"Klima der Angst" - Widerstand bei Lokführern gegen Weselskys harten Streikkurs

Immer im Mittelpunkt: Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky.
Immer im Mittelpunkt: Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der kompromisslose Kurs, den GDL-Chef Claus Weselsky fährt, stößt auch innerhalb der Lokführergewerkschaft auf Kritik. Anhänger der gewerkschaftsinternen „Initiative für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der GDL“ halten Weselsky vor, im Tarifkonflikt mit der Bahn AG zu überdrehen.

Essen.. Innerhalb der Lokführergewerkschaft GDL wächst der Unmut über den kompromisslosen Kurs von GDL-Chef Claus Weselsky. Noch weiß der streibare Gewerkschaftsboss die Mehrzahl seiner Mitglieder hinter sich. Doch Anhänger der gewerkschaftsinternen Plattform „Initiative für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der GDL“ halten dem 53-jährigen Chef der Spartengewerkschaft vor, im aktuellen Tarifkonflikt mit der Bahn AG zu überdrehen.

Den aktuellen Arbeitskampf hätte Weselsky „so niemals führen“ dürfen, sagte der frühere GDL-Bundesvize Dieter Kowalsky dieser Redaktion. „Ich frage mich, was ist das für eine Strategie, Verhandlungsangebote einfach abzulehnen“, so Kowalsky. „Wer das Tarifgeschäft kennt, der weiß, dass es ein Geben und ein Nehmen gibt.“ Im Tarifkonflikt dürfe Streik nur das letzte Mittel sein.

Kowalsky äußerte sogar Verständnis für die Haltung der Bahn. Das Staatsunternehmen lehnt konkurrierende Tarifverträge für einzelne Berufsgruppen ab und will mit der GDL nicht über Zugbegleiter und Mitarbeiter der Bordgastronomie verhandeln, die mehrheitlich in der Gewerkschaft EVG organisiert sind.

In der GDL-Zentrale herrsche "ein Klima der Angst"

Auch andere ehemalige Spitzenkräfte der GDL äußerten sich kritisch gegenüber dem Kurs ihres Vorsitzenden. Weselsky lasse keine Kritik zu, in der Frankfurter Gewerkschaftszentrale herrsche ein Klima der Angst, sagte der frühere NRW-Vizechef Olaf Schulz-Arimond.

Gewerkschaften Ex-Vize Dieter Kowalsky sieht die Möglichkeit einer baldigen Einigung im Tarifstreit zwischen Bahn und GDL skeptisch. Weselsky habe sich festgefahren. „Bleibt die Bahn hart, streikt sich die GDL kaputt.“

GDL-Chef Weselsky denkt über neue Streikwelle nach

Unterdessen hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) angesichts der Tarifkonflikte bei Bahn und Lufthansa vor Beeinträchtigungen für Passagiere im Advent gewarnt. „Ein Streik in der Vorweihnachtszeit würde Deutschland massiv schaden“, sagte Dobrindt dem „Münchner Merkur“. Tariffreiheit sei ein hohes Gut, setze aber auch Verantwortungsbewusstsein voraus. „Die Tarifpartner haben immer zu berücksichtigen, dass es betroffene Dritte gibt“, so der Verkehrsminister.

Die Lokführergewerkschaft prüft derzeit das weitere Vorgehen nach einer bis diesen Sonntag verkündeten Streikpause. GDL-Chef Weselsky hatte bereits am Dienstag laut über eine neue Streikwelle nachgedacht.