Das aktuelle Wetter NRW 1°C
Politik

Kliniken entschuldigen sich für Abweisung von Vergewaltigungsopfer

17.01.2013 | 21:07 Uhr
Funktionen
Foto: /dapd/Hermann J. Knippertz

Zwei katholische Krankenhäuser haben sich für die Abweisung eines mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers entschuldigt. Die Hospitalvereinigung bedauere das Verhalten ihrer beiden Mitarbeiter in den Kliniken und entschuldige sich bei der Patientin, hieß es in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Köln (dapd). Zwei katholische Krankenhäuser haben sich für die Abweisung eines mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers entschuldigt. Die Hospitalvereinigung bedauere das Verhalten ihrer beiden Mitarbeiter in den Kliniken und entschuldige sich bei der Patientin, hieß es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Zahlreiche Politiker und Verbände kritisierten derweil die zwei Krankenhäuser, die einer jungen Frau eine Untersuchung verweigert haben sollen, weil sie kein Gespräch über die "Pille danach" führen dürfen. Die Eigentümerin der Kliniken, eine Stiftung, spricht von einem Missverständnis.

Die junge Frau war nach einem Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" offenbar auf einer Party mit K.o.-Tropfen betäubt worden und erst einen Tag später auf einer Parkbank wieder zu sich gekommen. Eine Notärztin, die eine Vergewaltigung nicht ausschließen konnte, habe die Kliniken um eine Spurensicherung gebeten, um mögliche Tatspuren gerichtsverwertbar zu sichern.

Sie sei mit der Begründung abgewiesen worden, die gynäkologischen Untersuchungen zur Beweissicherung seien seit zwei Monaten untersagt, weil damit ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft und deren Abbruch sowie das Verschreiben der Pille danach verbunden sei. Ärzte an den kirchlichen Kliniken, die sich dieser Regelung widersetzten, müssten mit fristloser Kündigung rechnen. "Die Ärztin hat auch nicht eingelenkt, als wir ihr sagten, dass das Beratungsgespräch schon erfolgt und die 'Pille danach' bereits verschrieben sei", zitiert die Zeitung die Notärztin. Die Stiftung bestätigte, dass in den Kliniken das Mittel nicht verschrieben werden darf.

Die Kölner Polizei bestätigte den Bericht. Erst eine evangelische Klinik in Kalk habe die Frau aufgenommen. Ermittlungen gegen die Stiftung gibt es nach Angaben eines Sprechers jedoch nicht.

Aus Sicht der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria, die die zwei betroffenen Kliniken führt, kam es "vermutlich zu einem Missverständnis" zwischen einer Notärztin und den Krankenhäusern. Der Vorfall werde derzeit intern geprüft, hieß es in einer Stellungnahme. Das Hilfsangebot der Kliniken umfasse auch eine anonyme Spurensicherung, betonte die Einrichtung.

"Keine vergewaltigte Frau wird von uns abgewiesen", betonte der Sprecher der Cellitinnen-Stiftung, Christoph Leiden. "Wir leisten alle notwendige medizinische Hilfen und psychologische Betreuung. Außerdem ist die Anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftat (ASS) in unseren Häusern möglich. Also alle Maßnahmen außer der Notfallkontrazeption - der Pille danach."

Auch das Erzbistum Köln wies Berichte zurück, wonach Vergewaltigungsopfer nicht mehr in katholischen Krankenhäusern behandelt werden dürfen. "Wir bedauern sehr, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden ist, dass Opfer einer Vergewaltigung in katholischen Krankenhäusern nicht mehr behandelt werden dürfen. Das ist falsch", teilte das Bistum am Donnerstag mit. Auch in diesen Kliniken erhielten die betroffenen Frauen die notwendige Heilbehandlung, dazu gehöre auch eine Spurensicherung.

Das NRW-Gesundheitsministerium kündigte an, dem Vorfall nachzugehen. "Das Ministerium prüft, ob ein Verstoß der Krankenhäuser gegen gesetzliche Regelungen vorliegt. Dazu ist es zunächst erforderlich, den Sachverhalt zweifelsfrei aufzuklären", teilte die Behörde mit. Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) betonte: "Grundsätzlich darf kein Krankenhaus das Opfer einer Gewalttat abweisen."

Die Grünen im Landtag kündigten an, das Thema im Gesundheitsausschuss anzusprechen. Der Landesvorsitzende Sven Lehmann sagte: "Der Fall in Köln zeigt einmal mehr die zynische Moral der katholischen Kirche, in deren Trägerschaft die Krankenhäuser stehen." Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft solle die Betriebserlaubnis entzogen werden, wenn sie Menschenrechte wie das Recht auf erste Hilfe ablehnten, forderte er.

Harsche Kritik kam zudem von der CDU-Bundestagsabgeordneten Ursula Heinen-Esser. "Das ist für mich ein zutiefst unchristliches und unbarmherziges Verhalten, Frauen in einer Notsituation abzulehnen", sagte sie dem Sender hr1 am Donnerstag. Heinen-Esser ist auch NRW-Landesvorsitzende der katholischen Schwangerschaftsberatung donum vitae. Der Verein Frauenwürde betonte: "Mit dieser Haltung diskriminiert die Amtskirche das Vergewaltigungsopfer erneut."

dapd

dapd

Kommentare
17.01.2013
22:00
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Aus dem Ressort
Mehr Polizisten als Legida-Demonstranten in Leipzig
Demo
15000 sollten es werden, am Ende waren es gerade 1500. Bei der dritten Legida-Kundgebung in Leipzig waren mehr Polizisten als Islamkritiker.
Bundeswehr bereitet Ende des Ebola-Einsatzes in Afrika vor
Ebola
Bislang starben 9000 Menschen an Ebola, doch die Zahl der Neuinfektionen ging zuletzt deutlich zurück. Die Kanzlerin fordert eine "Weißhelm-Truppe".
Eklat in Athen - Griechenland wirft die Troika aus dem Land
Griechenland
Schon im Wahlkampf hatte sich diese Konfrontation angedeutet. Jetzt stellt sich die neue griechische Regierung tatsächlich offen gegen die Geldgeber.
In Edathy-Affäre steht Schlüsselfigur Hartmann unter Druck
Edathy-Affäre
Die Zweifel an der Rolle des SPD-Politikers Hartmann in der Affäre um Sebastian Edathy werden immer größer. Auch die eigene Partei geht auf Distanz.
Prügelstrafe für saudischen Blogger zum dritten Mal abgesagt
Prügelstrafe
Nach dem Mittagsgebet sollte der saudische Blogger Badawi wegen Islambeleidigung geprügelt werden. Die Strafe wurde ausgesetzt - zum dritten Mal.
Fotos und Videos
7493987
Kliniken entschuldigen sich für Abweisung von Vergewaltigungsopfer
Kliniken entschuldigen sich für Abweisung von Vergewaltigungsopfer
$description$
http://www.derwesten.de/politik/kliniken-entschuldigen-sich-fuer-abweisung-von-vergewaltigungsopfer-id7493987.html
2013-01-17 21:07
Kirchen,Krankenhäuser,Vergewaltigung,ZUS,
Politik