport gehalten. Aber da habe ich mich getäuscht. Für mich ist die Kombination von Laufen und Yoga das Ideale. Ich war erstaunt, wie anstrengend Yoga ist, aber auch wie   schnell ich Fortschritte machte. Ich kann heute sogar einen Kopfstand, früher schaffte ich nicht einen Liegestütz.

Sie haben durch Yoga auch ordentlich abgenommen, tragen angeblich nicht mehr Konfektionsgröße 46, sondern 36?

Fröhlich: (lacht) Also, über meine Kleidergröße habe ich mich noch nie öffentlich geäußert. Das schreiben manche Leute einfach. Aber ich wiege jetzt tatsächlich weniger, rund 20 Kilo. Yoga entspannt und macht beweglich. Das ist auch im Hinblick auf die Wechseljahre super. Yoga gehört heute zu meinem Tag. Ich nehme mir täglich dafür mindestens 20 Minuten Zeit.

Sie sind eine Frau, die nicht nur am Salatblatt knabbert, sondern gerne isst. Ihren früheren Kampf gegen die Kilos haben Sie köstlich in Ihrem Buch „Moppel-Ich“ beschrieben. Sind Sie mit fünfzig auf dem Gesundheits-Trip?

Fröhlich: Ich habe einfach endlich den Diäten abgeschworen, verbiete mir nichts. Ich bin fünfzig! Damit muss mal Schluss sein, finde ich. Ich habe nicht mehr den Drang wie in jüngeren Jahren, anderen unbedingt gefallen zu müssen. Ich esse, was mir schmeckt, ich höre auf, wenn ich satt bin.

Sie sind eine erfolgreiche Autorin, haben 19 Bücher geschrieben. Buch Nr. 19 „Diät-Deutsch, Deutsch-Diät“ ist druckfrisch, auf dem Markt. Worum geht es?

Fröhlich: Es soll augenzwinkernd zeigen, was diese Diät-Bemühungen für ein merkwürdiges Unterfangen sind, wie viel Lebenszeit damit draufgeht.

In ihrem letzten Buch „Lackschaden“ geht es um eine Frau in den Wechseljahren, die merkt, dass ihre Ehe in eine Sackgasse geraten ist. Das Buch ist ein großer Erfolg.

Fröhlich: Im kommenden Jahr will ich die Fortsetzung schreiben, will mir ausdenken, wie es mit meiner Protagonistin Andrea weitergeht. Sie wagt sich wieder raus ins Leben und merkt: Da geht noch was!

Hat der 50. Geburtstag auch Ihren Blick aufs Leben geändert?

Fröhlich: Ich bin gerne 50 geworden. Aber eines ist klar: Es ist mehr als die Hälfte des Lebens rum. Die eigene Endlichkeit wird einem bewusster. Man denkt mehr darüber nach, was man tut und mit wem man seine Zeit verbringt.

Sie haben sich von Ihrem Lebensgefährten, dem Journalisten Gert Scobel, getrennt. Gibt es einen neuen Mann in Ihrem Leben?

Fröhlich: Es gibt Interessenten. Mal schauen, wie sich alles entwickelt. Ansonsten lebt es sich auch so recht gut.

Im Grundschulalter machen Kinder viele Entwicklungsschritte. Das birgt auch Gefahren. Manche Kinder leiden unter Verhaltensstörungen, andere unter motorischen Problemen oder einem schlechten Zahnbau. Die Koalition will dafür sorgen, dass solche Probleme künftig frühzeitig erkannt werden. Daher sollen Kinder bis zehn Jahren einen Anspruch auf die sogenannten U-Untersuchungen beim Arzt haben.

Gruppentarife für Firmen

Dies ist einer von vielen Eckpunkten der nationalen Präventionsstrategie, auf die sich Schwarz-Gelb nach jahrelangem Hickhack nun geeinigt hat. Damit will die Koalition Volkskrankheiten – Herzinfarkt, Depressionen, Schlaganfall – den Kampf ansagen und milliardenschwere Therapiekosten vermeiden. Was Unions-Fraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) am Freitag als Quantensprung bezeichnete, hält die Opposition indes für völlig unzureichend.

Unter dem Strich sollen die gesetzlichen Krankenkassen künftig 400 anstatt 270 Millionen Euro für die Vorsorge ihre Versicherten im Jahr ausgeben. Davon sollen mindestens zwei Drittel in die betriebliche Prävention fließen und ein Sechstel in Schulen und andere Lebensräume, um Problemgruppen zu erreichen. Weiter dürfen die Krankenkassen nach den schwarz-gelben Plänen verbilligte Gruppentarife in Firmen anbieten, wenn diese sich für Präventionsprogramme für die Mitarbeiter entscheiden.

Von dem Geldregen werden auch die Kurbetriebe profitieren, von denen es ausgerechnet in Bayern verdächtig viele gibt.

So pochte vor allem die CSU darauf, die Rolle der Kuren bei der Vorbeugung massiv zu stärken. Darüber stritt die Koalition über Wochen. Nun sollen die Tageszuschüsse für Kuren von 13 auf 16 Euro und bei chronisch kranken Kindern von 21 auf 25 Euro steigen. „Das ist ein guter Kompromiss“, sagte Singhammer. „Das ist in erster Linie eine Wirtschaftsförderung für bayerische Kurorte“, konterte SPD-Gesundheitsexpertin Carola Reimann.

Zudem will die Koalition die Qualität der Vorsorge verbessern. Daher sollen die Kassen nur noch Präventionsleistungen finanzieren, die erwiesenermaßen hilfreich für die Gesundheit sind. Dazu soll der GKV-Spitzenverband einheitliche Verfahren zur Qualitätssicherung entwickeln. Schwarz-Gelb will damit erreichen, dass die Kassen künftig nicht mehr zweifelhafte Präventionsangebote wie Yogakurse oder andere Lifestyle-Angebote fördern.

Krebsfrüherkennung verbessern

Die Koalition möchte außerdem die Krebsfrüherkennung verbessern, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stärken und Gesundheits-Checks überarbeiten. Bund, Länder, Kommunen, Ärzte, Kassen und die Sozialversicherungen sollen in Zukunft wichtige Ziele bei der Gesundheitsförderung definieren. Über deren Umsetzung soll eine „Ständige Präventionskonferenz“ wachen und jeder Legislaturperiode einen Bericht verfassen.

Daniel Freudenreich

Kommentare
17.12.2012
10:59
feierabend - #27 - Zum Thema lokale Versorgung folgender Hinweis:
von TreuerLeser | #29

Lokale Tageskliniken gibt es natürlich auch. Das sind eher solche, bei denen eine schon klare medizinische Indikation im Mittelpunkt steht.

Bei den...
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2012-12-14 18:19
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