Kein Skandal

Wir sollten die Kirche im Dorf lassen: Dass die Mendener Narren ihren Karnevalsumzug am Tulpensonntag mit kleinen Charlie-Hebdo-Motivwagen bestücken, ist weder ein Skandal noch besonders mutig. Denn das Motiv ist in keiner Weise geeignet, die religiösen Gefühle von Muslimen (oder Christen oder anderen) zu verletzen. Es zeigt einfach nur ein paar große Buntstifte und die Aufschrift „Menden est Charlie“.

Menden ist aber nicht Köln. Dort zogen die Karnevalisten ihren Wagen zurück, und zwar auch auf Druck lokaler Medien. Die Polizei hatte nach eigener Angabe grünes Licht gegeben, weil sie kein erhöhtes Gefährdungspotenzial für den Umzug sah. Anschließend warfen dieselben Medien den Verantwortlichen vor, aus Angst vor Anschlägen die Meinungsfreiheit geopfert zu haben.

Wahrscheinlich werden bei den kommenden Umzügen zig Motivwagen durch die Städte Deutschlands rollen, die sich mit dem schrecklichen Attentat in Frankreich und seinen Folgen auseinandersetzen. Manche so zurückhaltend wie in Menden, andere vielleicht eher mit dem Holzhammer. Die meisten Karnevalsvereine werden ihre Pläne allerdings vorher nicht an die große Glocke hängen. Das wäre wohl auch in Menden die beste Lösung gewesen.