Kirche und Klassenkampf

Was mag da noch alles kommen? Die katholische Kirche will geschiedenen Mitarbeitern nur noch in total schlimmen Ausnahmefällen kündigen. Staunend nahmen wir auch zur Kenntnis, dass in Zukunft auch Gewerkschaften Zutritt zu kirchlichen Einrichtungen haben dürfen. Ja, was denn noch? Sehen wir in Zukunft bald Gewerkschaftsfunktionäre, die nach der Messe mit Fähnchen und Gratis-Kulis um Mitglieder werben? Muss man im Beichtstuhl künftig Schwarzarbeit angeben? Es eröffnen sich ganz neue Szenarien: Der DGB sponsert Hochämter im Dom. Die Klingelbeutel-Euros fließen in die Streikkasse der Bahngewerkschaft. Spruchbänder im Altarraum werben für die Arbeitnehmerorganisation: „Glaube ist gut, Sicherheit ist besser – Werde Mitglied!“ Oder: „Warte nicht aufs Paradies – 35-Stunden-Woche jetzt!“ Psalm 113 ließe sich gewerkschaftlich umdeuten: „Halleluja! Lobet, ihr Knechte des Herrn, lobt den Namen des Herrn!“ Und das alte Arbeiterlied „Wenn wir schreiten Seit’ an Seit’“ bekommt bei Prozessionen eine ganz neue Dimension.