Klare Standards für Qualität und Glaubwürdigkeit
02.05.2007 | 19:45 Uhr 2007-05-02T19:45:06+0200Hagen/Essen. Die Chronologie war kein Zufall. Heute begehen die Medien den internationalen Tag der Pressefreiheit, gestern verabschiedete die WAZ-Mediengruppe ihren neuen Verhaltenskodex für Redakteure. Damit setzt sich die Gruppe klare Standards für die
Der Verhaltenskodex - Auszüge lesen Sie unten auf dieser Seite - regelt unter anderem die strikte Trennung von redaktionellen Inhalten und Werbung sowie die Unabhängigkeit der Redaktionen. Er legt die Spielregeln fest, an die sich Verlag, Anzeigenabteilung und Redakteure zu halten haben.
Mit 25 Unterschriften wurde das Dokument gestern im Weißen Saal der Essener Philharmonie feierlich besiegelt. Neben Anneliese Brost, Gisela Holthoff, Renate Schubris und Dr. Stephan Holthoff-Pförtner als Vertretern der Gesellschafterfamilien ratifizierten unter anderem Bodo Hombach, Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe, die Geschäftsführer der Zeitungsgruppe Thüringen und des Braunschweiger Zeitungsverlags sowie elf Chefredakteure, der Hauptanzeigenleiter der Mediengruppe und Betriebsräte den Kodex.
Publizistische Leitlinien haben bei der WAZ-Mediengruppe Tradition. Schon die Gründungsherausgeber Erich Brost und Jacob Funke schufen kurz nach dem 2. Weltkrieg international anerkannte Standards. 1974 wurden diese Richtlinien im "Roten Buch" für Verlag und Redaktion weiterentwickelt.
"Nun reagieren wir auf die Veränderungen in der Medienbranche", sagte Bodo Hombach. Der Druck von Politik und Wirtschaft auf Verlage und Redaktionen habe zugenommen. "In der Bundeshauptstadt Berlin gibt es mittlerweile mehr Lobbyisten und PR-Beauftragte als Journalisten", sagte der Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe. Es sei eine deutlichere Trennung erforderlich "zwischen dem, was Werbung, was der Versuch ist, Berichterstattung zu infiltrieren, und was journalistische Leistung ist".
Der Plan der Europäischen Union, Schleichwerbung im Fernsehen zu erlauben, sei "ungeheuerlich". Gerade die Regionalzeitungen müssten ein deutliches Signal gegen die Vermischung von Werbung und redaktionellen Inhalten setzen. Der Verhaltenskodex der WAZ-Mediengruppe sei zudem ein "Element in der Kette einer Qualitätsoffensive, die wir noch steigern wollen".
Die Unabhängigkeit der Berichterstattung sei mit der Freiheit der Presse untrennbar verknüpft, betonte auch Stephan Holthoff-Pförtner, Bevollmächtigter der Funke-Familien-Gesellschaft. Die Kontrollfunktion der Medien als vierter Gewalt sei unverzichtbar für eine freiheitlich-demokratische Grundordnung. Deshalb müsse die Unabhängigkeit der Journalisten gewahrt bleiben. "Durch einen korrupten Journalismus wird das Vertrauen der Menschen in die Medien erschüttert", sagte Holthoff-Pförtner.
Die WAZ-Mediengruppe ist der erste große Regionalzeitungsverlag in Deutschland, der in einem Kodex das Verhalten seiner Redakteure regelt. Gleichzeitig richtet die Gruppe einen Ombudsrat ein, in dem Vertreter der Chefredaktionen, Anzeigenleitung, Betriebsräte und Rechtsabteilung strittige Fragen behandeln. "Das ist ein Novum in der deutschen Zeitungslandschaft", sagte Lutz Tillmanns, Geschäftsführer des Deutschen Presserats. Der Kodex sei ein "sinnvoller Ansatz, die Qualität der Zeitungen weiter auszubauen".

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