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Keine Angst vorm Altern des Reviers

20.06.2007 | 08:47 Uhr

Dortmund. Das Ruhrgebiet ist heute schon der rentnerreichste Großraum Deutschlands. Nirgendwo wird der demographische Wandel so früh spürbar werden wie im Revier: Die Geburtenrate ist niedrig, junge Familien ziehen weg, Arme und Alte bleiben zurück. Das h

Ein neuer Wissenschaftsverbund will dem alternden Revier Vorteile abgewinnen und sieht die Region als "demographisches Laboratorium". "Das Ruhrgebiet könnte zu einem Modell der Generationensolidarität werden, das für andere Regionen wegweisend ist", sagt Prof Rolf. G. Heinze, Soziologe an der Ruhr-Uni.

Die Prognose klingt zunächst bedrohlich. "Betroffen ist insbesondere das Kern-Revier mit Bochum, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Oberhausen", erklärt Prof. Gerhard Naegele (Uni Dortmund). Dort sei bis 2020 mit einem Bevölkerungsrückgang von über zehn Prozent zu rechnen. Vor besonders dramatischen Veränderungen steht Hagen. Dort werde es mit minus 16 Prozent die stärksten Bevölkerungsverluste geben. "Stellen wir uns das, was auf uns zukommt, am Beispiel eines Zehnfamilienhauses vor: Vor 50 Jahren wohnte dort vielleicht eine Mietpartei im Rentenalter. Künftig könnten es acht von zehn Parteien sein", meint Prof. Ludger Pientka, Direktor der Klinik für Altersmedizin des Marienhospitals Herne.

Kein Grund zur Verzweiflung, meinen die Wissenschaftler aus Dortmund und Bochum. "Alter ist ja meist negativ besetzt", ärgert sich Ludger Pientka. "Aber nur ein kleiner Teil der Über-80-Jährigen ist hilfsbedürftig. Wir reden hier über fitte Alte, die eine große Kaufkraft haben."

Die Botschaft aus den Unis lautet: Macht diesen Senioren den Alltag angenehm. Sorgt für barrierefreies Wohnen, kurze Wege zum Arzt und zum Supermarkt, plant ganze Stadtteile seniorengerecht. Pientka: "Es gibt viele, die mit 65 nochmal wegziehen. Die suchen sich aber ein möglichst gutes Quartier." Wohnungsgesellschaften, die diese Wünsche nicht bedienen können, drohen Leerstände.

Der Wissenschaftsverbund wird die Perspektiven für das Ruhrgebiet interdisziplinär begleiten. Dazu gehören gemeinsames Forschen, ein neuer Masterstudiengang "Alternde Gesellschaften", eine Graduiertenschule sowie zwei "Summer Schools", die allen Interessierten offen stehen. Die Stiftung Mercator unterstützt das Projekt für zwei Jahre mit 365 000 Euro.

Info: www.rub.de/zuda

Von Matthias Korfmann

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