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Kinderarmut - Panne in der wichtigsten Sozialstatistik

06.05.2011 | 21:16 Uhr
Kinderarmut - Panne in der wichtigsten Sozialstatistik
Peinliche Panne: Die Kinderarmuts-Quoten wurden falsch berechnet. (Foto: ddp)

Essen.   Das DIW korrigiert seine Kinderarmuts-Quoten nach einer Panne in der Statistik deutlich nach unten. Politiker sehen nun die Glaubwürdigkeit der Erhebung beschädigt. Derzeit leben 1,7 Millionen Unter-15-Jährige in Hartz-IV-Haushalten.

Politiker argumentieren gern mit Zahlen. Mit harten Zahlen. Die wichtigsten Zahlen, auf die sich Sozialpolitiker aller Parteien seit fast 30 Jahren berufen, stehen im Sozioökonomischen Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Das musste sich nun derart drastisch korrigieren, dass grundsätzliche Zweifel an dieser zentralen Statistik entstehen. Sie hat immerhin die sozialpolitischen Debatten der vergangenen Jahre maßgeblich beeinflusst, so bei der Kindergeld-Erhöhung und bei Hartz IV.

Was ist passiert? Die OECD hatte in ihrer jüngsten Familienstudie Deutschland für 2009 eine niedrige Kinderarmutsquote von 8,3 Prozent bescheinigt. Das sei im internationalen Vergleich sehr gering und das Ergebnis umfangreicher Familienförderung in Deutschland. Der Schönheitsfehler: Noch vor zwei Jahren klagte die OECD kurz vor der Bundestagswahl über eine dramatische Kinderarmutsquote von 16,3 Prozent. Damals bezog sie sich auf das Jahr 2004. Diese Zahl wurde vom DIW, das der OECD die Zahlen liefert, später auf zehn Prozent korrigiert.

Derzeit leben 1,7 Millionen Unter-15-Jährige in Hartz-IV-Haushalten.

Wie SOEP-Experte Markus Grabka gestern einräumte, hat das Verfahren des DIW zu falschen Kinderarmutsquoten geführt. Das DIW ruft seit 1984 jedes Jahr 11 000 Haushalte an und bittet sie um detaillierte Angaben zu ihren Einkünften und Lebensverhältnissen. Allerdings antworten immer weniger. Offenbar sind Arbeitslose und Geringverdiener besser erreichbar als Gutverdiener. Grabka betont aber, das Problem schon vor drei Jahren erkannt zu haben. Die OECD sei mehrfach gewarnt worden, die Zahlen würden revidiert.

„Schlamperei“ nennt das der Remagener Statistik-Professor Gerd Bosbach. „Stichproben ohne Auskunftspflicht sind immer ungenau, weil manche Gruppen sich mehr beteiligen als andere. Das weiß man und muss die Statistik entsprechend begradigen.“ Doch bezweifelt Bosbach auch die neue Quote: „Die Kinderarmut hat sich kaum verändert, das kann man an den konstanten Zahlen der Hartz-IV-Kinder ablesen.“ Derzeit leben 1,7 Millionen Unter-15-Jährige in Hartz-IV-Haushalten. Allein das sind 13 Prozent ihrer Altersgruppe. Auch DIW-Experte Grabka sagt: „Das Problem der Kinderarmut bleibt bestehen.“

„Prozentpunkte dürfen nicht der Gradmesser sein“

Die Sozialexpertinnen der großen Parteien kritisieren die Statistik-Panne einhellig, sehen darin aber keinen Grund, ihre Politik zu ändern. „Wir werden deshalb sicher nicht das Kindergeld wieder senken“, sagt Dorothee Bär (CSU), familienpolitische Sprecherin der Union. „Sozialpolitik muss sich um jedes einzelne Kind kümmern, Prozentpunkte dürfen nicht der Gradmesser sein“, meint Elke Ferner (SPD).

Doch ihr Vertrauen in die DIW-Umfragen ist dahin, beide Politikerinnen fordern eine Überarbeitung der Methoden, um „verlässliche Daten“ zu erhalten.

Stefan Schulte

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Kommentare
08.05.2011
18:32
Kinderarmut - Panne in der wichtigsten Sozialstatistik
von PeterPeters | #29

.

Kinderarmut bedeutet nicht, dass arbeitslose Eltern sich nicht um die Schulausbildung (Hausaufgaben etc.) kümmern können.

Arme Schüler = doofe Schüler ist nicht richtig.

Doofe Eltern = doofe Schüler schon eher. Und an der Doofheit der Eltern ändern auch höhere Hartz4-Sätze nichts.

.

08.05.2011
09:40
Kinderarmut - Panne in der wichtigsten Sozialstatistik
von wohlzufrieden | #28

In diesem Blog ist wieder die Creme de la Creme der Blödzeitungsleser vertreten...

07.05.2011
18:09
Kinderarmut - Panne in der wichtigsten Sozialstatistik
von dummmberger | #27

@26 von Trebusch
Wenn ich so etwas lese, rollen sich meine Fußnägel auf . Das Totschlagargument mit den Armutsländern ist reiner Zynismus, um eine Gerechtigkeitsdebatte in unserem Land abzuwürgen.
Ich weiß, was ich für meine Kinder im Monat ausgeben muss, für Bildung, für Musikunterricht und Sport. Und ich weiß, dass sich das lohnt. Und ich weiß auch, dass ich meinen Kindern das als Geringverdiener oder Hartzi nicht bezahlen könnte.
Aber unsere Kinder müssen sich in unserem Land eben nicht mit anderen messen, die auch nichts haben, sondern mit anderen, die sich noch mehr leisten können. Sie müssen sich nicht mit Kindern messen, die wegen Armut auch keine anständige Schul- oder Berufsausbildung bekommen haben. Sie werden mal um einen Job kämpfen müssen, auch gegen die Nachkommen derer, die mit Geld selbst mangelnde Begabung ihrer Kinder ausgleichen können.
Jetzt sagen Sie mir mal, wie man das hinkriegen soll, wenn man von Hartz IV lebt.

07.05.2011
17:52
Kinderarmut - Panne in der wichtigsten Sozialstatistik
von Trebusch | #26

Wenn man hier von Armut spricht , rollen sich meine Fußnägel auf .Was ist denn überhaupt Armut ?
Ist Armut dort anzutreffen , wo im Kinderzimmer keine Playstation 3 sondern nur die 2 steht , wo noch ein Röhrengerät steht anstatt eines 107er Flachbildschirm mit Full-HD ?Ist es Armut , wenn Kinder keine Markenjeans für 200 Euro tragen , sondern eine aus der Woolworth für 25 Euro ? Ist es Armut wenn man nur ein abgelegtes Handy der Eltern weiterbenutzt und kein 12 Funktionen Hightech-Informationscenter mit Telefoniermöglichkeit im Scheckkartenformat sein eigen nennt ? Allen , die von Kinderarmut in Deutschland sprechen , sollten sich mal in Ländern informieren , in denen tatsächlich Armut herrscht , und dann nach der Rückkehr mal den Eltern der betroffenen in den allerwertesten treten , weil sie die Stütze für sich und ihren Mithalten-Konsumwahn verbraten und ihre Kinder ohne Frühstück zur Schule schicken .

07.05.2011
15:23
Kinderarmut - Panne in der wichtigsten Sozialstatistik
von b.scheuert | #25

#24
Selber denken? Bloß nicht! Die BILD reicht schon...

07.05.2011
13:10
Kinderarmut - Panne in der wichtigsten Sozialstatistik
von Mippes | #24

Die Kinderarmut ist so offensichtlich, dass unternehmernahe Institute alles tun, um den Anschein zu geben, es sei ja gar nicht so schlimm.

Die Herrschenden haben die Macht, über die Medien genehme Botschaften zu übermitteln, auch wenn sie falsch sind.

Dabei wäre es für jeden Bürger doch so einfach, Plausibilitätsüberlegungen durchzuführen.

07.05.2011
12:43
Kinderarmut - Panne in der wichtigsten Sozialstatistik
von dummmberger | #23

@21 von thiesbuerger

Danke.

07.05.2011
12:39
Kinderarmut - Panne in der wichtigsten Sozialstatistik
von meinemeinungdazu | #22

Die Zahlen sind so oder so manipuliert.

07.05.2011
12:30
Kinderarmut - Panne in der wichtigsten Sozialstatistik
von thiesbuerger | #21

@dummberger

Das sagt uns, dass hier wahre Rechengenies unterwegs sind.

07.05.2011
11:59
Kinderarmut - Panne in der wichtigsten Sozialstatistik
von dummmberger | #20

@19 von exmarx

Interessante Information.
Und was sagt uns das?

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