Kirchen prangern Terror und Krieg an

Berlin..  Zum Jahreswechsel haben die Kirchen Terror, Kriege und Flüchtlingselend angeprangert und zu mehr Solidarität mit Menschen in Not aufgerufen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, forderte ein Ende der Ausgrenzung von Flüchtlingen. „Gebt ihnen ihre Würde zurück anstatt diese Würde mit dumpfen Sprüchen zu untergraben“, sagte der bayerische Landesbischof laut Manuskript in seiner Neujahrs-Predigt in der Münchner St. Matthäuskirche. „Hört auf mit der Spaltung. Und lasst alle an der Gesellschaft teilhaben“, mahnte der Bischof.

Kölns Erzbischof Rainer Maria Woelki macht die deutsche Rüstungsindustrie dafür mitverantwortlich, dass die Zahl der Flüchtlinge 2014 zugenommen hat. „Wir exportieren qualitätsvolle, zielgenaue und robuste Waffen in einem großen, noch nicht dagewesenen Umfang“, sagte der Kardinal laut Redemanuskript in seiner Silvesterpredigt. „Circa 100 000 Deutsche arbeiten für den Export von Kriegsgütern. Wir verdienen daran. (...) Und wir wundern uns dann, wenn einige Opfer von Gewalt an unsere Türen klopfen?“

Scharf kritisierte der katholische Geistliche die gegen den Islam gerichteten Pegida-Demonstrationen. „Das Abendland verteidigen wir nicht, indem wir die Schotten dicht machen“, sagte Woelki. „Gerecht werden wir diesem christlichen Abendland, wenn wir (...) Flüchtlingen eine menschenwürdige Unterkunft und Nachbarschaftlichkeit zukommen lassen.“

„Öl ins Feuer des Fundamentalismus“

Das Thema trieb auch seinen Rottenburger Kollegen Gebhard Fürst um: „Wer im Namen der Tradition des Christentums Fremdenhass zulässt oder schürt, gießt Öl ins Feuer des Fundamentalismus.“

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann nannte es beschämend, wie untätig die Menschen etwa die Gewalt in Syrien hinnähmen. „Wir sind oft so stolz über unsere technischen Leistungen, darin wirklich oft Giganten, aber im Blick auf den Erhalt des Friedens sind wir erbärmliche Zwerge“, betonte der ehemalige Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz seinem Manuskript zufolge. Entsetzlich sei auch die Verbindung zwischen Gewalt und dem Missbrauch von Religion.

Fuldas katholischer Bischof Heinz Josef Algermissen mahnte wie seine Mitbrüder mehr Solidarität mit Flüchtlingen. „Werden wir in einem relativ reichen Land zu teilen bereit sein oder uns abschotten? Die Antwort auf diese Frage steht noch aus“, sagte er dem Redemanuskript zufolge. Der sächsische Landesbischof Jochen Bohl sagte im evangelischen Neujahrsgottesdienst, über Einwanderungs- und Asylpolitik müsse gestritten werden, „über die Aufnahme von Flüchtlingen aber gibt es nichts zu streiten“.