Kirchen verlieren laut Studie weiter an Bedeutung

Hagen..  Angesichts einer größer werdenden Konkurrenz durch weltliche Angebote geraten nach Ansicht des Münsteraner Religionssoziologen Prof. Detlef Pollack die christlichen Kirchen immer mehr ins Hintertreffen. Die Mehrheit der Menschen finde andere Lebensbereiche wie Familie, Freizeit oder Beruf wichtiger, skizziert der Wissenschaftler den Bedeutungsrückgang der Kirchen. Eine Entwicklung, die aus seiner Sicht nicht zu stoppen ist. Mehr noch: „Die Kirchen sind dieser Abwendung der Gläubigen häufig machtlos ausgeliefert.“

Pollack stellt am kommenden Mittwoch in Münster seine Untersuchung „Religion in der Moderne“ vor. Das Erzbistum Paderborn will die Ergebnisse der Analyse in seine Überlegungen des pastoralen Zukunftsbildes mit einbeziehen, so Ägidius Engel gegenüber dieser Zeitung. Der Sprecher sieht Anzeichen, dass „die Bedeutung von Religion und Kirche in der komplizierten Massengesellschaft vermeintlich schwinden wird“. In dieser „schwierigen pluralistischen Grundsituation“ brauche die Kirche Mut zum eigenen Standort, geistige Offensiven, konkrete Lebenssinnalternativen und persönliches Zeugnis. Engel: „Die Menschen wollen keine christliche Sozialromantik, vielmehr aufrichtige Diskurse über das Gute und die Wahrheit.“

Nach Auffassung des Religionssoziologen Pollack können die Kirchen den Bedeutungsrückgang nur ein wenig auffangen, in dem sie sich gesellschaftlich einmischen. „Wo unsere Stimme gefordert ist“, tue man dies, sagt Andreas Duderstedt von der Evangelischen Kirche von Westfalen. „Nicht als Selbstzweck, sondern weil wir auf Gottes Wort hören und deshalb etwas zu sagen haben, was sonst niemand sagt“, so der Sprecher.

Entsprechend handele man in der Kirche, so Duderstedt, „sei es im Einsatz für Flüchtlinge oder für ein Sterben in Würde.“ Darüber hinaus zeigten Ereignisse wie der Flugzeugabsturz in den Alpen das große Bedürfnis nach stellvertretender Trauer. „Nur die Kirchen können einen Raum für diese Trauer bieten.“