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Keine Sündenböcke

15.01.2012 | 18:23 Uhr
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Keine Sündenböcke

Seit Dezember wussten die Europäer, dass die Ratingagentur Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit der Euro-Staaten prüft. Wer die Entwicklung in der Schuldenkrise verfolgt, ahnte, welche Schlüsse die Bonitätswächter ziehen würden. S&P nun zum Sündenbock zu machen, würde zu kurz greifen.

Zwar ziehen Ratingagenturen berechtigte Kritik auf sich: Sie sahen die Finanzkrise nicht voraus und bewerteten Griechenland zu rosig. S&P hatte im November fälschlicherweise mitgeteilt, Frankreichs Kreditwürdigkeit zu senken. Vertrauenerweckend war das alles nicht. Doch das heißt nicht, dass die Agenturen stets falsch liegen. Ihre Analyse der verfahrenen Lage im Euro-Raum benennt treffend und für Politiker schmerzhaft die Probleme: zu hohe Schulden, ein sorgloser Umgang mit Steuergeldern, großes wirtschaftliches Gefälle in einem Währungsraum, in dem jedes Land praktisch ungestraft das machen konnte, was es wollte.

Allerdings ist die Finanzwelt mittlerweile stark von den Urteilen der Agenturen abhängig, in deren Hände die Branche die Bewertungen von Kreditrisiken auslagerte. So erhielten Standard & Poor’s und Co. zu viel Deutungsmacht.

Sabine Brendel

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