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Kinder durch Schule so hart belastet wie Erwachsene im Vollzeitjob

19.09.2012 | 15:14 Uhr
Kinder durch Schule so hart belastet wie Erwachsene im Vollzeitjob
Mehr als 38,5 Stunden pro Woche arbeiten Kinder und Jugendliche im Schnitt in der oder für die Schule.Foto: Torsten Silz/dapd

Berlin.   Jugendliche investieren bis zu 45 Wochenstunden für's Lernen. Verbände und Experten warnen vor Fehltentwicklungen, die zu dauerhaften Erschöpfung führen können und fordern mehr Freiraum fürs Spielen und Faulenzen.

Kinderschutzverbände fordern mehr Freiräume für die Jüngsten. Mehr als 38,5 Stunden pro Woche arbeiten Kinder und Jugendliche im Schnitt in der oder für die Schule, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Unicef-Umfrage anlässlich des Weltkindertages (20. September) hervorging. Mit zunehmendem Alter steigt die Arbeitsbelastung - in den Klassen 9 bis 13 bis zur 45-Stunden-Woche. Dieser eng gesteckte Rahmen raubt den Kindern notwendige Zeit zum Spielen und zur Erholung, wie mehrere Organisationen kritisieren. Der Weltkindertag steht in diesem Jahr unter dem Motto "Kinder brauchen Zeit!"

Forderung nach mehr Zeit zum Faulsein und Nachdenken

Bei der Altersgruppe bis einschließlich sechs Jahren liegt der Umfrage des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen zufolge der Zeitaufwand für die Schule bei rund 31 Wochenstunden, bei den Sieben- bis Zwölfjährigen sind es mehr als 37 Stunden. Ab 13 Jahre arbeiten die Jugendlichen fast 44 Wochenstunden in der oder für die Schule.

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Die Kinderschutzorganisation World Vision warnte vor starker Erschöpfung. "Zeit zur Erholung und Freiraum zum Spielen ist wichtig für das Wohlbefinden von Kindern und fördert ihre Entwicklung besser als manches strukturierte Lernprogramm", sagte Andrea Müller de Merino, Bildungsreferentin des Kinderhilfswerks. "Beim scheinbaren Nichtstun passiert in Wirklichkeit sehr viel".

Zeitliche Vorgaben beim Medienkonsum gefordert

An der Unicef-Online-Umfrage beteiligten sich seit Juni rund 2000 Mädchen und Jungen. In einem Wochenplan hatten sie ihren Tagesablauf von 7 Uhr bis 22 Uhr beschrieben.

Nach den schulischen Verpflichtungen verbringen Kinder die meiste Zeit mit der Familie (18 Stunden pro Woche) und dem Faulenzen oder Musikhören (gut 15 Stunden). Danach folgen Computerspiele und Fernsehen (fast 14 Stunden). Letzteres ist vor allem bei Jungen beliebt. Mehr als 17 Stunden pro Woche sitzen sie nach eigener Einschätzung vor der Konsole, dem PC oder dem Fernseher. Bei Mädchen sind es rund zehn Stunden.

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Die Initiative "Schau hin! Was Deine Kinder machen." ermahnte Eltern, Kindern zu einem klar begrenzten, sinnvollen Medienkonsum zu verhelfen. Ihnen müsse Zeit bleiben, sich mit anderen zum Spielen zu treffen, Hobbys zu pflegen oder einfach nur auszuspannen. Daher seien klare zeitliche Vorgaben beim Medienkonsum nötig.

Der Unicef-Umfrage zufolge kommen bei beiden Geschlechtern und in allen Altersgruppen Hobbys wie Sport im Verein, Musik machen, Haustiere oder Nebenjobs zu kurz. Diese nehmen rund acht Stunden pro Woche ein. (dapd)

Kommentare
07.10.2012
15:53
Kinder durch Schule so hart belastet wie Erwachsene im Vollzeitjob
von Hanno2 | #21

Ja, und? Das scheint doch leider notwendig, wenn sie später mal einen Vollzeitjob haben wollen...
Es gibt allerdings sehr wohl Vorschriften, wann und...
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2012-09-19 15:14
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