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Kick durch Technologie

02.03.2008 | 19:15 Uhr

Kultur allein wird das Ruhrgebiet nicht nach vorne bringen, glaubt Torsten Oltmanns von der Unternehmensberatung Roland Berger

KAMPF DER REGIONENEssen. Die Metropolregion Ruhr steht im beinharten nationalen und internationalen Wettbewerb. Von Kopenhagen bis Barcelona - Europas Metropolen kämpfen miteinander um Investoren und Arbeitsplätze und neuerdings vor allem um eins: Die Mitglieder der "kreativen Klasse", exzellent ausgebildete Wissensarbeiter, die sich als Motoren für die künftige Wirtschaftsentwicklung ihre Arbeitsplätze aussuchen können.

"Diese kreative Klasse entscheidet über die Zukunftsaussichten ganzer Regionen. Wer sich für diese Zielgruppe attraktiv machen will, darf nicht orientierungslos drauflos latschen", sagt Torsten Oltmanns. Der Marketing Direktor der Unternehmensberatung Roland Berger hat die Erfolgskriterien erfolgreicher Metropolen untersucht und warnt: "Das Ruhrgebiet darf nicht halbherzig auf den Schwerpunkt Kultur setzen. Es benötigt eine langfristige Strategie, um die ,Kulturhauptstadt 2010' in dauerhafte Vorteile für die Region zu verwandeln." Lebensqualität, Anregungsdichte und eine positive Urbanität gehörten dazu, damit "im Jahre 2011 nicht alles verpufft und die Kreativen sich dauerhaft in der Metropol-Region Ruhr ansiedeln", so Oltmanns. Ein "Tonnage-Wettkampf" von Kulturveranstaltungen werde sicherlich eine Menge Touristen ins Ruhrgebiet locken. Aber nicht automatisch mehr erreichen.

Da könne das Ruhrgebiet beispielsweise von Barcelona lernen. Dort habe man systematisch und über Jahre hinweg gezielt Künstler, Architekten und Designer in die Stadt geholt. Es habe Stipendien gegeben, neue Studiengänge und preiswerten Wohnraum für Kreative. Den neuen, dauerhaft sesshaften Leuten in der Stadt seien nach und nach die Jobs in der Kreativwirtschaft gefolgt. "Diese konsequente Strategie ist aufgegangen. Heute ist Barcelona-Design ein Begriff, ein Markenzeichen für die Stadt."

Oltmanns empfiehlt dem Ruhrgebiet auf dem Weg zur "Metropolregion Ruhr" eine Bündelung seiner Kräfte. Es reiche nicht, wenn jede Kommune in vielen Bereichen mehr oder weniger Gutes vorhalte. "Die ganze Region sollte zeigen, was sie alles kann, jede Stadt sich auf Schwerpunkte konzentrieren - Kleinkunst die eine, großes Theater die andere, Spitzenforschung hier, exzellente Lehre dort." Den richtigen Wachstums-Kick für das Ruhrgebiet erwartet sich Oltmanns ohnehin nicht durch die Kultur, sondern vielmehr durch eine systematische Entwicklung der technologischen Stärken. "Die Metropolregion Ruhr ist die Wiege der Industrialisierung. Daran kann man anknüpfen und systematisch die besten kreativen Köpfe aus Technik, Naturwissenschaft und Forschung in die Region holen. Warum schaffen die ,Ruhris' nicht ein, zwei tolle Exzellenz-Unis für Spitzenforschung mit weltweiter Ausstrahlung?" Zuerst kämen die guten Leute, hernach dann die Unternehmen mit ihren Jobs für gute Leute.

Das wiederum würde voraussetzen, dass die Verantwortlichen in der Politik sich auf einen langfristigen Plan verständigten. Andere Regionen - etwa Hamburg oder auch Kopenhagen - schafften es, sich jenseits aktueller politischer Konstellationen auf nachhaltige gemeinsame Wachstumsstrategien zu verständigen.

Wie weit der Weg des Ruhrgebietes in die Top-Etage der deutschen Metropolregionen ist, zeige eine Befragung unter Führungskräften und deren Lebenspartner. Demnach finden selbst die vermeintlich attraktiven Städte Köln, Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart kaum Fans. Denn derzeit haben, so Oltmanns, vornehmlich Hamburg, München und Berlin Strahlkraft für Spitzenkräfte und deren Familien.

Von Wilhelm Klümper

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