Keine "Rente de luxe" für Beamte?
20.08.2008 | 18:19 Uhr 2008-08-20T18:19:19+0200Sie zahlen keine Beiträge ins Rentensystem, bekommen im Durchschnitt aber mehr heraus. Die Pensionsregelung für Beamte erhitzt wieder die Gemüter. Sind die Pensionäre zu Unrecht Rentner de luxe?
Worauf beruht das Vorrecht der Beamten, die im Gegensatz zu "normalen" Arbeitnehmern keinen Beitrag für ihre Altersversorgung beisteuern müssen?
Rechtlich gründet sich die unterschiedliche Handhabung auf den Artikel 33 des Grundgesetzes. Dieser garantiert in Absatz 5 allgemein die "hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums". Faktisch galt lange die Bevorteilung Beamten als Ausgleich dafür, dass die Gehälter vor Bezug des Ruhegelds eher niedriger lagen als in der privaten Wirtschaft. Diese Zeiten sind allerdings längst vorbei.
Wie hoch ist denn der Unterschied zwischen Pension und Rente?
Ein Durchschnittspensionär erhält derzeit etwa 2300 Euro pro Monat überwiesen - ein durchschnittlicher Rentner dagegen lediglich knapp 1180 Euro. Dies liegt unter anderem auch daran, dass der Anteil der gut Ausgebildeten im gehobenen und höheren Dienst, bei den Beamten recht hoch ist. Das durchschnittliche Alterseinkommen eines Pensionärs liegt also doppelt so hoch wie das eines durchschnittlichen Rentners. Seit etwa Mitte der neunziger Jahre ist die Standardrente lediglich um elf Prozent geklettert, die Standardpension dagegen um nahezu ein Drittel angestiegen.
Gibt es weitere Gründe für diesen eklatanten Unterschied?
Ja. So wird die Mindestpension von 1300 Euro bereits nach einigen Dienstjahren erreicht wird. Wehr- und Zivildienst werden teilweise angerechnet. Außerdem errechnet sich die Pension eines Beamten nicht, wie beim Rentner, aus dem Durchschnittseinkommen seiner gesamten Arbeitszeit, sondern allein aus dem letzten Grundgehalt. Und dies ist in aller Regel das höchste Einkommen der beruflichen Laufbahn.
Wie stark belasten die Pensionen die Kassen der öffentlichen Arbeitgeber, etwas des Landes NRW?
Die staatlichen Ausgaben für die Altersversorgung der Beschäftigten sind enorm. Der Bund der Steuerzahler spricht bereits von einer "Pensionslawine", die immer mehr anschwillt. Das Land Nordrhein-Westfalen etwa muss aktuell rund 4,58 Milliarden Euro pro Jahr allein für seine Pensionsempfänger aufbringen. Da die Zahl der Pensionäre des Landes absehbar von derzeit etwa 140 000 auf etwa 240 000 im Jahr 2030 steigen wird, wachsen im gleichen Zeitraum die entsprechenden Lasten für die Landeskasse auf mehr als sieben Milliarden Euro.
Was tut das Land, um sich für die absehbaren Mehrausgaben zu rüsten?
Lange wurde das Problem der steigenden Pensionslasten von der Politik ausgeblendet. Die schwarz-gelbe Landesregierung hat sich dem angenommen und bislang 925 Millionen Euro in eine Versorgungsrücklage gegeben. Insgesamt sind jetzt zwei Milliarden Euro in diesem Topf. Hinzu kommt der Versorgungsfond NRW. Seit Januar 2006 überweist das Land für jeden neu eingestellten Beamten 500 Euro pro Monat in den Fond, der aktuell 90 Millionen Euro beinhaltet.

16:32
Jeden Sommer das Selbe, es wird wie immer über die Beamten und Pansionere geschimpft .(Sommerloch in der Presse)
14:43
@3 ubu: Und diese Durchschnittspensionen liegen, das muss man ja auch mal wissen, schon als Durchschnitt, also Summe aller Pensionszahlungen geteilt durch die Anzahl der Empfänger, erheblich höher als das MXIMUM, dass ein rentner aus der gesetzlichen rente erwarten darf! MAXIMUM bei der gesetzlichen Rente nach 45 Beitragszahlungen und diese bitte immer mit ca. 3500 EUR verrenteter Bruttolohn liegt bei ca. 1700 EUR: Das MAXIMUM! Dafür würde so ein Beamter nicht mal die linke Po-Backe vom Stuhl heben - aber das kriegt nur der best ausgebildete Ingenieur mit 45 Jahren... kann der ja nie erreichen, der muss ja studieren und fängt als Jung-Ingenieur mit 1000 EUR brutto damals vor 30 Jahren an... Und der Jungbeamte fing auch mit 1000 EUR damals an aber der kriegt jetzt schon mehr als den Durchschnitt an Pension.
Gut, bei den 2300 wurden vorher schon Steuern und KV abgezogen, VORHER, denn das kriegt der ja lt. Artikel AUSGEZAHLT! Fein Aufpassen bei Formulierungen, von wegen versteuern Ja, VORHER. Also waren das brutto bei 30% Steuersatz mal eben ca. 3.300 EUR DURCHSCHNITTSRENTE! Huuuuups! Das ist aber lecker! Ach ja, wir können rechnen, liebe Beamte, haben wir 30 Jahre lang heftig geübt bei Ausrechnen unserer Nettogehälter als Brutto minus Steuern minus KV minus RV mit AV. Ihr wisst nicht was RV und AV ist? RV=Rente, AV=Arbeitslosenversicherung, klar woher sollen beamte das wissen, ist ja irrelevant, gelle? Also schön den Ball flachhalten...
10:59
@3 uhu:
sicherlich haben Sie recht mit diesen Ausführungen.
Allerdings wird in dem Artikel von DURCHSCHNITTSpensionen und -renten gesprochen. Da ist es dem Sachverhalt also nicht dienlich, hochbezahlte Pensionärsposten herauszuheben.
Außerdem haben Sie vergessen zu erwähnen, dass Beamte und eben auch Pensionäre sich nur zu Teil krankenversichern müssen. Einen Teil größer/gleich 50% zahlt die Beihilfe. Mit steigender Kinderzahl steigt die Beihilfe. Bei den explodierenden Gesundheitskosten würde mich mal interessieren, wie hoch allein die Kosten für die Beihilfe sind, die ALLE Steuerzahler belasten.
11:51
2007 wurde die Frühberentung von Beamten mit 50.000 € gefördert. Vor der Bundestagswahl 2009 klagt die WAZ an, dass Beamten der Deutschen Telekom mit 45 Jahren in die Rente gehen. Während der Hausarzt als vermeintlicher Kumpan seines Patienten kein Rentengutachten erstellen darf, ist der Beamtenkollege, Weggefährte und Parteifreund AMTSARZT der Schreiber des Rentenattestes.
Hausärzte dürfen nicht einmal die Arbeitsfähigkeit von Patienten, welche sie nicht behandeln, für den MDK als Auftragsgutachter bearbeiten. Der AMTSARZT ist die Schlüsselinstanz zur Frühberentung von Beamten.
09:58
@ ubu (#3)
Danke.
Für diesen Beitrag, der endlich mal von Sachkenntnis gerägt war.
In einer Diskussion, die ansonsten von dumpfer Hetzerei und völliger Ahnungslosigkeit bei gleichzeitig großspurigen Kommentaren hier geprägt ist.
16:30
Klar, man kann wieder gut auf den Beamten rumhacken. Ein Ministerialbeamter, der irgendwo in Besoldungssphären schwebt, die ein kleiner Kommunal- oder auch Feuerwehrbeamter nie im Leben erreichen kann, bekommt vermutlich eine Pension in einer Höhe, die so mancher noch nie in seinem Leben monatlich verdient hat. Gut.
Man sollte dabei dann aber auch so ehrlich sein, und nicht die Tatsachen verschweigen, dass ein Beamter seine private Krankenversicherung von dieser Pension dann selbst zahlen muß (und das kann im Alter verdammt teuer werden), zudem muss er Familienangehörige gesondert versichern, sofern diese nicht selbst irgendwo gesetzlich versichert sind, und die Pension ist voll zu versteuern.
Dem entgegen ist der gesetzliche Rentner im Regelfall in der Krankenversicherung der Rentner pflichtversichert, Familienangehörige sind kostenlos mitversichert.
Und es darf auch nicht vergessen werden, dass Beamte im einfachen oder mittleren Dienst (z.B. bei Justiz oder Berufsfeuerwehren) teilweise so schlecht besoldet sind, dass einige von ihnen, wenn sie Familie haben und in teuren Städten (z.B. München, Düsseldorf, Köln) leben, zusätzlich zur Besoldung Anspruch auf aufstockendes Hartz IV haben.
UND: Was immer wieder gerne vergessen wird: Es sind nicht die Beamten schuld, dass die Pensionszahlungen fast unbezahlbar werden - es sind die Politiker schuld, die die für die Pensionen zu bildenden notwendigen Rücklagen anderweitig verfrühstückt haben. Hätte man die notwendigen Gelder weitgehend gewinnbringend angelegt (o.k., vielleicht nicht gerade in Karstadt-Aktien...), dann wären die Beamtenpensionen genauso bezahlbar wie die gesetzliche Rente (die ihrerseits ja auch zur Finanzierung versicherungsfremder Leistungen geplündert wurde, z.B. der deutschen Einheit, danke, Herr Kohl...).
Also bitte nicht so beißreflexartig auf dem Beamtentum herumhacken, man sollte sich da schon beide Seiten ansehen.
Schöne Grüße
ubu
16:07
Diesen Unfug des teuren Beamtentums hat die Politik gemacht. Die großen Parteien sind Schuld und dürften von Millionen normalen Arbeitnehmern nicht mehr gewählt werden. Wir brauchen eine neue und gerechte Politik. Wir brauchen ein System, in das alle, aber auch alle einbezahlen bei gerechten Ansprüchen. Die verbrauchten Großparteien müssen weg, das sie die falschen Altgeleise nicht verlassen wollen.
11:37
Vielen Dank, Herr Bau, für diesen (endlich einmal) fundierten Artikel zu diesem Thema, auch für ihre differenzierten Darlegungen u.a. zu den unterschiedlichen Arbeitszeiten und dem Gehaltsanteil der Krankenversicherung für Familienmitglieder.